China: Menschenrechtsverletzungen an Katholiken nehmen zu

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Zwei Monate vor dem Auslaufen des „vorläufigen Abkommens“ zwischen dem Vatikan und der Regierung Chinas zieht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine kritische Bilanz des umstrittenen Vertrages.

„Viele Ziele des Abkommens sind nicht erreicht worden“, resümiert GfbV-Direktor Ulrich Delius. „Die angestrebte Ernennung von neuen Bischöfen für Dutzende unbesetzte Posten stockt noch immer. Das Abkommen hat nicht dazu beigetragen, dass Behörden die Religionsfreiheit stärker respektieren. Menschenrechtsverletzungen gegenüber Amtsträgern und Gläubigen haben zugenommen.“ Der Heilige Stuhl spreche Menschenrechtsverletzungen nur sehr diskret gegenüber den Verantwortlichen an.

Vatikan zahlt hohen Preis

„Für dieses öffentliche Schweigen zahlt der Vatikan einen hohen Preis. Der Konflikt um Hongkong hat das gerade wieder gezeigt: Der Vatikan muss sich fragen lassen, wann er gegenüber Chinas Machthabern eine rote Linie zieht und die bedrängten Christen dort in Schutz nimmt“, so Delius. Noch gelte die Katholische Kirche als moralische Instanz in China, doch Glaubensverfolgte würden mehr Unterstützung erwarten. „Mit einem übermächtigen Partner, der eigentlich auf ihre Zerstörung hinarbeitet, wird die Katholische Kirche kein für Gläubige vorteilhaftes Abkommen erreichen“, warnt Delius. „Wenn der Vatikan Gläubige im Stich lässt, die sich für Freiheit und Menschenrechte engagierten, wird die Katholische Kirche in China und weltweit geschwächt.“

Mangelnde Transparenz

Das „vorläufige Abkommen“ sollte vor allem den jahrzehntelangen Konflikt zwischen Chinas kommunistischer Staatsführung und dem Vatikan um die Ernennung neuer Bischöfe beenden. Es läuft am 21. September 2020 aus. Noch ist unklar, ob das Vertragswerk verlängert oder erneuert wird. Beide Seiten sollen sich darüber bereits in neuen Geheimverhandlungen befinden, heißt es aus gut unterrichteten Kreisen. Die GfbV bedauert, dass das Abkommen selbst Monate vor seinem Auslaufen noch immer nicht in Gänze bekannt ist. „Diese mangelnde Transparenz ist weder zeitgemäß, noch stärkt sie das Vertrauen in die Verhandlungspartner“, erklärt Delius. „Und wie kann ein neuer Vertrag geschlossen werden, wenn China zugleich systematisch die Religionsfreiheit verletzt und hunderttausende Muslime wegen ihrer Religion einsperrt?“

Christliche Gemeinden stünden trotz Abkommen unter massivem Druck, religiöse Symbole und religiöses Leben aus der Öffentlichkeit fernzuhalten. Kreuze würden von Kirchen entfernt, Kirchengebäude entweiht oder zerstört, obwohl sie mit offizieller Genehmigung errichtet wurden. „Priester der Untergrundkirche werden systematisch eingeschüchtert und sogar festgenommen, um sie in die gleichgeschaltete offizielle Kirche zu drängen. Der Vatikan schweigt aber zu diesen massiven Verletzungen der Religionsfreiheit“, so Delius. Auch zeige das Verbot kirchlicher Jugendarbeit und seine Durchsetzung durch Parteifunktionäre in den Gottesdiensten, dass die Kommunistische Partei Chinas an ihrer grundsätzlichen Ablehnung von Religion festhalte.

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