Ein Gastbeitrag von Daniel Schweizer

Heute, am 9. November, jähren sich gleich mehrere historisch bedeutsame Tage der deutschen Geschichte. Zwei davon jähren sich heute mit einer runden Zahl:

Heute vor 100 Jahren rief Philipp Scheidemann die deutsche Republik aus, am gleichen Tag Karl Liebknecht die kommunistische Revolution.

Heute vor 80 Jahren nahmen mit der Reichspogromnacht die antisemitischen Drangsalierungen vonseiten des NS-Regimes ein neues Ausmaß an.

Innerhalb der letzten 100 Jahre lassen sich mindestens vier 9. November nennen, an denen uns vor Augen geführt wurde, wie wenig selbstverständlich es ist, in unserem deutschen Vaterland in Einigkeit, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit zu leben. Gerade deshalb ist der 9. November auch ein besonderer Anlass zur Erinnerung, wie wichtig es ist, für diese Güter einzutreten.

9. November 1918

Heute vor 100 Jahren verkündete Reichskanzler Max von Baden die Abdankung des Deutschen Kaisers. Am selben Tag rief der sozialdemokratische Politiker Philipp Scheidemann von einem Balkon des Reichstags die Republik aus und kam damit dem Kommunisten Karl Liebknecht zuvor, der die Räterepublik verkündete. Letztendlich behielt Philipp Scheidemann recht.

Es folgte bald darauf mit der Weimarer Republik der erste Versuch einer parlamentarischen Republik auf deutschem Boden. Vorerst blieb den Deutschen der Kommunismus erspart. Doch für einen Teil des deutschen Volkes wurde der Alptraum von der kommunistischen Diktatur 31 Jahre später Wirklichkeit – mit der Gründung der DDR in der sowjetischen Besatzungszone, für ganze 40 Jahre.

9. November 1923

Die Weimarer Republik litt von Anfang an unter vielen Geburtsfehlern. In erheblich vielen Schlüsselpositionen staatlicher Macht wie auch in nennenswert hohen Anteilen der Bevölkerung bestand kein wirklicher Rückhalt für die Demokratie. Eine schwere Last für die Bevölkerung waren unter anderem die als Demütigung empfundenen Bedingungen des Versailler Vertrags und der wirtschaftlich-existenzielle Notstand durch die Inflation.

Entsprechenden Nährboden hatten republikfeindliche Bewegungen am linken wie am rechten Rand. Von damit verbundenen Krisen und Umsturzgefahren war besonders das Jahr 1923 betroffen. Darunter fiel heute vor 95 Jahren der Hitler-Ludendorff-Putsch in München. Vorerst konnte der Putsch gestoppt werden, leider nur vorerst. Denn etwas mehr als neun Jahre später folgte die Machtübernahme Hitlers.

9. November 1938

Die von Anfang an durch viele Faktoren instabile Weimarer Republik konnte ihrer größten Krise, der Weltwirtschaftskrise, nicht standhalten. Diese Krise verstärkte massiv die republikfeindlichen Kräfte, die nach wie vor vorhanden waren. Welches dunkle Kapitel dann 1933 mit der Machtübernahme Hitlers über Deutschland und ab 1939 über die Welt kam, ist uns allen bekannt.

Einige ältere Leser unter Ihnen haben es vielleicht selbst noch mit erlebt. Und wer schon einmal KZ-Gedenkstätten wie in Dachau oder Ausschwitz besucht hat, kann sich ausmalen, wie viel menschliches Leid und wie viel Verbrechen damit angerichtet wurde. Heute vor 80 Jahren, am 9. November 1938, folgte mit der Reichspogromnacht eine bedeutende Verschlimmerung der bereits vorhandenen Repressalien gegen unsere jüdischen Mitbürger.

Und leider ist Antisemitismus bis heute nicht überwunden. Egal ob von Neonazis – nicht zu verwechseln mit Konservativen und Patrioten – ausgehend, oder von Israelfeinden aus dem linken Spektrum oder von islamischen Judenhassern, jeder Form von Antisemitismus ist entschieden entgegen zu treten. Wir müssen uns klar zum jüdischen Leben als fester Bestandteil Deutschlands und Europas bekennen. Israel als Teil der freien demokratischen Welt und als nationaler Heimatstaat der Juden muss einer unserer wichtigsten Partner sein. Das ist eine wichtige Lehre aus dem Tag heute vor 80 Jahren.

9. November 1989

Das Ende der NS-Herrschaft 1945 bedeutete nur für die Deutschen in den westlichen Besatzungszonen anschließende Befreiung. Für die Deutschen in der sowjetischen Besatzungszone folgte ab 1949 gleich die nächste Diktatur – die kommunistische Diktatur, die am 9. November 1918 Karl Liebknecht schon für ganz Deutschland propagiert hatte.

Jeder, der einmal eine Führung in der Gedenkstätte Hohenschönhausen mitgemacht hat, wird allergisch reagieren auf jedes Schönreden, in der DDR sei nicht alles schlecht gewesen.

