Warum die Medien mit solchen Begriffen vorsichtiger umgehen sollten. Ein Gastbeitrag von Matthias Rahrbach

In den Mainstreammedien werden beim Thema Geschlechterpolitik die Begriffe Gleichberechtigung und Gleichstellung meist so verwendet, als wäre beides dasselbe. Es ist dabei schnell passiert, dass einem genau das noch nicht einmal auffällt. Denn wer denkt z.B. bei einer entsprechenden Meldung in den Nachrichten darüber nach, wenn direkt danach die nächste Meldung kommt? Oder wenn er einen entsprechenden Artikel in der Zeitung darüber eher flüchtig liest und nicht so, wie z.B. ein Student ein Lehrbuch bei der Klausurvorbereitung? Viele Menschen lassen sich von den Medien ohnehin eher berieseln.

Doch genau davon profitieren diejenigen, die die Meinung der Menschen lenken wollen. Der Mensch liest oder guckt Fernsehen und liest und guckt weiter. Er hat dann über einzelne Aspekte nicht viel oder gar nicht nachgedacht, aber in wenigen Jahren unzählige Male gehört und gelesen, dass wir „mehr Gleichberechtigung und Gleichstellung“ brauchen. Ich glaube, dass genau das einer der Gründe ist, warum Propaganda so gut funktioniert: Viele haben nicht genug Zeit, um nachzudenken, oder versuchen es erst gar nicht, aber eine Flut von Informationen mit unterschiedlich hohem Wahrheitsgehalt zu allerhand Themen strömt durch die Medien auf die Menschen ein.

Gleichberechtigung und Gleichstellung sind nicht dasselbe

Am Beispiel einiger Wörter, die mit „gleich“ anfangen, möchte ich aufzeigen, wie problematisch es ist, sich keine Gedanken über solche Begriffe und generell Meldungen aller Art in den Medien zu machen, und wie problematisch es ist, wenn solche Begriffe von den Medien verwendet werden, ohne sie dabei zu definieren.

Gleichberechtigung und Gleichstellung werden viele Menschen gut finden, damit Frauen nun endlich gleichberechtigt und gleichgestellt sind. Ist doch gut, oder? Doch leider merken viele nicht, dass Gleichberechtigung und Gleichstellung nicht dasselbe ist, sich auch nicht ähneln, nein, sich sogar gegenseitig ausschließen.

Also was ist Gleichberechtigung? Gleichberechtigung ist bei den Geschlechtern, wenn Männer und Frauen dieselben Rechte haben. Wenn also beispielsweise in einem Angelclub beide Geschlechter das Recht auf eine Mitgliedschaft haben und der jährliche Mitgliedsbeitrag für beide gleich ist, sind Frauen und Männer in diesem Angelverein gleichberechtigt. So sollte es auch sein.

Was ist nun die Gleichstellung? Das wäre, wenn jemand planwirtschaftlich sich das Ziel setzt, dass besagter Anglerverein stets 50% männliche und 50% weibliche Mitglieder hat. Um das zu erreichen, ist der Anglerclub dazu gezwungen, das Geschlecht, das ein geringeres Interesse an der Mitgliedschaft hat, bevorzugt oder verbilligt aufzunehmen oder sonst wie anzuwerben, und/oder das Geschlecht mit dem größeren Interesse an der Mitgliedschaft von derselben abzuhalten, ob nun mit Unfreundlichkeit, Gegenreklame, höheren Beiträgen, Aufnahmebeschränkungen wie z.B. einer Aufnahmeprüfung nur für dieses Geschlecht usw., es sei denn, beide Geschlechter hätten exakt dasselbe Interesse an einer Mitgliedschaft. Doch selbst dann müsste ein Wächter ständig aufpassen, ob nicht diverse Maßnahmen doch noch erforderlich sind, weil ja das Geschlechterverhältnis immer mal durch entsprechende Fluktuation von der 50:50-Verteilung abweichen könnte. Nicht auszudenken!

Skandal: „94 Prozent der organisierten Angler sind männlich“

Sicher werden Sie sich jetzt fragen, warum ich diese beiden Begriffe ausgerechnet anhand der Mitgliedschaft in einem Anglerclub erkläre und nicht anhand wichtigerer Beispiele aus der Berufswelt.

Es hat zwei Gründe: Erstens unterscheiden sich gerade im Interesse am Angeln beide Geschlechter sehr stark voneinander, was den Anglerclub zu einem Extrembeispiel macht, anhand dessen man gut diese Begriffe erklären kann. Zweitens komme ich deshalb auf dieses Beispiel, weil es heutzutage Feministinnen gibt, die allen Ernstes – das ist kein Witz – im Geschlechterverhältnis in Anglervereinen ein Problem sehen. In meinem Buch dazu schrieb bzw. zitierte ich dazu wie folgt:

Die Landtagsabgeordnete Hannelore Monegel (SPD) hat im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern auf eine Studie zum Angelsport verwiesen, die zum Ergebnis kam, dass „94 Prozent der organisierten Angler männlich seien“. Aus ihrer Sicht ist das nicht hinnehmbar, da sich die Gesellschaft „untaugliche Rollenbilder“ nicht leisten könne. Sie argumentiert damit, man habe festgestellt, dass Kinder beiderlei Geschlechts bis zum Alter von neun Jahren im gleichen Maße am Angeln Interesse hätten, dass ab dann aber, ab der Pubertät, erhebliche diesbezügliche Geschlechtsunterschiede einsetzten. Offenbar schließt sie aus Letzterem, dass das bei Frauen und Männern im Durchschnitt stark unterschiedliche Interesse am Angeln durch Erziehung und Sozialisation bedingt ist. Ich glaube aber, es ist nicht verwunderlich, sondern sehr normal, dass sich viele Geschlechtsunterschiede erst ab der Pubertät richtig zeigen. Unabhängig davon: Bei all den schlimmen Problemen bei uns und sonst wo in der Welt sorgt sich eine Politikerin allen Ernstes darum, dass sich Mädchen zu wenig für männlich dominierte Hobbys interessieren und damit eine untaugliche Geschlechterrolle erlernten.

