(David Berger) Linksintellektuelle Demokraten haben es derzeit nicht leicht. Der Brexit, einige Wahlergebnisse in Europa, besonders aber der Wahlsieg und die Beliebtheit Donald Trumps in den USA, machen ihnen hart zu schaffen. Daher fordern sie ganz unverblümt die Abschaffung der Demokratie

In jener Zeit, als ihre Ideen einen Wahlerfolg nach dem anderen einfuhren, gerierten sie sich als glühende Verfechter der Demokratie. Diese Einstellung wendet sich derzeit komplett und in Windeseile.

Wer vernünftig ist und wählen darf, bestimmen Linke

Das wird gut sichtbar an einem soeben in deutscher Sprache erschienen Buch von Jason Brennan, seines Zeichens Professor an der Elite-Universität Georgetown in Washington. Dessen Titel sagt eigentlich schon alles aus, was uns der Herr Professor mit einem fast schon missionarischen, anti-populistischen Eifer nahe bringen möchte: „Gegen Demokratie. Warum wir die Politik nicht den Unvernünftigen überlassen dürfen“ 

Government-Vedder-Highsmith-detail-2Initialzündung für dessen Abwendung von der die westliche Gesellschaft in ihrem tiefen Wesen prägenden Grundeinstellung war der Wahlsieg Trumps in den USA.

Nach dem Motto: wenn solch ein Politiker, der uns nicht ins Konzept passt, demokratisch an die Macht gelangen kann, sollten wir die Demokratie abschaffen.

Demokratie wird durch die Epistokratie abgelöst

Ganz so brutal sagt er das natürlich nicht, sondern wartet mit einer Theorie auf, die die Gesellschaft in Hobbits, Hooligans und Vulkanier aufteilt (sic!). Hobbits sind vernachlässigbar: sie haben weder Interesse noch Ahnung von der Politik – und gehen sowieso nicht wählen. Das soll unbedingt auch so bleiben bzw. ihnen soll der freiwillige Wahlverzicht nun verordnet werden.

Das Problem sind die Hooligans: Sie leugnen den Klimawandel, obwohl sie unter den Unwettern leiden, sie haben etwas gegen Migration besonders von Muslimen in ihren Ländern, obwohl diese nur eine kleine, völlig ungefährliche Randgruppe darstellen und den Wohlstand der Hooligans garantieren. Aber auch Menschen mit Migrationshintergund befinden sich in dieser Gruppe: etwa die vielen Latinos, die Trump wählten, obwohl der doch eine Mauer zu Mexiko bauen will.

Alleine die Vulkanier können wirklich sinnvoll eine Wahlentscheidung treffen. Sie sind bestens durch die verschiedensten Medien unterrichtet, können ausgiebig differenzieren und setzen auf nachhaltige, zukunftsfähige Konzepte, frei von Vorurteilen und Diskriminierung – statt auf Populismus. In den allermeisten Fällen können sie auch entsprechende akademische Abschlüsse vorweisen.

Nur diese letzte Gruppe soll in Zukunft wählen dürfen. Das heißt, die Demokratie wird durch die Epistokratie abgelöst.

Remarks at Dedication of Victims of Communism MemorialBürger müssen, bevor sie wählen dürfen, bestimmte Tests ablegen, in denen ihr Wissen über politische und wirtschaftliche Fakten, besonders aber Hintergründe und Zusammenhänge abgefragt wird.. Nur wer den Test bestehe, dürfe an der Wal teilnehmen. Das wären nach den Schätzungen Brennans etwa 20 % der heutigen Wähler (in den USA).

Dass der Bildungsstand ganz wesentlich von ökonomischen Voraussetzungen mitbestimmt wird, ist eine Doktrin, die uns die Linken bislang immer wieder nahe bringen wollten, um damit den Bildungsstand insgesamt möglichst tief nach unten zu regulieren, zu ent-elitarisieren.

Nachdem ich diesen Artikel veröffentlicht habe, würde ich auch das Wahlrecht verlieren

Nun machen sie sich durch Leute wie Brennan mit Denkmustern gemein, die ganz und gar elitär und ökonomisch im Sinne der „herrschenden Klasse“ ausgerichtet sind. Schizophrenie? Oder liegt es daran, dass man glaubt, dass die monetäre und intellektuelle Elite ohnehin komplett linksdrehend ist?