Glücklicherweise wurde die friedliche Revolution gegen das DDR-Regime heute vor 29 Jahren mit dem Mauerfall gekrönt. Mutige Bürgerrechtler hatten mit friedlichen Kämpfen für die Befreiung und damit für die Wiedervereinigung unseres deutschen Vaterlandes gekämpft. Doch mit Enttäuschung sehen viele der Freiheitskämpfer von 1989, dass heute wieder viele Verhältnisse in Deutschland an die DDR erinnern: Zensur durch NetzDG, Diffamierung der parlamentarischen und außerparlamentarischen Opposition vonseiten der Regierenden, einseitige Berichterstattung vonseiten der Mainstreammedien…. Und das unter Führung einer ehemaligen FDJ-Sekretärin namens Angela Merkel.

Konsequenzen spätestens bis heute in einem Jahr

Der 9. November ist wegen der genannten historischen Ereignisse ein wichtiger Gedenktag. Er macht uns deutlich, wie wenig selbstverständlich eine freiheitlich-demokratische Grundordnung in der Geschichte Deutschlands war. Deshalb ist es umso wichtiger, durch politisches Engagement zu kämpfen: Nicht für Political Correctness und irrsinnige Ideologien, sondern für Einigkeit und Recht(sstaatlichkeit) und Freiheit, in deren Rahmen in unserem deutschen Vaterland die Menschenwürde am besten geschützt ist.

Und gerade deshalb darf Angela Merkel nicht diejenige sein, die heute in einem Jahr, am 30. Tag des Mauerfalls, als Kanzlerdarstellerin eine Festrede halten wird. Als Beschützerin unserer Rechtsordnung ist sie nicht mehr geeignet, nach allem, was sie sich erlaubt hat. Frau Merkel verzichtet zwar nun auf das Amt der Parteivorsitzenden, möchte aber noch bis 2021 Kanzlerin bleiben. Diesen Gefallen dürfen wir ihr nicht tun.

Eine friedliche Revolution muss zu baldigen Neuwahlen führen. Damit heute in einem Jahr zum dreißigjährigen Mauerfall nicht Angela Merkel, sondern Alice Weidel als Bundeskanzlerin die Festrede halten wird.

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9 Kommentare

  1. Diesem Aufsatz kann man sich nur anschließen, denn er ist wohltuend und auch abweichend vom allgemeinen Klagelied zu lesen, wobei jeder empathische Mensch grundsätzlich bei allem Leid mitfühlt, aber das betrifft dann wirklich alle Schandtaten dieser Welt und wenn man den Eindruck hat, daß solche Ereignisse instrumentalisiert werden um dabei politische Ziele durchzusetzen, dann ist das nicht in Ordnung, denn kein vernünftiger Mensch zweifelt an der Verkommenheit vieler seiner Artgenossen und dennoch werden Schandtaten im allgemeinen nicht zu verhindern sein, wer schon lange lebt, hat sie in Wiederholung immer wieder seit dem letzten Weltkrieg erfahren und wenn er noch durch Augenzeugenberichte in der Zeit davor unterrichtet wurde, dann mußte vieles so kommen und darunter mußten dann alle leiden, auch jene, die die verbrecherischen Systeme vehement abgelehnt haben und dennoch bis heute in den gleichen Topf geworfen werden, was so nicht in Ordnung ist und deshalb Trauer und Mitgefühl für alle Gemarterten ja und ohne Kompromisse, aber klar in der Analyse, damit nicht alles ungerechtfertigt vermengt wird, denn eine Kollektivschuld gibt es nicht, es gibt Verantwortung und die Möglichkeit der Vorbeugung, die kann aber nicht durch stetige Schuldzuweisungen erfolgen, sondern in einem aufrichtigen gemeinsamen Plan für die Zukunft, bei allem verbrecherischen Geschehen, was dieses Land nicht verdient hat und dennoch davon befallen wurde.

  2. Die beste Zeit der deutschen Geschichte ist zweifelsohne die Kaiserzeit 1871-1914. Ein aufblühendes Land mit rasantem Wachstum, die Härten der Industrialisierung wie beispielsweise in England wurden bereits zu Bismarcks Zeiten (bis 1890) abgemildert, Deutschland war noch im Vollbesitz fast aller deutschen Länder (den fehlenden wurde nach 1919 der Anschluß von den Besatzern gegen alles Völkerrecht untersagt wurde)
    Und Demokratie gab es sehr wohl, und zwar auch das gleiche Stimmrecht (das Dreiklassenwahlrecht galt nur im Bundesland Preußen, im Reich waren alle Stimmen gleich) und Fremdherrschaft, Kommunistenaufstände, Hungersnöte, Inflation und Massenarbeitslosigkeit wie in den furchtbaren 20er Jahren gab es im Kaiserreich nicht.
    Deutschland war an der Spitze bei Wissenschaft und Technik und hat in der Zeit von nur 20 Jahren bis 1890 auch dank der umsichtigen Politik Bismarcks sich diesen Platz an der Spitze der Weltwirtschaft erarbeitet. Eine solch lange Zeit des Friedens und der Rechtstaatlichkeit haben wir seitdem nie gesehen. Nein, von 1945-1990 war Deutschland besetzt und geteilt, das war kein Frieden und schon gar keine Rechtstaatlichkeit in einem Teil Deutschland und nach 1990 haben die linken und RAF-grünen Unterdrücker – weil man 1990 nicht mit ihnen abgerechnet hat – sich in die Verwaltung des Staates gemerkelt und 2015 die Pest ins Land geholt.

