Alfredo Ildefonso Schuster – Ostergedanken eines Seligen, der Benito Mussolini das Leben retten wollte!

0
Fotografie des gelehrten Kardinals von Santino Langé

Ein Gastbeitrag von Michael van Laack

Nicht wenige Autoren bedeutender Werke werden schon nach wenigen Jahrzehnten vergessen, ihre Gedanken von zahllosen nachfolgenden Büchern verschüttet, bis sich kaum mehr jemand auch nur ihres Namens erinnert. – Das ist in der Theologie nicht anders. Man denke z.B. an Ludwig Freiherr von Pastor und Joseph Schmidlin, deren fast 15.000 Seiten umfassende Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters (erschienen zwischen 1885 und 1939) zwar ab und an noch eine Fußnote in wissenschaftlichen Werken wert ist, deren Grundlagenforschung aber ansonsten in den Regalen der Fakultätsbibliotheken ungenutzt verstaubt. So macht sich oftmals nicht einmal mehr jemand die Mühe, solche Standardwerke online oder auf Datenträgern digital zur Verfügung zu stellen.

Ein ähnliches Schicksal erlebte Alfredo Ildefonso Schusters „Liber Sacramentorum“, dass in neun Bänden (plus Registerband) eine einzigartige Verschmelzung von Wissen über christliche Archäologie, frühe und mittlere Kirchengeschichte sowie tiefe Gedanken zu liturgisch geprägten Zeiten und dem Leben zahlreicher Heiliger bietet. Ursprünglich Fragmente aus diversen Vorlesungen und Vorträgen für Priesteramtskandidaten darstellend, wob Schuster diese Bruchstücke zusammen und stellte sie einer breiteren Leserschaft zur Verfügung. Zwischen 1928 und 1932 erschien das Werk dann auch in deutscher Sprache – übersetzt von Richard Bauersfeld OSB  – bei Pustet in Regensburg.

Wer nun war Ildefons Schuster? Ein römisch-katholischer Bilderbuch-Karrierist? Ein herausragender Liturgiewissenschaftler? Augenscheinlich beides und noch mehr! Und doch nutzt das von ihm komprimiert zusammengestellte Wissen und seine tiefen Gedanken heute kaum mehr ein Professor der Theologie, Bischof oder Priester in Vorträgen und Predigten.

Geboren am 18. Januar 1880 in Rom (seine Vorfahren stammten aus Bayern) starb er – nur von wenigen betrauert – am 30. August 1954 in der italienischen Gemeinde Venegono Inferiore.

Zwischen diesen beiden Daten liegt eine steile Karriere im eigenen Orden und im vatikanischen Betrieb. Nach dem Eintritt bei den Benediktinern und der Priesterweihe im Jahre 1904 bereits 1908 Novizen-Meister in St. Paul vor den Mauern, dann Prior und Abt daselbst, 1914 Generalprokurator des Ordens auf Monte Cassino, ab 1919 Präsident des Päpstlichen Orientalischen Instituts. 1929 wurde er von Pius XI. zum Erzbischof von Mailand ernannt, wenige Woche später ins Kardinalskollegium aufgenommen.

Soweit so gut. Auch wurde ihm stets ein heiligmäßiges Leben nachgesagt, als Erzbischof und Kardinal hat er stets die Nähe zu Volk und Studenten gesucht und war auch nachts trotz eines immensen Arbeitspensums stets zur Stelle, wenn ein Leidender oder Sterbender nach ihm rief. Ein für Bischöfe dieser Zeit außergewöhnliches Verhalten.

Und dennoch: Schon früh hatte er sich in den wenigen politischen Aussagen, die von ihm überliefert sind, zu Benito Mussolini bekannt (wie es schien), sah in ihm auf jeden Fall das kleinere Übel im Vergleich mit Hitler, dessen Christenfeindlichkeit offensichtlicher zutage trat.

So kam es nach dem Krieg, wie es kommen musste: Schuster geriet in Verruf, da ihm nachgewiesen werden konnte, dass er zum einen Mussolinis Eroberungskrieg in Äthiopien in Predigten und Vorträgen wohlwollend begleitet hatte und sich zudem kurz vor Kriegsende bemühte, das Leben des Diktators zu retten. – Dies reichte den Theologen des frühen Nachkriegs-Europas, Schusters Werke möglichst nicht mehr anzufassen. Noch zu dessen Lebzeiten!

