(Wolfgang Kaufmann) Immer mehr Bundesbürger beklagen einen wachsenden Zwang zu politischer Korrektheit und Konformität. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland seit Jahren kontinuierlich zu. Es deutet einiges darauf hin, dass zwischen diesen beiden Phänomen ein ursächlicher Zusammenhang besteht. 

Der Krankenstand unter den Arbeitnehmern hierzulande ist eigentlich seit Jahren rückläufig. Mit einer Ausnahme – und das sind die psychischen Erkrankungen. Darunter fallen unter anderem Depressionen und Angststörungen, sonstige Psychosen und Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, Suchterkrankungen sowie Belastungsstörungen von der Art des Burn-out-Syndroms.

Psychische Erkrankungen häufigste Ursache für gesundheitlich verursachte Frühverrentungen

1979 machten diejenigen, welche wegen psychischer Probleme der Arbeit fernbleiben mussten, noch ganze zwei Prozent der Krankgeschriebenen aus. Heute liegt ihre Quote bereits bei 16,6 Prozent. Nach Muskel- und Skelett-Erkrankungen rangieren seelische Leiden nun auf Platz drei, wenn es um Arbeitsunfähigkeit geht. Außerdem dauern die seelisch verursachten Krankheitsfälle auch deutlich länger: Während eine Krankschreibung im Durchschnitt 13 Tage währt, fallen Menschen mit psychischen Problemen in der Regel dreimal so lange aus. So steht es jedenfalls im BKK-Gesundheitsreport von 2018. Und das ist noch nicht alles.

Psychische Erkrankungen sind laut der Deutschen Rentenversicherung Bund mittlerweile außerdem auch die häufigste Ursache für gesundheitlich verursachte Frühverrentungen. Seit 1996 stieg der Anteil derer, die wegen eines seelischen Leidens vorzeitig aus dem Arbeitsprozess ausschieden, von 18,6 auf 43 Prozent. Gleichzeitig erfolgt die Verrentung hier immer früher: aktuell schon mit durchschnittlich 48,3 Jahren.

Immer mehr Menschen leiden unter dem Diktat der Politischen Korrektheit

Das führt zu immensen volkswirtschaftlichen Kosten. 2017 betrugen allein die direkten Aufwendungen für psychisch Erkrankte 44,4 Milliarden Euro, während der Ausfall bei der Bruttowertschöpfung infolge der notwendigen Krankschreibungen bei 21,5 Milliarden Euro beziehungsweise 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens lag.

Nur noch 18 Prozent glauben, dass es möglich sei, überall ungefährdet offen zu sprechen.

Parallel zu dieser Entwicklung zeigen Meinungsumfragen, dass immer mehr Menschen unter dem Diktat der Politischen Korrektheit leiden und einen wachsenden gesellschaftlichen Druck verspüren, sich konform, also angepasst, verhalten zu müssen.

Das zeigt beispielsweise die neue Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach zum Thema Meinungsfreiheit, deren Ergebnisse im Mai dieses Jahres veröffentlicht wurden (die PAZ berichtete). Es gebe zu viele Tabuthemen, und man müsse heute sehr aufpassen, was man sage, klagen 63 Prozent der Befragten  – 2017 meinte das noch weniger als die Hälfte. Und lediglich 18 Prozent glauben immer noch, dass es möglich sei, überall ungefährdet offen zu sprechen.

Migration und Heimatliebe als Tabuthemen

Als besonders kritisch gilt dabei das Thema Asylsucher: Hier neigen inzwischen 71 Prozent der Bundesbürger zur Vorsicht, wenn sie dazu den Mund aufmachen. Ebenfalls nur eingeschränkt äußern sich viele über den Islam sowie die Phänomene Rechtsextremismus und Homosexualität. Ja, selbst die Heimatliebe sehen aktuell schon 41 Prozent der Bundesbürger als heikel an – gegenüber 16 Prozent im Jahre 1996.

„Jede Gesellschaft braucht ein paar wohltuende Tabus … Ich bin politisch korrekt und stolz darauf.“

Das alles sorgt augenscheinlich für einen erheblichen Leidensdruck in größeren Teilen der Bevölkerung, was ideologisch verbohrte Verfechter der Politischen Korrektheit aber keineswegs daran hindert, das Problem zu relativieren oder für nicht existent zu erklären. So schrieb der „Zeit“-Ressortleiter Christian Staas am 27. Mai unter der Überschrift „Erst denken, dann meinen“: „Was spricht dagegen, seine Worte mit Bedacht zu wählen, wenn es um sensible Fragen geht, um kulturelle und religiöse Konflikte, um die Schicksale von Geflüchteten, um die NS-Geschichte?“

