Gerade mal 21 Jahre alt waren sie, die beiden Bauernburschen aus Bayern, als sie „eingezogen“ wurden in einen verbrecherischen Krieg der Nazis. Millionen andere junge Leute in vielen Ländern hatten ebenso keine Wahl. Sofort an die Wand gestellt zu werden, das war die Alternative. Rund 90 Prozent der Bevölkerung war damals in der Landwirtschaft tätig, heimatverbunden und bodenständig. Erinnerungen von Meinrad Müller

Von Kindesbeinen an waren sie, wie ihre Eltern, damit befasst, das tägliche Überleben zu sichern. Die Höfe lagen im bayerischen Schwaben, 70 Kilometer westlich von Augsburg im kleinen Rothtal. Die Erbauung dieser kleinen Bauernhöfe, mit Wohntrakt und Vieh unter einem gemeinsamen Dach, kann 300 Jahre zurückverfolgt werden. Sie waren klein, sehr klein. Gerade mal sieben Hektar umfasste die nutzbare Fläche. Ein Fußballfeld mit 90 Meter mal 120 Meter entspricht somit genau 1,080 Hektar. Erschwerend kam hinzu, dass diese landwirtschaftliche Fläche nicht aus einem zusammenhängenden Stück bestand. Durch jahrhundertelange Erbteilung wurden die Äcker und Wiesen, die an die Nachkommen vererbt wurden, immer kleiner und kleiner.

Billiges Kanonenfutter

Oft nur 10 Meter breite Kartoffelfelder galt es zu bearbeiten. Zehn bis zwanzig kleine Wiesen und Felder lagen oft kilometerweit von der Hofstelle entfernt. Und wer kein Pferd hatte, der spannte Kühe vor den Heuwagen oder den Pflug. Der Viehbestand umfasste im Schnitt zehn Kühe, fünf Schweine und 30 Hühner, manchmal auch noch Enten. Der Ertrag der Früchte des Feldes bestimmte, wie viel an Vieh im Winter durchgefüttert werden konnte. Gemahlene Gerste und Kartoffeln waren Futter, voll biologisches würde man heute sagen, für die Schweine. Und Weizen wurde von uns Kindern mit dem Handwagen zur Mühle gezogen, um es dort zu Mehl mahlen lassen.

Der Erde die Lebensmittel abzuringen, war ohne Traktor schwerste Knochenarbeit. Alle mussten von Kindesbeinen mit anfassen, nicht nur zur therapeutischen Beschäftigung, sondern zur Sicherstellung des gemeinschaftlichen Lebens. Die hellen Tageszeiten, die Witterung und unvorhersehbaren Naturereignisse bestimmten den Rhythmus des bäuerlichen Arbeitens. Anstelle von Pflanzenschutzmitteln gab es Harken, mit denen das Unkraut zwischen den Kartoffel- und Rübenpflanzen entfernt wurde. Selbst Zehnjährige wurden dafür abgeordnet. Und gefräßige Kartoffelkäfer, welche die ganze Ernte zerstören konnten, wurden händisch von den Blättern entfernt. So viel zur „guten alten Zeit“ ohne pädagogisch wertvolle Spiele. Freizeit im heutigen Sinne gab es kaum.

Und doch konnten acht Personen von dieser Arbeit ernährt werden, dazu zählten die Eltern, drei Kinder, Großeltern und noch zwei alte Tanten. Mehlspeisen, bestehend aus Eiern, Schmalz, Milch und eben Mehl, waren die Hauptgerichte. Fleisch gab es nur sonntags. Und zu Festtagen auch mal eine Ente. Ein kleines und humorvolles Gedicht mit Erinnerungen des Autors liegt unten auf der Seite zum Herunterladen bereit.

Freundschaftsbörse

Gepriesen sei der technische Fortschritt, der nicht nur Traktoren mit sich brachte, sondern auch das Internet. Es führt nicht nur Menschen zusammen, die danach streben per Freundschaftsbörsen die menschliche Art und Anzahl der Bewohner stabil zu erhalten. Auch Mitarbeiterkontakte können, so man Freiberuflerbörsen nutzt, erstaunliche Freude und Freunde mit sich bringen. Dies war bereits ab dem Jahre 2000 möglich.

Sergey aus Moskau, Artyom aus Novosibirsk und Oleg aus Lugansk sind Programmierer. Ohne übliche Bewerbungsunterlagen boten sie, via Internet, deren Dienste an. Und sie überraschten mit deren technischem Know-how, wodurch sich eine andauernde und überaus harmonische Geschäftsbeziehung entwickelte. Wie alt waren die Herren, als der Autor sie kennenlernte? Einundzwanzig Jahre alt, genauso alt wie die beiden eingangs erwähnten Onkels, ein Bruder der Mutter und ein Bruder des Vaters, die als „im Felde“, in den Weiten Russlands, als vermisst gelten. Millionen von „Bauernburschen“, russischen wie deutschen, zerrissen von Granaten, liegen verscharrt in der gleich beschaffenen Erde, die sie bislang zuhause nur vom Pflügen kannten.

Doch die Nachkommen der Kriegsgeneration wurden Freunde. Es sind nicht die einfachen Menschen die Kriege führen wollen. Es sind stets verbrecherische Machthaber, wie damals und auch heute, die diese grausamen Befehle erteilen. Wer nun historische Schuld den einfachen Menschen anlastet, vergeht sich an der Menschlichkeit per se.

Wir Techniker verbrüdern uns virtuell im Bestreben mit neuen Computerprogrammen die Welt zu erfreuen und zu bereichern. Das ist Friedensarbeit pur, über Grenzen Weltanschauungen hinweg.

Ein kleines und humorvolles Gedicht des Autors mit Erinnerungen an dessen Jugend: Der Entenbraten

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Als Journalist Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten (Hanns Joachim Friedrichs)

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