(David Berger) Das sächsische Görlitz hat gewählt. Die rund 46 000 Wahlberechtigten haben sich nach einem kontroversen Wahlkampf mit 55,1 %für den Unionskandidaten Octavian Ursu als neuen Oberbürgermeister von Görlitz entschieden. Die Wahl ging allerdings äußerst knapp aus. Der AfD-Kandidat Sebastian Wippel konnte mit knapp 45 Prozent der Stimmen immerhin einen Achtungserfolg erringen.

Etwas ganz Außergewöhnliches für Görlitz, das sonst nicht im Rampenlicht Deutschlands steht: Die ganze Republik schaute heute nach Görlitz. Der Grund: Die Stichwahl zum Oberbürgermeisteramt am heutigen Sonntag. Und die Chance für die AfD zum ersten mal in einer Stadt den Oberbürgermeister zu stellen. Fast 50 % Wahlbeteiligung, ein Kopf-an-Kopfrennen der beiden Kandidaten und ein Update der Software des Computers der im Rathaus die Ergebnisse der Auszählungen präsentierte, mitten in der Endphase Auszählung, prägten diese Wahl.

Zur Wahl standen Octavian Ursu (51) von der CDU und sein deutlich jüngerer, vitaler wirkender Herausforderer Sebastian Wippel (36) von der AfD. Wippel hatte bereits den ersten Wahlgang mit 36,4 Prozent gewonnen. Deutlich hinter ihm kam Ursu mit 30,3 Prozent. Nun haben allerdings die anderen Altparteien eine Wahlempfehlung für den Unionskandidaten abgegeben.

Und heute: „Das vorläufige Endergebnis: Octavian Ursu 55,1 Prozent, Sebastian Wippel 44,9 Prozent. Wahlbeteiligung: 56 Prozent. Glückwunsch an den neuen Görlitzer OB und Respekt Sebastian Wippel für dieses Ergebnis.“ (Quelle)

Aufgeheizter Wahlkampf

Im Vorfeld hatte es zahlreiche Propagandaaktionen, u.a. von Schauspielern gegeben, die die Wahl Wippels zum Oberbürgermeister einer der schönsten Städte Deutschlands, in dem auch einige Hollywood-Filme gedreht wurden, verhindern wollten. Diese Aktion stieß allerdings bei denn Bewohnern der Stadt eher auf Ablehnung.

Auch ein neu gegründetes Bündnis „Görlitz bleibt bunt“ hatte Stimmung gegen Wippel gemacht. Auf der anderen Seite hatte die AfD-Politikerin Leyla Bilge eine Aktion von Menschen mit Migrationshintergrund, Juden und Homosexuellen gestartet, die sich für Wippel aussprachen.

Stimmungstest für Landtagswahl?

Die Wahlpartys sollen im “Ratscafé” am Untermarkt (CDU) und im Restaurant “Zeltgarten” (AfD) stattfinden. Grund zum Feiern hat die AfD allemal: Immerhin hat der AfD-Mann Wippel ein sensationelles Ergebnis gegen eine geballte Allianz aller Altparteien eingefahren. Selbst die „Sächsische Zeitung“ spricht Wippel ihren Respekt für das Ergebnis aus. Auch Alice Weidel von der AfD sieht das so:

„Fast hätte er es geschafft, erster AfD-Oberbürgermeister zu werden: Sebastian Wippel hat in Görlitz unglaubliche 44,9% der Stimmen erhalten – noch knapper geht es kaum. Ich gratuliere Sebastian von Herzen für diesen riesigen Erfolg!“

Auf der Basis dieses Erfolgs will sich Wippel weiter für seine Heimatstadt einsetzen: „Wir haben einen grandiosen Wahlkampf abgeliefert und ich danke jedem einzelnen Unterstützer von ganzem Herzen! Octavian Ursu gratuliere ich zur Wahl und hoffe, dass er mit unserer Stadtratsfraktion konstruktiv zusammenarbeitet, um Görlitz voranzubringen.“ sagte er am Abend.

Ursu muss sein Amt am 28. Juli antreten. Ob der Ausgang dieser Oberbürgermeisterwahl wirklich auch als Stimmungstest für die Landtagswahl in Sachsen am 1. September gewertet werden kann, ist umstritten.

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