(David Berger) Nirgendwo in Deutschland hat die Verehrung der Gottesmutter und Jungfrau Maria eine solch tiefe Verankerung in der Frömmigkeit des Volkes wie in Mainfranken. Eine biographische Reise nach Würzburg.

Die Leser seien vorgewarnt: Dies wird wieder ein sehr persönlicher Text sein, ein Luxus, den ich mir von Zeit zu Zeit auf PP erlaube – auch wenn die Dimensionen der Seite längst über die Grenzen eines persönlichen Blogs hinausgewachsen sind.

PP läuft derzeit etwas ruhiger nicht nur, weil fast überall Sommerferien sind und sich das öffentliche Leben daher verlangsamt hat, sondern auch, weil ich zur Zeit in meiner unterfränkischen Heimat, meinem Geburtsort Würzburg bin, um meine kranke Mutter zu unterstützen.

An fast jedem zweiten Haus eine Madonnenfigur

Es bleibt aber jeden Tag genügend Zeit, um einige Gänge durch die Altstadt Würzburgs zu machen, aus der mir jeder Winkel seit meiner Kindheit vertraut ist. Die zahlreichen, meist barocken Kirchen und das religiöse Leben der Mainfrankenmetropole haben meine Kindheit und Jugend bzw. meine religiöse Verwurzelung tief geprägt.

Bei diesen Spaziergängen in den letzten Tagen ist mir eines erneut aufgefallen: An zahlreichen Häusern finden sich an der Fassade, sehr oft über dem Portal, Marienstatuen in unterschiedlichsten Größen und Stilen. Nicht selten waren sie das einzige Element der Hausfassaden, das man vor den großen Bombenangriffen zu Beginn des Jahres 1945 in Sicherheit brachte. Um es dann auf den wiederaufgebauten Häusern erneut anzubringen.

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Sowohl die Alte wie die Neue Universität haben Mariendarstellungen auf ihrem Gelände: Die alte ganz repräsentativ über ihrem Eingang: Maria als die Braut des heiligen Geistes in der Mitte der Apostel bei der Geistsendung. Die neue Universität eine Mariensäule der Unbefleckten Empfängnis

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Seit mehr als 1000 Jahren gehört dieses Land der Himmelskönigin

Zugrunde liegt dieser Tradition eine Verehrung der Jungfrau und Gottesmutter Maria, die seit mehr als 1000 Jahren in Mainfranken eine große Rolle spielt und so sozusagen in der Genetik dieses „Stammes“ liegt. Im Jahr 689 wurden die heiligen Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan auf der Burg über dem Main hingerichtet. Und schon wenige Jahre nach dem Tod dieser Martyrer, deren Blut das Christentum in Franken begründete, im Jahr 742 weihte der erste Bischof der Stadt, der hl. Burkard das Bistum der Gottesmutter Maria.

Von einem der Türme der Festung, dem Ort des Martyriums der Frankenapostel, schaut daher eine große goldene Madonna auf die Stadt. Eines der Zimmer meiner Großmutter war so auf die Festung ausgerichtet, dass ich – wenn ich mit ihr das Abendgebet sprach – direkt von meinem Bett aus auf dieses Marienbild schauen konnte. 50 Jahre später als sie im Sterben lag, war ihr Bett so aufgestellt, dass sie durch das Fenster direkt dieses Madonnenbild sehen konnte. Als ich ihr zum letzten mal die Hand hielt und wir beide zum Fenster hinausschauten, erinnerte ich mich nach vielen Jahren an diese Szene aus meiner Kindheit.

Seit dem 13. Jahrhundert: Maria als „Herzogin von Franken“

Im 13. Jahrhundert setzt Kaiser Friedrich Barbarossa einen Fürstbischof mit dem Titel eines Herzogs ein, der natürlich als Bischof unverheiratet ist. Und so wird Maria selbst zur Herzogin seines Herzogtums ausgerufen. Seither trägt Maria in Unterfranken den Titel „Herzogin von Franken“.

