(David Berger) Seit Tagen macht die Nachricht, der Papst plane Salvini zu exkommunizieren, in einigen alternativen Medien die Runde. Eifrig geteilt und mit Entsetzen kommentiert in den sozialen Netzwerken. Doch was ist dran an diesen Behauptungen?

Dabei beruft man sich für seine Behauptung auf einen Artikel in dem Blogbereich der italienischen Zeitung Il fatto quotidiano: Doch wer den Artikel liest, stellt schnell fest, dass er nirgendwo von derartigen Plänen spricht. Er ist der Versuch des linken Journalisten Notarianni Maso, der offensichtlich nie Kirchenrecht studiert hat, ja nicht einmal Jurist ist, zu zeigen, warum der Papst Salvini exkommunizieren könnte, wenn er denn wollte.

Hätte, wollte, könnte – Fahrradkettenjournalismus

Ausdrücklich heißt es dort: „Unser Innenminister könnte, wenn es die Exkommunikation noch gäbe, exkommuniziert werden. Hier ist eine kurze Liste der Paragraphen des Kirchenrechts , die Salvini verletzt hat.“

Dann erfolgt eine lange Aufzählung dieser Canones des Kirchenrechts. Die werden dann mehr oder weniger überzeugend mit „Verbrechen“ Salvinis kombiniert – um am Ende zu dem Schluss zu kommen: Der Papst könnte, wenn er wollte – das ist alles, basta!

Ähnliches könnte man im Übrigen mit fast allen Politikern Europas machen, die sich der Abtreibung nicht mit all ihrer politischen Macht entgegenstellen: nach dem Kirchenrecht sind sie ipso facto (d.h. ohne dass der Papst dies ausdrücklich verkündet) exkommuniziert.

Hintergrund: Konkurrenzverhältnis Salvini – Franziskus

Was richtig ist (worauf die Artikel in deutscher Sprache aber überhaupt nicht eingehen) ist, dass es ein Konkurrenzverhältnis und große Meinungsverschiedenheiten zwischen Salvini und dem Papst gibt.

Die Zeitung „Tagespost“ schreibt dazu: „Dass die Bischöfe Italiens in der Migrationsfrage die Haltung von Franziskus teilen und die harte Linie der Regierung, vor allem aber Salvini immer wieder kritisieren, wird in Italien nur noch als Rumoren im Hintergrund wahrgenommen. Es geht um zwei Protagonisten, die beide auf ihre Weise „Populisten“ sind: Franziskus und Salvini. Das spaltet nicht nur die Katholiken im Land, die scharenweise zur „Lega“ übergelaufen sind, sondern wird auch ein Thema des Europa-Wahlkampfs sein, der in Italien längst begonnen hat.“

Eindeutig Fakenews

In diesem Zusammenhang wäre eine Exkommunikation das allerletzte Mittel, auf das die Vatikandiplomatie zurückgreifen würde. Franziskus mag ein furchtbarer Prolet sein, der den Glauben verraten hat, aber er ist umgeben von einer Kurie, deren Mitglieder alles andere als dumm sind.

Sie sind Teil einer zweitausendjährigen Tradition der Diplomatie und des Umgangs mit Politikern – von Imperatoren, Kaisern bis zu Diktatoren. Gerade deshalb gibt es dort nicht einmal Pläne den umfangreichen kirchenrechtlichen Prozess, der am Ende zu einer Exkommunikation führen könnte, überhaupt zu beginnen.

Maso: Ich habe nie etwas geschrieben, das missverstanden werden könnte…

Alles andere, was derzeit verbreitet wird, sind Fakenews. Im Gespräch mit mir hat sich der Autor des italienischen Ursprungsartikels inzwischen auch von den genannten deutschen Artikeln distanziert: „Mi spiace per l’equivoco, ma non ho mai scritto nulla che potesse essere frainteso… Es tut mir leid für das Missverständnis, aber ich habe nie etwas geschrieben, das missverstanden werden könnte…“ – so Maso.

JouWatch hat klugerweise die Konsequenzen gezogen und den entsprechenden Artikel bereits gestern gelöscht.