Fast 1000 antichristliche Vorfälle wurden vergangenes Jahr offiziell registriert. Ein Gastbeitrag von Bodo Bost.

Vergangenen Monat wurde die gotische Kathedrale St. Peter und St. Paul in Nantes Opfer einer Brandstiftung, ein Jahr zuvor die berühmteste Kirche Frankreichs – Notre Dame in Paris – Opfer von Flammen bislang unbekannter Ursache.

Viele weitere mutmaßliche Brandanschläge auf kleinere französische Kirchen machten in der Regel keine internationalen Schlagzeilen. Seit 2010 dokumentiert das in Paris ansässige „Observatoire de la Christianophobie“ (Beobachtungsstelle für Christophobie) antichristliche Vorfälle in Frankreich und auf der ganzen Welt.

Der „Islamische Staat“ spielt eine entscheidende Rolle

Die Beobachtungsstelle ordnet Anschläge auf Kirchen in sechs Kategorien ein: Brandstiftung, Mord/Überfall, Vandalismus, Diebstahl, Bombenanschläge und Entführung. Nach dem Brand von Nantes berichtete die Organisation von mehreren in der Öffentlichkeit weniger bekannten Vorfällen, darunter die Zerstörung eines Kruzifixes in einer Kirche in der Bretagne, die Vernichtung von Gemälden in einer Kirche in Auxerre und die Enthauptung einer Marienstatue in Montaud.

Alle Angriffe haben Ähnlichkeiten mit den Kirchenverwüstungen durch den „Islamischen Staat“ in Syrien und dem Irak. Statistiken zeigen, dass es in Frankreich, der sogenannten ältesten Tochter der Kirche, die bereits 496 den Katholizismus angenommen hat, fast drei solcher Angriffe pro Tag gibt. Vergangenes Jahr gab es insgesamt 996 antichristliche Vorfälle. Das ist beinahe eine Vervierfachung gegenüber 2008. Die Flut von Kirchenangriffen und möglicherweise auch deren Sichtbarkeit haben die französischen Behörden gezwungen, das Problem offen anzusprechen.

„Protège ton église“

Der Trend steigender Angriffe beschränkt sich nicht auf Frankreich. Die meisten europäischen Länder stellen keine Statistiken über antichristliche Vorfälle zur Verfügung. Viele erfassen sie nicht einmal als solche. Nach den Daten, die Großbritannien der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zur Verfügung gestellt hat, haben sich dort die antichristlichen Verbrechen von 2017 bis 2018 verdoppelt.

Manchmal sind die Motive klar, manchmal aber auch interpretierungsbedürftig. Kirchen wirken wie Blitzableiter auf Aktivisten radikalisierter Bewegungen. Mit Kirchen kann beispielsweise „Patriarchat“, „Autorität“, „Tradition“, „Homophobie“ oder „christliches Abendland“ getroffen werden. Radikale Moslems nehmen Kirchen aus anderen Gründen ins Visier als z.B. Anarchisten. Unabhängig von der Motivation ist bei all diesen Kirchengegnern eine verstärkte Aktivität zu konstatieren. Kirchen sind zudem besonders verwundbar. Sie sind offene Räume für das Gebet, deshalb tagsüber für die Öffentlichkeit zugänglich und werden nicht bewacht.

In Frankreich gibt es eine Initiative, die im vergangenen Jahr unter dem Namen „Protège ton église“ (Schütze deine Kirche) gestartet wurde. Junge Katholiken organisieren sich ehrenamtlich in Städten in ganz Frankreich, um ihre Kirchen nachts zu schützen, sie wollen friedlich abschrecken. Auch die französischen Bischöfe haben das Thema bei regelmäßig stattfindenden Treffen mit den staatlichen Behörden zur Sprache gebracht. Nichtsdestotrotz gehen die Angriffe weiter.

der Beitrag erschien zuerst bei der PAZ

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