Und die türkischstämmige Kolumnistin Ferda Ataman belehrte die Leser von „Spiegel Online“ am 20. April gar mit den Worten: „Jede Gesellschaft braucht ein paar wohltuende Tabus … Ich bin politisch korrekt und stolz darauf.“

Gesellschaftliches Klima als Ursache für psychische Erkrankungen

Ebenso ignorant verhalten sich diejenigen Fachleute, welche nicht wahrhaben wollen, was viele Menschen hierzulande psychisch krank macht. Als Ursache für den rasanten Anstieg der seelischen Leiden nennen sie lediglich Faktoren wie Arbeitsstress, Leistungsdruck, mangelnde Erholung in der Freizeit und – natürlich – fehlendes therapeutisches Personal aufgrund von Unterfinanzierung. Dabei sticht der Zusammenhang zwischen dem gesellschaftlichen Klima in Deutschland und der immer labiler werdenden geistigen Gesundheit der Bundesbürger doch klar ins Auge!

Die verbreitete Befürchtung, bei nicht ausreichender Konformität ausgeschlossen zu werden, und zwar entweder ökonomisch durch Verlust des Arbeitsplatzes oder sozial durch Isolierung, Ächtung und Schlimmeres, führt logischerweise zu einem Ansteigen der Angststörungen unter der Bevölkerung.

Das gilt ebenso für die bohrende Furcht der „Generation Greta“ vor dem Weltuntergang infolge des Klimawandels. Und für das wachsende Bedrohungsgefühl unter Frauen aufgrund der höchst desolaten Sicherheitslage – insbesondere was den Schutz vor sexuellen Übergriffen vonseiten angeblicher oder echter „Flüchtlinge“ betrifft. Um das zu begreifen, benötigt man keine langwierige Psychotherapie-Ausbildung, sondern nur eine Portion gesunden Menschenverstandes.

Unrealistische Hypermoral und Zwangsneurosen

Eine unrealistische Hypermoral ist ja geradezu das Markenzeichen der Politischen Korrektheit.

Ebenso verhält es sich mit den Zwangsneurosen. Diese entstehen bekanntlich durch die Verdrängung unerwünschter Impulse, wie beispielsweise eben dem, zu sagen, was man denkt. Darüber hinaus können stark überhöhte moralische Ansprüche zu Zwangsgedanken und -handlungen führen. Und eine unrealistische Hypermoral ist ja geradezu das Markenzeichen der Politischen Korrektheit.

Oder nehmen wir die affektiven Störungen: Depressionen resultieren nicht nur aus einem Mangel an Serotonin beziehungsweise Noradrenalin und Manien aus dem Gegenteil. Vielmehr spielen auch hier psychosoziale Faktoren eine entscheidende Rolle. Depressionen können aufgrund des Gefühls der Hilf- und Machtlosigkeit, mangelnder sozialer Anerkennung, unterdrückter Aggressionen angesichts unbewältigter Konflikte sowie negativer Lebenserfahrungen entstehen. Und genau solche Unerfreulichkeiten prägen heute den Alltag vieler Menschen, woran die Politik einen erheblichen Anteil hat, was aber eben nur eingeschränkt oder gar nicht thematisiert werden soll, wodurch sich die Probleme der Betroffenen noch verschlimmern.

Die Manie wiederum mit ihrer unnatürlichen Hochstimmung, die etwas Negatives kompensieren soll, kann ebenfalls die Folge von mentalem Stress sein, beispielsweise ausgelöst durch Verlusterfahrungen. Diese sind ja aktuell gleichermaßen an der Tagesordnung: Verlust an Sicherheit, Verlust des Heimatgefühls, Verlust des Vertrauens in den Staat und seine Organe, Verlust an Wohlstand und so weiter. Aber auch in diesem Fall werden entsprechende Äußerungen schnell als „rechts“ abqualifiziert, was dazu führt, dass die Leidenden sie auf krankmachende Art zu unterdrücken versuchen.

Süchte und Persönlichkeitsstörungen können im Diktat der Politischen Korrektheit wurzeln

In ähnlicher Weise können Süchte und Persönlichkeitsstörungen im Diktat der Politischen Korrektheit wurzeln. Menschen empfinden Unbehagen, das dann auf pathologische Weise mittels Alkohol, Drogen und Medikamenten „beseitigt“ wird. Oder das Individuum verändert sein Wesen, wenn es zu einer Überforderung durch Umweltfaktoren kommt, mit denen es sich partout nicht arrangieren kann, während zugleich aber auch keine Fluchtmöglichkeit aus der Situation besteht.

Es steht also zu erwarten, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen hierzulande noch weiter steigen wird, sollten grundlegende gesellschaftliche Veränderungen ausbleiben.

Der Beitrag erschien zuerst bei PREUSSISCHE ALLGEMEINE

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