(David Berger) Die Polizei hat in Gelsenkirchen einen „Allahu Akbar“ schreienden Mann, der sie mit einem Messer bewaffnet angreifen wollte, erschossen. Derzeit wird geprüft, ob tatsächlich ein islamistischer/terroristischer Hintergrund vorlag, wie von der Polizei angenommen.

Das neue Jahr setzt sich so fort, wie das alte endete: Gestern Abend rannte ein 37-jähriger Türke in Gelsenkirchen auf eine Gruppe an Polizisten mit einem Stock und Messer bewaffnet zu und rief dabei „Allahu Akbar“.

23-jähriger Kommissar-Anwärter gab tödlichen Schuss ab

Der mehrfach vorbestrafte Täter soll alle Anweisungen der Polizei ignoriert und stattdessen immer weiter „Allahu Akbar“ gerufen haben. Daraufhin zog der jüngste Polizist der Gruppe, ein 23-jähriger Kommissar-Anwärter seine Dienstwaffe und schoss auf den Angreifer. Alle Versuche des Notarztes den Täter zu reanimieren misslangen.

Derzeit wird noch untersucht, ob bei dem Täter eine psychische Erkrankung oder eine islamistische Motivation vorlag. Aufgrund der „Allah Akbar“-Rufe musste die Polizei zunächst von einem islamistischen Hintergrund ausgehen bzw. konnte „ein Bezug zum islamistischen Terrorismus nicht ausgeschlossen werden“ (so die Polizei). Die Polizei Münster hat die weiteren Ermittlungen übernommen.

Täter bereits polizeibekannt

In der Polizeimeldung heißt es:

Ein 37-jähriger Gelsenkirchener wurde Sonntagabend (5.1., 19.41 Uhr) in Gelsenkirchen vor der Polizeiwache-Süd am Wildenbruchplatz durch Schüsse eines Polizisten getötet. Nach ersten Erkenntnissen soll der Gelsenkirchener vor der Wache mit einem Knüppel auf einen geparkten Streifenwagen geschlagen haben. Im weiteren Verlauf soll er dann mit einem Messer hantiert und zwei 23 und 41 Jahre alte Polizisten bedroht haben. Zudem gehen die Ermittlungsbehörden Hinweisen nach, wonach der 37-Jährige dabei die Worte „Allahu Akbar“ ausgerufen haben soll. Die Einzelheiten dieses Geschehensablaufes, insbesondere ob und in welcher Weise – am Tatort wurde ein Messer gefunden – der Mann die Beamten angegriffen hat, ist Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens.

Als gesicherte Erkenntnis darf gegenwärtig davon ausgegangen werden, dass der 23 Jahre alter Polizeianwärter insgesamt vier Schüsse auf den Mann abgegeben hat, die zu dessen unmittelbaren Tode führten. Auf Grund der möglichen Äußerung des geschiedenen türkischen Staatsbürgers bewertete die Polizei Gelsenkirchen den Angriff als Anschlag. Der Getötete ist bei der Polizei wegen mehrerer Gewalttaten, unter anderem wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, bereits bekannt. Den Ermittlungsbehörden liegen auch Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Gelsenkircheners vor.

Die Ermittlungen, insbesondere zu einem möglichen Motiv, dauern an. Noch in der Nacht durchsuchten Spezialeinheiten der Polizei die Wohnung des 37-Jährigen in Gelsenkirchen. Die Durchsuchung hat – vorbehaltlich der noch ausstehenden Auswertung von Datenträgern – bisher die anfängliche Vermutung einer terroristischen Motivation nicht erhärtet. Die Einsatzführung hat das zuständige Polizeipräsidium Münster übernommen. Die notwendigen Ermittlungen zur Rechtmäßigkeit des Schusswaffengebrauchs werden aus Gründen der Neutralität beim Polizeipräsidium Krefeld geführt.

NRW-Innenminister Herbert Reul: „Psychisch auffälliger Einzeltäter“

Update 06.01.20, 15.45: Die „Welt“ schreibt zum neuesten Stand der Ermittlungen (Quelle)

„Im Fall des in Gelsenkirchen durch einen Polizisten erschossenen Angreifers gehen die Ermittler derzeit nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. Eine Durchsuchung der Wohnung des getöteten 37-Jährigen habe die anfängliche Vermutung einer terroristischen Motivation nicht erhärtet, teilte die zuständige Polizei Münster am Montag mit. Nach dpa-Informationen litt der 37-Jährige unter schweren psychischen Problemen und war deshalb bereits in ärztlicher Behandlung. Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte am Montag: „Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt von der Tat eines psychisch auffälligen Einzeltäters aus.“