Sonntag, 21. Juli 2024

Scholz beschimpft Friedensaktivisten als Teufel, „die aus der Hölle kommen“

(David Berger) Die öffentliche Beschimpfung der Menschen, die sich ein Ende des brutalen Schlachtens in der Ukraine wünschen, hat nun eine neue Dimension erreicht: Olaf Scholz hat am Wochenende bei einer Wahlkampfrede in München die Friedensaktivisten als gefallene Engel, die aus der Hölle kommen, kurzum als Teufel bezeichnet.

Bundeskanzler Scholz, der sonst in zentralen Debatten einen eher hilflos-schüchternen Eindruck bei seinen Landsleuten hinterlässt, höchstens dann einen Lachanfall bekommt, wenn er hört, dass ein Bäckermeister aufgrund der verfehlten Energiepolitik der Altparteien pleite macht, ist am Wochenende ausnahmsweise mal zu Höchstform aufgelaufen.

Dabei ging es freilich um ein Thema, das seiner Partei offiziell schon immer ein Anliegen war: „Die Waffen nieder!“, war da die Devise, seine sozialdemokratischen Vorgänger hatten die Friedenspolitik in ihrer Ostpolitik zur Herzensangelegenheit erklärt und auf den Friedensmärschen vor 1989 waren nicht nur zahlreiche Sozis, sondern auch wichtige SPD-Politiker vertreten.

Friedenstauben lügen

Auch Scholz hat nun eindrucksvoll gezeigt, wie er mit dieser Tradition seiner Partei umgeht.  „Und die, die hier mit Friedenstauben rumlaufen, sind deshalb vielleicht gefallene Engel, die aus der Hölle kommen…“ (Olaf Scholz)

Für alle Nichttheologen: Die gefallenen Engel, die in der Hölle wohnen sind Satan und seine bösen Dämonen, die nichts anderes kennen, als die Menschen von Gott (Scholz? Selenskyj?, Krieg?, Biden?) wegzuführen, ihnen dafür Glück vorzugaugeln, um ihnen dann das größtdenkbare Unglück (kein Krieg?) zu bescheren. (Quelle) Wer das weiß, versteht, was Scholz da gesagt hat. Es passt zu seiner Antrittsrede als Bundeskanzler, in der er betonte, ab jetzt gebe es für die Mächtigen „keine roten Linien“ mehr.

Ein neues Level diktatorischer Methoden erreicht

Dass ein Kanzler einen nicht geringen Teil der Bevölkerung, der sich endlich ein Ende des sinnlosen Massentötens u.a. mit deutschen Waffen in der Ukraine fordert, als „gefallene Engel, die aus der Hölle kommen“, bezeichnet, dürfte nicht nur ein Bruch mit der gesamten Parteigeschichte (aus SPD-Sicht) sein. Er ist generell einzigartig in der Geschichte unseres Landes. Und setzt die Tradition fort, Kritiker der Regierung nicht mehr als vollwertige Menschen zu betrachten, sondern als dumpfe Untermenschen oder eben gefährliche Dämonen. Wie der Exorzismus der linksgrünen Sekte aussieht wissen wir schon, was da noch kommen mag, wird uns das Fürchten lehren.

Blockpartei auf einer Linie

Scholz, dessen Zaudern beim Anfachen des Krieges durch noch mehr Waffen bislang eher bewundernswert war, scheint sich mit diesem Auftritt sich so langsam der CDU und den Grünen anzunähern, die ihren Ruf Kriegstreiber der schlimmsten Sorte in den letzten 12 Monaten so gefestigt haben, dass sie diese Mentalität über Jahrzehnte belasten könnte.

Der Linksaußenfriedensengel, als den sich Scholz gerne gesehen hätte, hat sich damit endgültig die Maske vom Gesicht gezogen, hinter der der willige Gehilfe des Großkapitals und bewusste Spalter einer weithin friedlichen Gesellschaft sichtbar wird. Oder um in der Diktion Scholz‘ zu bleiben: Welche Dämonen sind es, die die Protagonisten derzeit in die komplette Besessenheit reiten?

Addendum:

A propos Blockpartei. Wussten Sie, dass Herr Scholz auch mal ein „Friedensengel“ war, als das noch seiner Karriere konvenierte?

Das sagt übrigens derselbe Olaf Scholz, der sich 1984 mit einer Delegation der westdeutschen JuSos beim ZK der SED und Egon Krenz in der DDR für atomare Abrüstung und gegen den NATO-Doppelbeschluß und „amerikanische Erstschlagswaffen“ stark gemacht hat. pic.twitter.com/yhftJOQvby

— Joffrey Baratheon ☢️🛻 (@Joffrey77855104) August 19, 2023

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Besteller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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