Als im Jahr 1633 die Schweden vor den Toren der Stadt standen, nahmen die Würzburger ihre Zuflucht zur Herzogin von Franken – und die Stadt wurde verschont.  1684 entstand dann hoch über der Stadt das Käppele, eine Gnadenstätte, in der ein wunderwirkendes Bild der Gotttesmutter verehrt wird.

Aber nicht nur in der Stadt selbst, über ganz Unterfanken verstreut finden sich zahllose Marienwallfahrtsorte. Viele aus der Zeit der Gegenreformation. Mir ist kein Landstrich bekannt, in dem es eine solch hohe Dichte an Marien-Wallfahrtorten gibt. Und ganz persönlich erinnere ich mich noch an die jährlichen Internatswallfahrten, wo das ganze Knabenseminar St. Maurus von Münsterschwarzach aus zu einem der vielen Wallfahrtsorte im Umkreis pilgerte: Dettelbach (Foto l. © Berthold Werner / CC BY-SA), Volkach und Dimbach sind nur einige wenige Orte, die mir da spontan einfallen.

„Der Reben Kranz dich reich umgibt“

Unter den Gesängen immer mit dabei das Herzogin-von-Franken-Lied:

1. O himmlische Frau Königin, / du aller Welten Herrscherin! / Du Herzogin von Franken bist, / das Herzogtum dein eigen ist. / Darum, o Mutter, deine Hand / halt über uns im Frankenland.

2. Hell strahlt dein Bild in gold‘nem Schein / vom Turm auf Würzburgs Volk herein, / das stets dich hoch in Ehren hielt / und dich verehrt als Mutter mild. / Von oben grüßt die Mutterhand / dein gläubig Volk im Frankenland.

3. Dir, Jungfrau, Mutter, ist geweiht / der Schloßberg dort seit alter Zeit; / selbst Feld und Stein und Erd‘ dich liebt, / der Reben Kranz dich reich umgibt, / wo segnend fließt aus deiner Hand / ein Gnadenstrom ins Frankenland.

Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut am ganzen Körper, wenn ich in meiner Geburtsstadt  bin und dieses Lied in der heiligen Messe oder einer Andacht  gesungen wird:

Das ist Heimat im zweifachen Sinne – Heimat als Region, aus der meine Vorfahren kommen und die mich u.a. zu dem gemacht hat, was ich heute bin und was mich heute hält. Aber auch die Catholica spielt als Heimat eine große Rolle: in wie vielen Marienbildern Roms, Spaniens, Frankreichs habe ich immer wieder die Madonnen meiner Jugend erkannt. Und mich sofort auch zuhause gefühlt. So wie ich immer betont habe, dass mir als Katholik jeder Rassismus (Man beachte das Foto r.) sozusagen „von Natur aus“ fremd ist, muss ich auch hier fragen: Wer braucht vor solch einem katholischen Hintergrund einen Nationalismus, der gegen diese Beheimatung völlig unbedeutend ist, ja bisweilen in seiner übersteigerten Form gar etwas lächerlich wirkt?

Maria als Urbild der Mutter

Ebenso habe ich die  protestantische oder modernistische arrogante Verachtung für diesen Aspekt der Volksfrömmigkeit, obwohl ich mich später akademisch mit ganz anderen Bereichen beschäftigt habe, nie verstanden: Zeigt sie doch das zutiefst in den Bedürfnissen der menschlichen Natur liegende Wesen des  Katholizismus, der sich nicht nur als vollkommene Religion, sondern  auch als wahrer Humanismus erweist.

Wobei ich wieder am Anfang meines Artikels angekommen bin: immer wird die Verehrung Mariens in Maria Aspekte der eigenen Mutter und umgekehrt in der Mutter auch einen Widerschein Mariens erkennen. Und daraus die Konsequenzen im Alltag ziehen.

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