Eine einzige Realsatire

Es ist ein Beispiel von vielen dafür, dass das, was Feministinnen, aber auch generell viele Politiker machen, nur noch eine einzige Realsatire ist. Es zeigt ebenfalls gut das Niveau der Mainstreammedien, die uns Gleichberechtigung (Chancengleichheit) und Gleichstellung (Ergebnisgleichheit) als etwas verkaufen, was dasselbe oder ähnlich ist, in dieselbe Richtung geht.

Es fällt hier auch auf, dass es in genderfeministischen Kreisen eine Art heilige Kuh gibt, die im Glauben an eine absolute Gleichheit auch in den durchschnittlichen Interessen und Bedürfnissen bei Männern und Frauen besteht. Hier wird eine naturgegebene Gleichheit postuliert, die nur durch eine geschlechtsspezifische Erziehung und Sozialisation regelrecht „verunreinigt“ wird. Diese Art der Sozialisation, so argumentieren Feministinnen und Genderideologen meist, diene nur dem Erhalt und Ausbau von Macht, die das männliche Geschlecht über das weibliche hätte.

Aus Sicht der Evolutions- und Verhaltensbiologie sind solche Annahmen natürlich völlig verrückt. In der ganzen Tierwelt sind erhebliche Geschlechtsunterschiede in Körperbau und Verhalten der Normalfall. Männchen und Weibchen unterscheiden sich hierbei nicht nur anatomisch, sondern auch auf der chromosomalen Ebene, der Ebene der Genexpression (d.h. welche Gene wie stark aktiv sind), der hormonellen Ebene usw., was die anatomischen Geschlechtsunterschiede und die im Verhalten erst zur Folge hat.

Gleichheit: immer mehrdeutig!

Gleichheit? Das ist das nächste interessante Stichwort. Dieses Wort ist mehrdeutig. Denn was ist damit überhaupt gemeint? Die Gleichheit von Mann und Frau vor dem Gesetz (Gleichberechtigung) oder das Nichtvorhandensein natürlicher Geschlechtsunterschiede? Oder gibt es mittlerweile vielleicht auch Menschen, die „Gleichheit“ als Synonym für „Gleichwertigkeit“ verwenden? Das kann alles sein in einer Zeit, in der solche Begriffe meist gar nicht erst definiert werden. Ideologen profitieren davon, sie nicht klar zu definieren, denn wer die Begriffe, die er benutzt, klar definiert, lässt sich sehr viel leichter auf das, was er sagt, „festnageln“. Ideologen können sich so eine eindeutige Ausdrucksweise nicht leisten, da sonst zu leicht ersichtlich wird, auf welch dünnem Eis sie argumentativ stehen.

Um Missverständnissen und Unterstellungen von genderfeministischer Seite vorzubeugen: Natürlich bin ich für Gleichberechtigung bzw. Gleichheit vor dem Gesetz, „aber“ gegen Gleichstellung, besser gesagt: Ich bin für Gleichberechtigung und folglich gegen Gleichstellung. Natürlich finde ich, dass beide Geschlechter gleich viel wert sind. Natürlich finde ich nicht, dass sie gleich sind. Sie sind ungleich, auch hinsichtlich ihrer Präferenzen für Berufe und Hobbys.

Weihnachten für den Mann eine Axt?

Ob ich Frauen daran hindern will, z.B. Physikerin zu werden? Nein, denn ich bin ja für Gleichberechtigung, auch in Sachen freie Berufswahl. Ob ich sie extra fördern würde durch zusätzlichen Physikunterricht nur für Mädchen? Nein, denn es hätte vermutlich kaum Effekte. Mädchen haben im Durchschnitt andere Präferenzen. Das heißt natürlich nicht, dass nicht einzelne von ihnen wie geschaffen für den Beruf der Physikerin sind.

Ich finde, Feministinnen sollten sich damit abfinden, dass es Geschlechtsunterschiede gibt, anstatt deren Nivellierung anzustreben und beispielsweise in Erwägung zu ziehen, dass ein Mann seiner Partnerin eine Axt zu Weihnachten schenkt und umgekehrt sie ihm etwas, „was nach Lavendel und Rosenblüten riecht“, so wie es Margarete Stokowski hier in lustig überspitzter Weise anregt. Es hätte keinen Effekt, außer dem, dass dem/der Beschenkten die Kinnladen herunterfallen, der Haussegen am Heiligen Abend schiefhängt oder im Extremfall sogar die Axt gegen den Schenker eingesetzt wird.

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Wenn Sie mehr über den Radikalfeminismus und seine Auswüchse, aber auch über die Natur der beiden Geschlechter bei Tier und Mensch erfahren möchten, besuchen Sie mich hier NATUR UND GESELLSCHAFT

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