Um die Menschen an diese neue Regierungsform zu gewöhnen, schlägt der Professor aber erst mal mildere Formen der Wählerselektion vor. „Simuliertes Orakel“ nennt er das: Das heißt jeder geht wie gewohnt wählen, bei der Auswertung der Testergebnisse bestimmt aber ein „Algorithmus“, wie gut der Wähler vermutlich informiert war, und entscheidet dann, ob seine Stimme überhaupt in das Endergebnis eingehen wird.

Viele werden jetzt sagen, dass wir in Europa solche Orakelwahlen doch schon länger haben: Bleistifte in Wahlkabinen, mehr abgegebene Stimmen als Wahlberechtigte usw. zeigen, dass Orakeln auch ohne komplizierte akademische Vulkanier-Paradigmen funktioniert.

Vermutlich sind solche Überlegungen aber populistisch und machen mich zum Hooligan. Ob ich sie – verlustig es Wahlrechts – dann noch äußern darf, weiß ich gar nicht.

Die Epistokratie gebiert Diktatoren

Aber wenn es der Herr Professor mehr vulkanierhaft und akademisch haben will: Schon der große antike Philosoph Aristoteles schlug mit seiner „Herrschaftsform der Philosophen“ eine Art Epistokratie vor. Herausgekommen ist dabei ein Alexander der Große, der bei aller Bewunderung, die er als Feldherr bei manchen findet, doch Tausende seiner eigenen und der fremden Soldaten ohne mit der Wimper zu zucken seiner Machtgier opferte. Zuletzt sogar seinen Geliebten.

Was Aristoteles vergessen hatte und was Brennan nicht klar ist: Politik, die auf philosophische Theorien und Ideologien bzw. auf eine kleine Gruppe an Hohepriestern der Weisheit setzt, ist bislang immer gescheitert.

Klugheit ist – wie schon der große Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert wusste – die Tugend, die in der Politik gefragt ist.

Und damit sind in der Regel ganz einfache Menschen, deren Denken nicht komplett durch Soziologie- und Genderseminare pervertiert wurde, weitaus besser ausgestattet als diejenigen, die sich für die intellektuelle Elite halten.

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Fotos: (2) Elihu Vedder (1836–1923). Photographed 2007 by Carol Highsmith, via Wikimedia Commons (3) „Göttin der Demokratie“ – auf dem Mahnmal für die Opfer des Kommunismus (c) White House photo by Joyce N. Boghosian, via Wikimedia Commons

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36 Kommentare

  1. Es wird Zeit, die ganzen Pseudowissenschaftler, die ihren Abschluss offenbar im Star Trek Universum gemacht haben, aus den Universitäten der westlichen Welt hinaus zu fegen. Die medial versauten Vollidioten halten sich für die geistige Elite und zeigen mit jeder weiteren Äußerung, wie weit sie sich selbst doch von der Realität entfernt haben. Man glaubt an einen schlechten Scherz.

  2. Im Prinzip wird ja die Abschaffung der Demokratie schon lange betrieben, unter dem Deckmantel des Schutzes der Demokratie. Quasi eine Paradoxie, die aber natürlich nur Leuten mit logischem Denkvermögen auffallen kann.

    Wenn Grüne heutzutage von Demokratie sprechen, dann meinen sie schon lange nicht mehr „Volksherrschaft“. Volk gibt es ja im Weltbild der Grünen gar nicht. Vielmehr meinen sie Minderheitenschutz, Politische Korrektheit, vermeintlichen Humanismus, Internationales Recht, Menschenrechte usw. Alles gut und schön, teilweise Fiktion, aber NICHTS davon hat mit Demokratie zu tun, im Gegenteil:
    – Politische Korrektheit und moralischer Imperativ stehen demokratischen Entscheidungen diametral entgegen.
    – Minderheitenschutz kann ganz schnell auf Kosten der Mehrheiten gehen, ist also ebenfalls, wenn man das Maß verliert, eine Gefahr für die Demokratie.

    Sinn-entfremdete bis -entleerte, ja durch Umdeutung ad absurdum geführte Begriffe wie „Solidarität“, „Toleranz“ und inzwischen auch „Demokratie“ sind Symptome des postfaktischen Zeitalters.

  3. Der Hobbit-Genealoge hat in seiner linken Comic-Welt etwas Entscheidendens vergessen: das Menschenrecht (und diesmal wirklich!) auf Freiheit!

    Allerdings legt er in seiner pseudointellektuellen Selbstgefälligkeit gnadenlos den Faulgerm allen linken Denkens offen: es neigt immer zum Totalitarismus und zur Verachtung des Menschen.