Doch schon zwei Jahre nach seinem Tod wurde klar, dass er eben nicht als Faschist gehandelt hatte, sondern alles stets aus Liebe zur Kirche und aus Feindesliebe geschah.

Bereits 1957 eröffnete deshalb der spätere Papst Paul VI. auf Diözesanebene das Seligsprechungsverfahren; fast 40 Jahre danach sprach der Johannes Paul II. Ildefons Schuster am 12. Mai 1996 endlich selig.

Diese Seligsprechung blieb allerdings eine Randnotiz der Kirchengeschichte. Schusters opus magnum, aus dem ich zum Abschluss einige Gedanken zum Ostersonntag (IV. Band: Die Taufe mit dem Heiligen Geiste und mit dem Feuer, Regensburg, 1929) zitieren möchte, konnte der Vergessenheit kaum mehr entrissen werden, die im ersten Jahrzehnt nach Ende des 2. Weltkriegs politisch und kirchlich gewollt eingeleitet worden war:

„Die Liturgie der Osterwoche beherrschen zwei erhabene Gedanken: die Auferstehung des Herrn und die hl. Taufe. Sie sind zwei Geheimnisse, die sich gegenwärtig ergänzen und erklären; das eine ist das Symbol des andern; das eine ist das Urbild, das andere ist das Abbild. Beide Geheimnisse werden unverständlich, wenn man sie voneinander trennt, denn die Wiedergeburt der Seelen zum Leben der Gnade durch die Taufe ist eine geistige, aber wirkliche neue Auferstehung Jesu in seinen mystischen Gliedern. …  In der Lesung ermahnt uns der Apostel, den alten Sauerteig der Sünde zu entfernen, um ein Festmahl mit dem ungesäuerten Brot der Lauterkeit und Wahrheit zu halten. Christus, unser Opferlamm, hat durch sein Opferblut den Alten Bund beschlossen und einen neuen eingeleitet. Daher müssen wir, gleich ihm, vor Gott hintreten mit kindlicher Aufrichtigkeit und Einfalt, und dürfen mit dem alten Menschen nichts mehr gemein haben. Wie er als Sohn Gottes ein Abglanz des himmlischen Vaters ist, so soll auch der Christ die Güte und Schönheit Gottes widerspiegeln. Dies meint der Apostel, wenn er im Epheserbriefe schreibt (Eph 5, 1): „Seid Nachahmer Gottes als seine geliebten Kinder.“ … Im Evangelium verkündet der Engel den frommen Frauen die Osterbotschaft. Die Auferstehung ist eine dogmatisch sichere Tatsache, sie geschah vor den Augen der Feinde Jesu, der Juden, aber auch anderer, die dem Wunder keinen Glauben schenken wollten; dazu gehörten nicht nur Männer, die Apostel, sondern auch Frauen. Eine Autosuggestion der ersten Christen ist somit ausgeschlossen; sie schrieben dem historischen Christus nicht etwa zu, was ihre enttäuschte Hoffnung sich ersehnt hatte. Nein, sie glaubten fest an die Auferstehung Jesu, und zwar gegen ihren eigenen Willen. Sie waren durchaus nicht geneigt, sie ohne weiteres zuzugeben, sondern beugten sich erst vor der offenkundigen Wahrheit. Sie glaubten, weil sie mit ihren Augen sahen und mit ihren Sinnen wahrnahmen, weil sie „aßen und tranken“ mit dem, der gestorben und wiederauferstanden war. … Die Eucharistie ist das Gedächtnis an den Tod des Herrn, aber auch an seine glorreiche Auferstehung. Sie senkt in unser Herz die Keime des Todes, damit wir teilhaben am Tod Christi, aber gleichzeitig ist sie uns auch ein Unterpfand der Auferstehung.“

Christus ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden!

IN DIESEM SINN WÜNSCHE ICH ALLEN EIN GESEGNETES OSTERFEST!

***

Sie wollen Philosophia Perennis unterstützen?

… oder auf Klassische Weise per Überweisung:

IBAN: DE04 3002 0900 0803 6812 81
BIC: CMCIDEDD – Kontoname: David Berger – Betreff: Spende PP