(David Berger) „Ich fand es unwahrscheinlich wichtig und schön, hier zu sein“, ließ AfD-Spitzenpolitikerin Alice Weidel zu ihrer Kurzvisite in der Sezessionsblase von Schnellroda die Öffentlichkeit wissen. Sie habe sich dort über die vielen „aktiven und wissbegierigen Leute“ gefreut.

Die wissbegierigen Leute das sind u.a. Aktivisten der rechtsextremen, vom Verfassungsschutz überwachten Identitären Bewegung, der neurechten Spendensammelstelle „Ein Prozent“ und der Leser und Autoren der extrem rechten Zeitschrift Sezession.

Diese entwickelt sich in der letzten Zeit immer mehr zu einem Blatt von antisemitischen und geschichtsrevisionistischen Islam-Liebhaber. Man sieht dort im Islam einen wichtigen Verbündeten gegen die verhasste Moderne bzw. das liberale Denken und die moderne Gesellschaft. Bilder von Frauen in Burka und an Baukränen hängenden Schwulen kommen dort wie hier gut an.

Adolf Hitler – der Jugendfreund

Und immer wieder eskortiert von genuin nationalsozialistschem Gedankengut. Henrik Merker zur Akademie, die Weidel so anturnte: „Nicht nur die Gäste der Akademie haben derweil Verbindungen zur NS-relativierenden Szene. Gemeinsam gaben IfS-Chef Lehnert und Verleger Kubitschek 2009 die Werke des SS-Kriegsberichterstatters Joachim Fernau heraus. Im Antaios-Shop sind Titel wie Rasse, Evolution und Verhalten erhältlich. Letzteres behauptet die Existenz dreier „Großrassen“, in die die Menschheit geteilt sei. Ebenfalls im Programm des Verlags: ein Buch mit dem Titel Adolf Hitler – mein Jugendfreund.“

Verantwortlich gemacht für die Moderne wird in gut rechtsextremer Tradition das Judentum. Das hat Jonas Fedders jüngst mit zahlreichen Belegen aus der „Sezession“ stichhaltig herausgearbeitet. Er schreibt:

„Für die verhasste Moderne und ihre Prinzipien werden in der „Sezession“ nicht nur einzelne Jüdinnen und Juden verantwortlich gemacht. Unter Rückgriff auf philosophische Autoritäten soll vielmehr eine Art jüdische Wesenhaftigkeit konstruiert werden. Zweifellos, so Ernst Nolte im Interview mit Götz Kubitschek und Erik Lehnert, werde dem Judentum „eine wesentliche und positive Rolle bei der Heraufkunft von ‚Neuzeit‘ und ‚Modernität‘ zugeschrieben, nicht zuletzt in der Verbindung mit ‚Rationalismus‘, der Beziehung zum Geld und zur ‚Rechenhaftigkeit‘“. (10)“

„Die Juden sind selbst an Ausschwitz schuld“

Und weiter: „Die Juden seien eine „ökonomische und intellektuelle Elite“, (19) schreibt Andreas Vonderach, und das nicht ohne Grund, denn die „Ostjuden“ beispielsweise hätten „ihre einseitige Züchtung auf Intelligenz mit besonders vielen Erbkrankheiten erkauft“. (20) Der umstrittene Psychologe Kevin MacDonald, der schon in Thilo Sarrazins Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ als „wissenschaftliche“ Referenz für die angebliche Existenz eines „Judengens“ herhalten musste (21), wird in der „Sezession“ wohlwollend rezensiert. MacDonald sehe in der „Förderung des Kosmopolitismus durch jüdische Intellektuelle (…) vor allem ein Mittel zur Schwächung der Mehrheitsvölker“, schreibt Vonderach und attestiert dem Autor „einen wichtigen Beitrag sowohl zur Geschichte des Judentums als auch zur Soziobiologie des Ethnozentrismus“. (22)

Wo ein jüdischer „Angriff“ auf die „Mehrheitsvölker“ behauptet wird, ist eine Täter-Opfer-Umkehr nicht weit. So schreibt Siegfried Gerlich, dass „die Etablierung eines Bildungs- und Geldjudentums Konservative und Nationalisten dazu [provozierte], dem ‚jüdischen Intellektualismus‘ die Zersetzung der christlichen Glaubenstradition und dem ‚jüdischen Kosmopolitismus‘ die Auflösung der deutschen Volksgemeinschaft zum Vorwurf zu machen“. (23)

Wer, wie Gerlich, die Juden selbst für den ihnen entgegengebrachten Hass verantwortlich macht, vermag im Antisemitismus folgerichtig nicht mehr zu erkennen als eine „wahnhaft überschießende Reaktion auf das erklärtermaßen ‚jüdische Projekt der Moderne‘“. (24) Die systematische Vernichtung des europäischen Judentums stellte demnach „eine angst- und hasserfüllte Überreaktion auf die europäische Fundamentalrevolution der Moderne dar, an der Juden (…) maßgeblich beteiligt waren“. (25)“

In eben solch einem Klima fühlt sich eine Alice Weidel nun besonders wohl? Eine Frau, die u.a. für eine Partei steht, die sich sonst gegenüber Kritikern und Leuten innerhalb der Partei, die man gerne loshaben möchte, gerne auf ihre Unvereinbarkeitsliste beruft? Dieselbe Alice Weidel, die noch vor einigen Monaten in meinem Beisein die „Juden in der AfD“ empfing und ihnen ihre volle Solidarität versicherte? (Foto oben)

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„David Berger der Judas-Jude“

Update: Die antisemitischen Fans von Alice Weidel treten nun ganz eifrig in Erscheinung und glauben mir nun schaden zu können, wenn sie mich im Anschluss an einen Artikel bei JouWatch als Juden „outen“: