Ein Gastbeitrag von Dr. Dr. Marcus Ermler

Aus dem Wahlergebnis in Thüringen kann man verschiedene Lehre ziehen. Man könnte, wie der linksliberale Blätterwald von Spiegel über ZEIT bis zur taz, das Vierte Reich menetekelisieren, zu einer Volksfrontregierung aufrufen oder einen alten sozialdemokratischen Slogan in „Mehr Ramelow wagen“ sozialistisch pervertieren.

Oder man könnte, wie es Philosophia Perennis oder auch die Junge Freiheit aufzeigen, schlicht und einfach zu der Erkenntnis kommen, dass in Thüringen nicht Höckes „solidarischer Patriotismus“ gewonnen hat, sondern die Unzufriedenheit der Thüringer mutmaßlich auch einer Gruppe von Besenstielen mit AfD-Etikett ein Viertel der Wählerstimmen garantiert hätte.

Zwischen linker Hybris und konservativer Nüchternheit

Man hat bei der Wahlnachlese also die Auswahl zwischen linker Hybris und konservativer Nüchternheit. Generell ist eine wahnhaft konnotierte Reflexion von Höckes Wirken gänzlich kontraproduktiv. Bestätigt sie doch dessen Entourage einerseits im Falle linker Exegeten in ihrer „Fundamentalopposition“ zur „linken Meinungsdiktatur“ und andererseits im Fall konservativer Analysten der Existenz bürgerlicher „Feindzeugen“.

Ein Beispiel, wie man Höcke tatsächlich seziert, hat Felix Schönherr gestern in seinem Artikel „Eine bürgerliche AfD ist mit Höcke nur schwer vorstellbar“ eindrucksvoll vorgeführt. Mit einer nüchternen und sachlichen Sprach- wie Ideologiekritik, die nachwies, dass „die Diskrepanzen zwischen dem ideologischen Sprachspieler Höcke und dem bürgerlich-konservativen Lager sehr groß sind“.

Effekthaschender Frontalangriff auf die AfD im Privatfernsehen

Leider haben sich weite Teile des linken wie linksliberalen Lagers für eine Auslegung der Höcke-AfD entschieden, die nie nach Außen, sondern stets der Selbstbestätigung in der eigenen ideologischen Blase dienen soll. Statt Argument nunmehr Dämonisierung, statt sachlicher Analyse vielmehr Agitprop in Stile eines Karl-Eduard von Schnitzler.

Am Mittwochabend haben sich die beiden Entertainer Joko und Klaas in einer 15-minütigen Live-Sendung auf ProSieben, die in den nächsten Tagen sicherlich noch für einige Aufregung sorgen wird, für das linke Narrativ entschieden: Der effekthaschende Frontalangriff auf die AfD im Privatfernsehen.

Man bedenke hierbei, dass Joko und Klaas vor einem Millionenpublikum eine Show aufführen durften, in der sie machen konnten, was immer sie wollten. Von ProSieben gab es hierfür einen Freibrief. Der Sender selbst schreibt dazu: „ProSieben unterstützt die Haltung […] und damit den öffentlichen Diskurs, der nicht den Rechten überlassen werden darf […] Diese Botschaft soll über die Live-Sendung am Mittwochabend hinaus gehört werden“.

DerWesten.de schreibt weiter zum Ablauf der Show:

„Es kündigte sich eine krasse Schelte gegen die AfD und Rechtspopulisten an. Eine Kompilation aus AfD-Reden, Zitate von AfD-Größen und Bilder von Nazidemonstrationen leitete die Verkaufsshow ein. ‚Entkräfter Pro Max‘ heißt das Produkt, das Joko und Klaas in Teleshopping-Manier zum Kauf anbieten […] Auf Knopfdruck werden auf dem ‚Entkräfter Pro Max‘ rechte Thesen entkräftet […] ‚Der Rechtspopulismus ist auf dem Vormarsch‘, sagt Joko. Man dürfe die Leute nicht mit dem ‚Schrott‘ durchkommen lassen, sagt Klaas.“

Wider Willen Wahlwerbung für Höcke und die Seinen

Sicherlich wird diese Sendung ihre Wirkung nicht verfehlen. Doch leider nicht in der Form, wie es sich Deutschlands Vorzeige-Entertainer gedacht haben. Da mag ihr „Entkräfter“ auch noch so viele „fundierte, sauber recherchierte Antworten auf die gängigsten rechtspopulistischen Thesen“ liefern, es bleibt exakt das Bild hängen, das sich gerade die Anhänger von Björn Höcke vom linken Lager imaginieren: einen „sanften Totalitarismus“ einer „linken Meinungsdiktatur“, der das „patriotische, migrationskritische Lager“ zersetze wolle.

Nun kann man letztlich festhalten, welche Frage Joko und Klaas am Mittwochabend in ihrer Show zur Prime Time eindrucksvoll beantwortet haben: Wie kann man in den heutigen Zeiten eigentlich am Besten Wahlwerbung für Björn Höcke machen.

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