    • Ich wollte zu DDR- Zeiten auf Krankenschein nur das autogene Training erlernen, da bekam ich vorher erst einmal so mehrere Fragebögen zum ausfüllen. Ich vor lauter Kopfschütteln und ich eigentlich meine Ruhe haben wollte, brauchte ich mehr Zeit. Da überlegen verboten war wanderten die Dinger im Papierkorb.
      Bei der 2. Sitzung sagte man mir das doch alles ok bei mir sei, denn bei der Gesprächsführung hatte ich die Richtung indirekt vorgegeben. Den musste ich erst einmal verklickern das ich nur das autogene Training lernen wollte. Alles was die linken Geisteswissenschaftler machen ist gegen die Normalos gerichtet, so werden auch die künftigen Fragebögen aussehen und die werden kommen den alles was heute geschieht ist vor hundert Jahren erdacht worden von den linken Geisteskranken.

  4. DEMOKRATIE ist schon sehr lange nicht mehr mit VOLKSHERRSCHAFT identisch!
    Die Gründerväter der USA (v.a. Madison) haben als Kümmerform die „REPRÄSENTATIVE DEMOKRATIE“ erfunden.
    Ihr Ziel war ganz ausdrücklich die Aufrechterhaltung der Wohlstandsverteilung, also den Reichen immer mehr und den „Nicht-so-Reichen“ Sand in die Augenstreuen, damit sie nicht aufmucken. So MAUSFELD in MIES, WERNICKE (Hg.), „Fassadendemokratie . . . „. In diesem Buch führen ein Dutzend hochkarätiger Autoren (etwa ERNST WOLFF) aus, wie seitdem diese Art „Demokratie“ immer mehr zu einer Wohlfahrts-Verteilungs-Maschine verkommen ist.
    Nutznießer sind einige wenige (300 ?) superreiche Oligarchen (GLOBALISTEN, SCHATEENREGIERUNG . . . ), die weltweit Regierungen, NGO’s und Instituitionen (UNO; NATO; Weltbank, BIZ, uv.a.) als Instrumente nutzen, um den Endzustand zu erreichen:
    Weltweit malochen die Vielen, um den Profit ihrer Arbeit an die Clique der Oligarchen abzuliefern.

    Keine Rede davon, daß die Oligarchen Geld und Macht für irgendeine Ethnie, für irgendeine Religion oder Ideologie, irgendeinen Staat oder eine überstaatliche Organisation eintreiben: Sie scheffeln ausschließlich für die eigene Kasse der „300“.

  5. In der Tat hat der gute Herr Prof. in Teilen Recht. Die Teletubbis waren, sind und werden immer das Problem sein (eigentlich auch nicht). 70% aller Menschen sind Tiniwinkis und teckendasdipsidenlalainderpo. Aber ob (eindeutiger!) „Faschismus“ eine Alternative dazu bietet bezweifle ich massivst.

    Meiner Ansicht nach ist die Beste Lösung immer noch ein kluger König (wählt mich bitte!) und der sollte nicht unbeding vom bereits völlig atomisierten Planeten Vulkan stammen. Zu gefühlskalt und für meinen Geschmack etwas zu spitzohrig für die Menschenwelt.

  6. Das erinnert mich doch schon wieder an einen Action Film, den ich vor einiger Zeit mal gesehen habe.
    Leider weiß ich den Titel nicht mehr.
    Auf jeden Fall kam da ein Kolumbianischer Drogenboss vor, der auch ein hohes politisches Amt hatte.
    Der sagte dann, sinngemäß: „Wir haben hier seit 20 Jahren eine funktionierende Demokratie. Die Leute wählen seit 20 Jahren Mich. Sollte sich das mal ändern, muss ich die Demokratie wohl abschaffen.“
    Das hat sich in mein Hirn eingebrannt.
    Aber genauso wird das „Demokratieverständnis“ der meisten Politiker und auch dieses „Professors“ wohl tatsächlich aussehen.

  7. Nun ja, in Libertären Kreisen gibt es ja öfters die Diskussion darum wie man die schleichend zunehmende „Demokratische Korruption“ ausmerzen könnte.

    Also Wahlrecht nur für Besitzende, Wissende, verdiente Soldaten, aber nicht für Bürger die Trainerleistungen vom Staat erhalten.
    Also nicht für Beamte, Lehrer, Polizisten, Politiker, Hartz-4 Bezüger usw.
    Man müsste sich entscheiden ob man wählen ……oder den Wähler-Willen umsetzen möchte und dafür vom Staat bezahlt wird, aber nicht mehr selber wählen darf.
    Wer vom Staat Geld erhält neigt dazu den Staat auszubauen….. = demokratische Korruption.

