(David Berger) Alexander Wendts Blog „Publico“ ist ein Jahr alt geworden. Doch der Geburtstag ging unter, da zugleich sein neues Buch über Drogen erschien und die Buchpremiere in Berlin Mitte abgesagt wurde. PP gratuliert trotzdem.

„Viele kennen ihn als Focus-Redakteur, vermutlich noch mehr durch seine Buchveröffentlichungen – und die allermeisten Leser von PP als wortgewaltigen und scharfsinnigen Kommentator des Zeitgeschehens auf Facebook. Erinnert sei hier nur an seinen Beitrag auf PP:„Merkel ist eine offene Feindin des Grundgesetzes“? Die Rede ist von Alexander Wendt.“ – schrieb ich vor einem Jahr.

Und weiter: „Nun hat er sich sozusagen selbständig gemacht. Was angesichts der Transformation der sozialen Netzwerke zu Folterkellern der Zensur sehr weitsichtig ist.Mit „Publico“, Untertitel Politik, Gesellschaft & Übergänge – startete heute – pünktlich um Mitternacht – der erfahrene Journalist seinen eigenen Blog.“

Abgesagte Buchpremiere: „Neurechter“ Autor darf kein Buch mit grünen Thesen schreiben

In den letzten Tagen hat Alexander Wendt vor allem dadurch Schlagzeilen gemacht, dass man eine Buchvorstellung als Premiere seines neuen Werkes zum Thema Drogen, das eher grüne Thesen vertritt, in einer Berliner Buchhandlung kurzfristig absagte, als einem zu Ohren kam, dass er die „Erklärung 2018“ mit-initiiert und unterschrieben hat. Jan Fleischhauer hat den Vorgang gut beschrieben:

„Ein Bekannter von mir, der „Focus“-Redakteur Alexander Wendt, hat in diesen Tagen ein Buch vorgelegt, in dem er für eine andere Drogenpolitik plädiert. Es heißt „Kristall“ und will dem „Microdosing“ einen Weg bahnen. So heißt der aus den USA importierte Trend, sich so geringe Mengen harter Drogen zuzuführen, dass nur die positiven Effekte übrig bleiben. Ich habe einen Blick hineingeworfen, das Buch liest sich gut. Ich bin allerdings extrem skeptisch, was die These angeht. Mir scheint das ein Projekt, das eher zu den Grünen passt. (Foto: Alexander Wendt (Mitte) mit Jan Fleischhauer (r) und David Berger (l) – beim Empfang der „Jüdischen Rundschau“ im Dez. 2016)

Das Buch sollte in einer bekannten Buchhandlung in Berlin-Mitte vorgestellt werden. Die Einladungen waren schon versandt, da erreichte den Autor die Nachricht, dass man von der Buchpremiere leider zurücktreten müsse. Man sei darauf aufmerksam gemacht worden, dass er, Wendt, einer der Initiatoren der „Erklärung 2018″ sei.“

Ein Blog mit Klickmillionen

Durch diesen an und für sich erschreckenden, aber inzwischen fest zum linksgrünen System Merkel gehörenden Vorgang ging der einjährige Geburtstag von Publico etwas unter. Da ist es gut, dass Wendt heute selbst ein Resümee gezogen hat:

„Nach zwölf Monaten lässt sich die Wirkung des neuen Mediums ganz gut vermessen. Publico verzeichnete in seinem ersten Jahr 3,62 Millionen Seitenabrufe von insgesamt 770 000 Nutzern, die 253 Beiträge lesen konnten und 4000 Kommentare hinterließen. Die höchste Tagesreichweite lag bei 62 000 Seitenabrufen. Danke also für die Klickmillionen. Durch ihre Zweitverwertung auf anderen Plattformen erreichen viele Publico-Beiträge eine sechsstellige Zahl von Lesern.

Die meisten Besucher verzeichnete das Magazin durch seine Beiträge zu Chemnitz, hauptsächlich wegen seiner Nachfrage bei der Generalstaatsanwaltschaft Sachsen, die damals bestätigte, keine Anhaltspunkte für eine Hetzjagd in der Stadt zu haben. Damit dementierte die Behörde Angela Merkel und Regierungssprecher Steffen Seibert exklusiv bei Publico.

Matthias Matussek als Gastautor

Wie andere Plattformen– etwa Tichys Einblick und Achgut – verzichtet Publico auf eine Bezahlschranke, und setzt dafür auf permanentes Crowdfunding. Durch die stetigen finanziellen Beiträge vieler Leser ist es möglich, eine Ein-Personen-Redaktion die Honorare der Gastautoren und die technischen Kosten zu finanzieren. Allen zahlenden Lesern deshalb herzlichen Dank.

Ohne die Gastbeiträge von Wolfram Ackner, Matthias Matussek, Paul Möllers, Marisa Kurz, Jörg Friedrich, Mascha Memel und vor allem ohne die wöchentlichen Zeitkommentare Bernd Zellers wäre Publico nicht dieses Medium. Aber die allermeisten Texte stammen nach wie vor von dem Gründer, sie entstehen meist nachts, die Arbeit in der Textmaschine zieht sich manchmal, und dem Gründer bleibt folglich wenig Zeit, über Vor- und Nachteile dieses Abenteuers nachzudenken.

Probleme der Leser mit der Unterstützung Israels

Zu den Vorteilen gehört, dass ich seitdem jede Faltenvertiefung und jede Müdigkeit mit Publico entschuldigen kann, auch dann, wenn sie andere Gründe haben.

Ich kann nicht alle Bedürfnisse befriedigen. Gelegentlich kommen Leserzuschriften des Inhalts, ich würde zwar ganz ordentlich schreiben, aber meine Unterstützung für Israel heiße man nicht gut. Immerhin hat mir noch niemand den umgekehrten Vorwurf gemacht.

Publico wird weiter ein libertäres Magazin bleiben.“

Lieber Alexander, nicht nur weil einer der treffendsten Artikel über mich aus Deiner Feder erschienen ist oder weil wir beide das Los unserer gerechten Einschätzung Israels teilen und obwohl Du mich als Gastautor in Deiner Aufzählung vergessen hast, alles erdenklich Gute zum Einjährigen: Bitte weiterhin libertär – nicht nur, wenn es um harte Drogen geht – und: Ad multos annos!

Und damit es noch ein paar mehr Millionen Klicks werden, geht es hier zu PUBLICO

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