Die entkernte Weihnachtsgeschichte – ein Buchtipp für die Kleinsten zum Feiern ohne Anlass von Josef Hueber

Weihnachten ist resistent und hartnäckig. Zumindest die Fassade trotzt der Abschaffung. Wie es um das Dahinter steht, ist eine andere Sache. Die Weihnachtsmärkte  boomen jedenfalls auf Klingeling komm raus, es punscht und tönt von Weihnachtsgebimmel  allüberall. In Kaufhäusern und auf öffentlichen Plätzen kommt man dem Kitsch zwangsläufig nicht aus.

Worauf warten wir eigentlich im Advent?

Auch wenn Papa und Mama nicht (mehr) ans Christkind glauben, wollen sie daheim, in der stillen Stube, trotzdem die Augen ihres Nachwuchses sehen, die der Adventskranz und der Adventskalender zum Leuchten bringen. Jeden Tag die Kerzen angezündet, jeden Tag ein neues Türchen auf, damit das Warten darauf, was man gar nicht zu kennen braucht, nicht ungeduldig macht. Der Weg ist das Ziel, die Überraschungen hinter 1 bis 24 ganz groß, darauf kommt es an. Hernach die Päckchen mit den Geschenken. Das reicht.

Um die Kleinsten auf das Fest vorzubereiten, gibt es im Verlag Coppenrath ein Büchlein, das meine Enkelin vor ein paar Tagen  aus dem Kindergarten mitgebracht hat. “Ein ganz besonderes Weihnachsgeschenk” steht drauf: zwei Dachse, im Hintergrund, von schneesilbernen Bäumen eingerahmt,  im Vordergrund ein Eichhörnchen und eine Maus vor einem goldnen Geschenkkarton mit roter Schleife. Überhöht von einem blauen Nachthimmel mit glitzernden Sternen.

Ein Wildschwein wünscht „Frohe Weihnachten“

Und was gibt’s drinnen zu sehen und zu lesen? Es war einmal ein kleines Wildschwein, das am Weihnachtsmorgen im Schnee wühlte, weil es Hunger hatte. Es stößt auf einen Maiskolben, den es mit nach Hause nehmen will, weil er, so schön, “zu schade zum Essen” ist. Einer hungrigen Maus, die des Weges kommt, schenkt das Borstentier das Prachtstück aus Mitleid. Ein Eichhörnchen läuft der Maus über den Weg. Es findet seinen Vorrat nicht mehr, und die empathische Maus verschenkt den Kolben. “So wandert der Maiskolben von Tier zu Tier” lässt man wissen. Am Ende, so das Finale, landet der Kolben wieder beim Wildschwein. Es bekommt ihn von einem Vogel mit den Worten “ Frohe Weihnachten!”

Ja, Weihnachten heißt  gut sein und schenken. Warum? Nach dem Anlass brauchen die Kinder nicht zu fragen. Der Schein (der Kerzen) und der Hinweis, immer lieb  zu sein, genügt.

Aktion „Meine Weihnachtsgabe für ‚Philosophia Perennis’“