    Zudem müsste das Wahlalter heraufgesetzt werden, sagen wir auf 40 Jahre.
    Denn, die Jugend neigt zu unbegründetem Enthusiasmus aufgrund mangelnder Lebenserfahrung.

  8. In letzter Zeit hat man verstärkt das Gefühl, dass Eliten sehr an Diktaturen gelegen ist.
    Das könnte daran liegen, weil sie sich wohl tatsächlich in ihrer Ignoranz und Empathielosigkeit einfach überlegen fühlen (wollen)

    Ob sie es sind oder nicht, auch wenn sie die Möglichkeit der höheren Bildung eher nutzen können, was treibt sie an?

    Geld!
    Da sie auch noch geistig degeneriert sind, denn wer nicht empathisch auch geringer gebildete als gleichberechtigte Lebewesen sieht, ist geistig degeneriert, machen sie es sich leicht.
    Diktatur und Ende, das scheint ihr größter Wunsch.

    Doch betrachtet man die Geschichte ist die französische Revolution zb ein gutes Lehrstück: ohne „Bauern“ geht’s halt nicht Und die sind oft um vieles intelligenter, und vor allem: in der Überzahl!

    In letzter Zeit also kann man Dank all dieser linken Aussagen, ständig nur noch mit dem Kopf auf den Tisch klatschen!

    Die trauen sich das auch noch auszusprechen, bzw. Ein Buch zu schreiben und wenn das hier ein Professor ist, lehrt der an seiner Uni diese Ideologie?
    Davon darf man leider ausgehen

  9. Davon abgesehen, dass wir längst in einer Postdemokratie leben, bahnt sich der Totalitarismus offenbar immer unverhohlener an. Eine alternativlose Merkelei hierzulande, die mit allen autoritären Bandagen ihre volksverachtende Politik durchboxen will, bereitet das Terrain für den neuen, diesmal „humanitären“, Faschismus. Da ist dieser professorale Hirnakrobat aus den USA nur ein weiteres Symptom einer schleichenden tödlichen Krankheit verzweifelter Hybris im Endstadium. Und gut informiert scheint besonders er gar nicht, sonst könnte er zum Beispiel den Islam nicht so schönreden. Somit hat er sich selbst abwärts qualifiziert, verliert damit seinen geglaubten Vulkanier-Bonus und darf folglich nicht wählen. Shit happens… 😉

  10. Es war vielmehr Platon, der das Konzept der Philosophenherrschaft vertrat. Und wie hätte er wissen können, daß solche Theorien „bislang immer gescheitert“ sind? Der Herr Professor könnte das wissen. Platon indes hat auch seine Erfahrungen gemacht: in Syrakus nämlich, und das ist ihm nicht bekommen. Deshalb schwächte er sein Konzept der Politeia im Spätwerk Nomoi (Gesetze) etwas ab.

  11. „Bürger müssen, bevor sie wählen dürfen, bestimmte Tests ablegen, in denen ihr Wissen über politische und wirtschaftliche Fakten, besonders aber Hintergründe und Zusammenhänge abgefragt wird.“

    Super Idee, nur wird es dummerweise nach hinten losgehen, da diese ganzen durchgegenderten, durchindoktrinierten „Snowflakes“ in ihren „save-spaces“ die Realität gar nicht mehr wahrnehmen wollen: Deren Gehirnwaschung ist abgeschlossen und sie sind gar nicht mehr in der Lage, Daten, Zahlen und Fakten von ihrer Gesinnung zu unterscheiden: https://www.youtube.com/watch?v=wQmog9BZZ6o

  12. Die erwartete Demontage der Maske! Und was kommt zum Vorschein? Diktatur, wer hätt’s gedacht. Statt Auslese mit Darwin’schem Hintersinn zu betreiben, wäre auch die beherzte Idee einer Humbold’schen Bildung sichtbar, was Linken einst zumindest eigen war, als sie noch die Befreiung von ökonomischen Zwängen im Blick hatten; mittlerweile sind sie hijacked. Der status quo ist jetzt Natur und somit ihn hinterfragendes Denken Unsinn. Nur wer sich erfolgreich der Prägung durch die system-immanente akademische Bildungsapparatur unterworfen hat, weiß beim Hinterfragen die „richtigen“ Antworten, ist Garant von Systemstabilität. Und wenn’s schon sein muss: statt Vulkanier eher Jedis oder Gandalfs, da ist wenigstens Intelligenz mit Herz gepaart!

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