Für einen authentischen Begriff von „Volk“ ist das Bewusstsein um ein höchstes Wesen und die Gottebenbildlichkeit jedes Menschen von fundamentaler Bedeutung. Ein Gastbeitrag von Frank Jordan

Es ist wieder viel vom „Volk“ die Rede. Bei den Leuten ebenso, wie bei Politikern. Bei Letzteren, so ist zu vermuten, ist die Verwendung dieses oder ähnlicher Begriffe Masche. Ein schönes Beispiel für die Behauptung liefert Emmanuel Macron.

„Überall in der Welt tritt die tiefe Identität der Völker wieder zutage. Das ist eine Tatsache. Diejenigen, die an das Aufkommen eines globalisierten von der Geschichte befreiten Volkes glaubten, haben sich zutiefst geirrt. Überall auf der Welt besinnen sich die Völker auf ihre Grundsubstanz, und zwar von Indien nach Ungarn, über Griechenland in die Vereinigten Staaten. (…) Das ist eine gute Sache. Das glaube ich.“ So sprach der französische Präsident zu seinem „Volk“. Keine 36 Stunden später vor dänischen Studenten dann: „Der echte Däne existiert nicht. Er ist bereits Europäer. Sogar seine Sprache ist eigentlich nicht das Dänische, sonder die europäische Sprache. Dasselbe gilt für die Franzosen.“

„Volk“ als Merketing-Instrument?

Die Annahme ist nicht abwegig, dass der Begriff „Volk“, wird er von einem Politiker genutzt oder von jemandem, der es werden möchte, bloss ein Marketing-Instrument  ist, das sorgfältig und präzise auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt wird. Mehr nicht. Wer etwas anderes glauben möchte, dem sei es belassen. Es bleibt Glaube. Frommer Wunsch.

Was ist nun mit den Leuten? Auch hier ist wieder vermehrt vom Volk die Rede. Was ist gemeint damit? Wonach sehnt man sich, was will man, wenn man das „Volk“ heraufbeschwört? Ist das Staatsvolk gemeint oder die Gemeinschaft? Die Gesamtheit der Individuen im Rahmen gemeinsamer Grenzen und gemeinsamen Rechts, wo Zugehörigkeit zu Ethnien und Gruppen keine Rolle spielen? Oder ist der historisch gewachsene und zusammengeschweißte „Haufen“ von Verbundenheiten, Verwandtschaften und Beziehungen gemeint, zu dem man ebenso gehört, wie er auch einem selbst gehört?

Transformation des Staatsvolks in ein Wohlfahrts-Staatsvolk

Ersteres ist im Grunde und vereinfacht gesagt eine rein technische Angelegenheit. Im Prinzip wäre es ein sauberer Deal: „Unsere Gesetze, unsere Grenzen – deine Möglichkeiten.“ Fertig. Mehr gibt es nicht. Weniger auch nicht. Dieser Deal gilt nicht mehr mehr, seit der Transformation des Staatsvolks in ein Wohlfahrts-Staatsvolk. Der Same zum Wohlfahrts-Welt-Volk, in das man die Völker heute zu transformieren versucht, war darin bereits enthalten. Was ist also gewünscht, sofern im Rahmen der grassierenden „Volksretorik“ das Staatsvolk gemeint ist? Der saubere Deal oder das Wohlfahrts-Staatsvolk, in dem ein grosser Teil der Individuen staatlich organisiert auf Kosten des Rests lebt? Es ist anzunehmen, dass Letzteres der Fall ist. Hier also von „Volk“ zu sprechen ist Hohn. Man ist dann bestenfalls einer Gruppe zugehörig. Wie bei den Ratten auch.

Was ist nun aber mit dem anderen Volksbegriff? Mit dem, der die zusammengeschweisste Gemeinschaft meint? Was braucht es, um ein solcher Stamm zu sein oder wieder zu werden. Und sind wir als Wohlfahrts-Staatsvölker überhaupt in der Lage dazu? Ich glaube nicht. Warum.

Volk ohne Gott?

Weil wir Gott abgeschafft haben. Den Gott der Bibel, nicht den Gott der Kirchen. Sie lachen? Darüber seien wir seit 300 Jahren hinweg, sagen Sie? Wir seien – Gott sei Dank! – befreit von der Notwendigkeit einer geistlichen Knechtschaft? Schliesslich hätten wir die Aufklärung, den Humanismus? Die Logik habe gesiegt, die göttlichen Gebote seien in besserer Form in Gesetze gegossen? Das mag alles seine Gültigkeit haben.

Aber diese Argumentation unterschlägt, dass wir durch die Abschaffung Gottes und seinen Ersatz durch die Vernunft auch das abgeschafft haben, was uns außerhalb der natürlichen Familie Grund gab und uns befähigte ein Volk im Sinn einer zusammengeschweißten Einheit zu sein: Gleichheit, Nächstenliebe, Opfer. Ohne dies, kein Volk.

Grundsätzlich gilt: Die Aufklärung war – mit gutem Grund – kirchenfeindlich. Sie war indes nie christenfeindlich. Im Gegenteil: Die Würde des Menschen, wie die Aufklärung sie versteht, hat ihre Wurzeln in der wesenhaften Ebenbildschaft des Menschen mit Gott und wäre ohne sie nicht denkbar gewesen. Dasselbe gilt für die Gleichheit des Menschen in Gott. Jeder Mensch, als Ebenbild Gottes konzipiert, hatte als Kind Gottes sowohl die gleichen Rechte von Gott, als auch, als Diener Gottes, dieselben Pflichten vor Gott. Einen weiter gefassten Gleichheitsbegriff gab es nicht. Denn er wäre unsinnig gewesen auf dieser Grundlage. Und er ist es auch heute noch und dient bloß der Maskerade einer organisierten Selbstsucht.