  3. 09.11.1848: Robert Blum wird hingerichtet.
    „Es hätte nie ein Christentum und nie eine Reformation und keine Staatsrevolution und überhaupt nichts Gutes und Großes gegeben, wenn jeder stets gedacht hätte: ‚Du änderst doch nichts!‘“ – Robert Blum 1844 in einem Brief an seine Schwester.

  4. Der 9.November ein magisches,geschichtliches Datum der Deutschen so im Positiven wie im Negativen.
    Der Vorwurf die Ossis hätten von Demokratie keine Ahnung ist dummes Geschwätz von Denjenigen die zur deutschen Einigung nur geschwatzt haben in großen Sonntagsreden im großen Haus.Dieser Tag oder der Nächste sollte der der Tag der deutschen Wiedervereinigung sein.Desweiteren sollte ein nächster 9.November ein Tag der vollen Souveränität unseres deutschen Vaterlandes werden .

  5. „und jeglicher Widerstand max. im Untergrund formiert werden kann.“

    Davon gehe ich auch zunehmend aus. Zu den geschichtlichen Kontinuitäten von uns Deutschen gehört neben dem Wunsch nach Unterdrückung (und unterdrückt werden) in wechselnden Verpackungen und wirren Visionen auch der Mix aus Lethargie, Naivität und Angst, der regelmäßig dafür gesorgt hat, daß Widerstand gegen falsches obrigkeitsstaatliches Handeln erst spät, meist zu spät (s. z.B. Stauffenberg-Attentat) erfolgt.

  6. Sehr guter Artikel.Über die Auswertung der geschichtlichen Ereignisse kann man unterschiedlicher Meinungen sein.Aber:In der Endkonsequenz leben wir heute und Einigkeit und Recht und Freiheit,verkörpert durch friedliches Miteinander souveräner Nationen,im wirtschaftlichen Wettbewerb und fair im Umgang miteinander sollte die zukunftsorientierte Verhaltensweise von uns Deutschen sein.Deutsche,da meine ich jeden Staatsbürger,unabhängig von Rasse,Geschlecht und Religion oder ohne Glauben an irgendeinen Gott.Und,ja,das jüdische Leben in Deutschland fruchtet in Bildung,Wirtschaft und Kultur besonders und die Beziehung zu Israel sollte wesentlicher Bestandteil christlich-jüdischer Kultur sein,freiheitlich,friedlich,demokratisch,selbstbewusst und freundschaftlich miteinander!

  7. „Wir müssen uns klar zum jüdischen Leben als fester Bestandteil Deutschlands und Europas bekennen.“

    Mehr noch, die jüdische Kultur dürfte uns massgeblich POSITIV mit gestaltet haben. Die Tatsache das JEDER die Thora auslegen darf, stand unserem festgefügtem Katechismus-Verstädnis diametral entgegen. Während wir noch folgsam GLAUBTEN, Hinterfragen gar Ketzerei war – disputierten die Juden völlig unbeschwert. Das schafft freie und selbstständige und wahrscheinlich klügere Mitmenschen. Denn wenn These und Antithese frei und offen aufeinanderprallen dürfen, muss man seine Argumente gründlicher durchdenken, als wenn man sie FESTSCHREIBT… Die Thora-Auslegung dürfte folglich Hirn-Jogging als integraler Kulturbestandteil darstellen und der Grund für prozentual besonders häufig zu findenden Juden unter Nobelpreisträgern, Patenthaltern, Weltkulturerbe… sein.

  8. Wie Recht sie haben Herr Berger – ich als ehemaliger Bewohner des Ostteils Deutschlands habe schon vor langer Zeit immer wieder gemahnt, dass die Demokratie in eine Digtatur umgebaut werden soll. Das Ergebnis ein müdes Lächeln oder immer wieder der Vorwurf der Ossi hätte von Demokratie keine Ahnung 😡 spätestens seit 2015 müsste man meinen, die Gefahr wäre erkannt, aber weit gefehlt, seit 2015 ist es wieder „in“ geworden zu diffamieren mit wem eigentlich? Das erleben wir Tag Täglich – B90/ die Grünen, SPD, Linken, auch die FPD und leider auch der CDU, die durch die BK einen harten Kurs Richtung Links genommen hat. Mit der AfD wurde eine Partei gegründet, die wohl einiges abmildern, oder entschärfen kann, aber durch das ewige Bashing, die Querelen innerhalb der Partei sind sie weit entfernt von Regieren.
    Der 9. November ist im Moment noch geschichtsträchtig, aber ich ahne, dass dies nur noch kurz und dann für längere Zeit vorbei sein wird. Es wird alles dafür getan, dass Deutschland unter der immensen Last zusammen brechen wird und jeglicher Widerstand max. im Untergrund formiert werden kann.

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