(David Berger) Ein heute weithin vergessenes Sakramentale der katholischen Kirche ist das „Agnus Dei“, obwohl es über mehr als 1000 Jahre im religiösen Leben der Katholiken eine große Bedeutung besaß.

Die „Agnus Dei“ waren ursprünglich aus Öl und Wachs (der alten Osterkerze) hergestellte Lämmer, die der Archidiakon am Karsamstag in der römischen Lateranbasilika (Foto l.) an die Gläubigen verteilte.

Ab dem 8. Jahrhundert ovale Wachstäfelchen mit dem Bild des Lammes Gottes und dem Regierungsjahr des jeweiligen Papstes, die durch den Papst selbst durch Eintauchen in Weihwasser, dem Chrisam und Balsam beigemischt wurden, geweiht werden.

Gegen Teufel und Dämonen

Auf der Rückseite fand sich meist das Bild eines Heiligen. Die Verteilung wurde vom Karsamstag auf den Samstag in der Osterwoche (vor dem Weißen Sonntag) verschoben. 1964 wurde der Brauch von den Päpsten im Zuge der Liturgie“reform“ aufgegeben.

Bis heute erhalten hat sich dagegen die „Symbolik des Lammes für die Auferstehung Christi zum Backen von Osterlämmern als Gebildbrot, die mit der Siegesfahne der Auferstehung versehen, in der Osterfeier zur Speisen- oder Fleischweihe gebracht und dann neben anderen Speisen zum Osterfrühstück verzehrt werden.“ (Quelle)

Foto r. (c) Daniela Kloth [GFDL 1.2]

Im Volksglauben hatte das Agnus Dei über viele Jahrhunderte eine enorme Bedeutung: gegen den Teufel, Dämonen, Seuchen, Unwetter. Im „heiligen Köln“ war es ab dem 15. Jahrhundert über 300 Jahre (!) ein fester Brauch, ein in Silber oder Gold gefasstes „Agnus Dei“ um den Hals zu tragen: ein Schmuckstück mit schützender Wirkung.

Foto l.: Fragment eines päpstlichen Agnus Dei, in einem Reliquiar von 1933 (Hl. Jahr) © Altera levatur [CC BY-SA 4.0]

Ildefons Schuster beschreibt in seinem „Liber Sacramentorum“ (IV. Band: Die Taufe mit dem Heiligen Geiste und mit dem Feuer, Regensburg, 1929) anschaulich den mit dem heutigen Tag verbundenen Brauch des „Agnus Dei“:

Ganz vom Lichtglanz der Unschuld umstrahlt

Zum Abschluss der Tauffeierlichkeiten kommen die Neugetauften in der Lateranbasilika zusammen, nahe beim Baptisterium, wo sie in der Osternacht zu neuem Leben der Gnade wiedergeboren wurden. Heute sind die letzten Stunden ihres geistlichen Kindseins; morgen schon sind sie gleichsam entwöhnt und haben ihren Platz unter den anderen Gläubigen. Darum ist die heutige Liturgie ganz vom Lichtglanz der Unschuld umstrahlt, sie gleicht einer zärtlichen Mutter, die sich zu ihrem Liebling niederbeugt.

In alter Zeit verteilte der Papst am heutigen Samstag die sogenannten Agnus Dei an das Volk und zwar beim Gesang des Agnus Dei, vor dem Friedenskuss und der hl. Kommunion.

Im 14. Jahrhundert geschah die Verteilung auf folgende Weise: Während der hl. Messe erhielten nur die Kardinäle und Prälaten die kleinen Eulogien in die Mitren gelegt. Beim Mahl, das auf das hl. Opfer folgte, erschien ein Akolyth am Eingang des Saales, eine silberne Schüssel voller Agnus Dei in den Händen, und sprach: „Herr, das sind die Erstlingslämmer, welche das Alleluja verkünden; eben sind sie zu den Quellen gekommen, sie sind erfüllt von Herrlichkeit, alleluja.“

Darauf schritt er in die Mitte des Saales und sprach die gleichen Worte. Schließlich ging er ganz nahe zum Papst hin und wiederholte seine Botschaft in noch höherem und eindringlicherem Ton, wobei er die Schüssel vor den Papst stellte. Dieser gab nun den Herren seiner Umgebung, Priestern, Kaplänen und Akolythen von den Agnus Dei und die übrig gebliebenen machte er katholischen Herrschern zum Geschenk.“

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