Würde des Menschen als Ausgangspunkt

Diese Gleichheit war die Basis, die Grundsubstanz eines „Volkes“. Das, was alles andere zusammenhielt. Es war die Grundlage der Achtung des Menschen vor dem anderen. Ungeachtet seines Wissens oder Könnens. Man achtete im anderen Gott und nicht seine Eigenschaften. Man achtete den Mensch als etwas über diesen Eigenschaften Stehendes, das ihn weit über die Kläglichkeit eines materialistischen Gleichheitsbegriffs hinaus hob. Auf dieser höheren Ebene war man Familie.

Dasselbe gilt für die Nächstenliebe, für die Opferbereitschaft, für die Demut. Wer sich in tätiger Hilfe für den anderen, besser: für den Bruder engagierte, seine Zeit, seinen Besitz oder sogar sein Leben hingab, diente Gott. Aber weder gab ihm solches das Recht, sich über den anderen zu erheben, noch wurde jener, dem geholfen wurde in die Ketten von Dankbarkeit und Schuldigkeiten gelegt. Es war selbstverständlich. Es war Familie. Man war es nicht zuerst dem anderen schuldig, zu helfen, sondern sich selbst als Kind Gottes. Also Gott. Der Mensch in diesem Verständnis war von Gott teuer erkauft und niemand erwartete, dass für die diesseitige Bruderschaft anderes gelten könnte.

Bruderschaften

Es gab und gibt auch andere Bruderschaften. Man denke wie erwähnt an die natürliche der Familie, an die Kameradschaft innerhalb militärischer Einheiten, an Sportlergemeinschaften. Gemeinsam ist ihnen allen das Höhere, das, was über den Einzelnen hinausgeht, das gemeinsame Ziel.

Im Deltaclub, in dem ich viele Jahre aktives Mitlied war, war dieses Höhere die Liebe zur Fliegerei, die Fliegerei selber. Aber wenn ich das so sage, drückt das mitnichten alles aus, was uns verband und mit großer Wahrscheinlichkeit für den Rest des Lebens verbindet. Denn auch hier ist die Grundsubstanz der Einheit teuer erkauft: Durch Verantwortung für sich und die anderen, durch Sorge um den anderen, durch Dienst am anderen: kurz durch den Willen, als Gemeinschaft zu bestehen und als Einheit zu überleben. Keinen zu verlieren. Es gibt nichts Schrecklicheres, als in der Landezone als erstes die Worte: „X ist tot“ zu hören. Natürlich bin nicht ich schlecht gestartet, sondern X. Natürlich habe nicht ich meinen Flügel nicht sauber gecheckt, sondern X. Natürlich habe nicht ich falsch reagiert.

Und trotzdem fühle ich mich mitschuldig. Weil ich im Sinn dessen, was uns verbindet, Verantwortung trage für uns als Einheit. Ich habe es oft erlebt. Und es ging jedem so. Darüber zu sprechen war ganz unnötig. Wir waren gescheitert. Aber es bedeutete auch: Wir waren noch stärker zusammengeschweißt, wir würden noch mehr acht geben, noch mehr Sorge tragen, noch mehr aufpassen. Und die Gemeinschaft wurde dadurch noch stärker. Denn es konnte jedem passieren. Und keinem wäre es in den Sinn gekommen, sich über jenen zu erheben, den es diesmal getroffen hatte. Auch hier also: Nächstenliebe, Gleichheit, Opfer. Der Unterschied: hier eine verschworene Gemeinschaft von 50 „Nasen“, dort ein Millionenvolk.

Nun kann man sagen, das sei alles gut und recht, aber auch ohne einen gemeinsamen Glauben an einen gemeinsamen Gott zu haben. Ohne das ständige Bewusstsein um die wesenshafte Ebenbildschaft meiner selbst und der anderen mit Gott.

Der Gott gegenüber verantwortliche Mensch

Vielleicht stimmt das. Aber es bleibt die Frage: Womit geht es dann. Und warum schaffen wir es nicht? Warum sind wir dieser schnatternde, pfeifende, scharrende Nagertupp und „Familie“ nur in Parolen?

Weil Wohlfahrtsstaat und Gesellschaft einvernehmlich den Gott gegenüber verantwortlichen Menschen durch das allen anderen gegenüber berechtigte Individuum ersetzt haben. Und das ist das Gegenteil von „Volk“. Es verhindert eine eingeschworene Gemeinschaft von Gleichen im Rahmen eines Höheren von Anfang an.

Denn das Höchste sind andere Menschen – jene, die das Geld verteilen. Der Staat also. Die Folge ist permanenter Kampf jedes Einzelnen um Gunst und Geld dieses Staats, beziehungsweise gegen die anderen. Dieser Kampf macht nicht nur eine Gemeinschaft als Volk unmöglich, sondern zerstört seit Jahren auch jede andere kleinere Gemeinschaft wie die natürliche Familie, Vereine und so weiter.

Wem das dient, liegt auf der Hand. Und dass die einwandernden Millionen uns in dieser Beziehung massiv überlegen sind, auch.

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Der Beitrag erschien zuerst bei : FRANK JORDAN BLOG

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