Für den engagierten Jesuitenpater Lothar Groppe gibt es in nächster Zeit einiges zu feiern: Heute  – am 30. Juli –  zum Beispiel sein Wiegenfest, denn der bekannte Publizist wird 91 Jahre alt; morgen gedenkt er seiner Priesterweihe vor genau 59 Jahren – und am 7. September kann der Geistliche sein 70-jährige Ordensjubiläum begehen. Ein Gastbeitrag von Felizitas Küble

Der hochbetagte Priester und Publizist hat noch vor zwei Jahren ein fundiertes Sachbuch veröffentlicht, das sich vor allem mit der Rettung von Juden und „nichtarischen Katholiken“ in Wien befasst. Der Titel lautet: „Kirchlicher Einsatz für Juden im Dritten Reich“.

Lothar Groppe erblickte am 30. Juli 1927 im westfälischen Münster als Sohn von Generalleutnant Theodor Groppe das Licht der Welt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Westfalen, Ostpreußen, Oberschlesien, Pommern, Hessen und Bayern. Nach Kriegseinsatz studierte er Rechtswissenschaft und trat am 7. September 1948 in die „Gesellschaft Jesu“ ein. Es folgte das Lizenziat der Philosophie, am 31. Juli 1959 (einen Tag nach seinem Geburtstag) durfte er die Priesterweihe empfangen.

P. Groppe wirkte zunächst an zwei Gymnasien des Jesuitenordens. Später war jahrzehntelang als Krankenhausseelsorger in Bad Pyrmont und als Schriftsteller tätig, zeitweise auch als Gemeindepfarrer in Österreich, als Militärseelsorger, als Dozent und Militärdekan an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg sowie als Leiter der deutschen Sektion von Radio Vatikan. Von 1973 bis 1987 hielt er zudem Vorlesungen und Seminare für die österreichischen Generalstabs-Lehrgänge.

Sohn des „Schwarzen Generals“ Lothar Groppe

Der Geistliche ist nicht nur Sohn des Widerstandskämpfers Theodor Groppe, sondern hat selber als Schuljunge von 12 Jahren deutlich gegen Hitler Stellung bezogen. Er war mehrfach „Gast“ der Gestapo, wurde  dort aber nicht zum Kaffeetrinken eingeladen, sondern zum Verhör bestellt. Nach dem Krieg wurde er von der Besatzungsmacht als „politischer Verfolgter“ anerkannt.

Sein Vater Theodor Groppe war Generalleutnant und Divisionskommandeur am Westwall. Man nannte ihn wegen seiner kernkatholischen Haltung den „Schwarzen General“. Er erhielt zahlreiche Tapferkeitsauszeichnungen, darunter den „Pour le merite“. In der Stadt Hanau, wo er einige Zeit gewirkt hatte, wurde eine Straße nach ihm benannt.

Vorfahren mutige katholische Helden im Kulturkampf

Die Tugend der Tapferkeit liegt anscheinend in der Familie Groppe. Auch der Vater des „Schwarzen Generals“ war Offizier und wurde dann Verleger. Im Kulturkampf druckte er die verbotenen Hirtenbriefe des Bischofs von Trier und wurde wegen Majestätsbeleidigung zu zwei Jahren Festung und hoher Geldstrafe verurteilt.

Weil Theodor Groppe den NS-Schergen widerstand, insbesondere SS-Reichsführer Himmler widersprach, wurde er 1942 militärisch degradiert, aus der Wehrmacht ausgestoßen und im August 1944 von der Gestapo verhaftet. Durch Flucht aus der Festung Küstrin entging er der geplanten Hinrichtung und konnte die Kriegszeit überleben.

Retter der Juden im Saarland

Der tapfere General verhinderte durch seinen Schießbefehl gegen Judenverfolger eine von der NSDAP befohlene „Volkskundgebung gegen die Juden“. Vor allem bei Juden im Saarland war er als „Retter“ bekannt und bewundert.

Bundeswehr-Generalmajor Achim Oster schrieb 1977 über Theodor Groppe: „Er hat das vorgelebt (…), was viele seiner Standesgenossen, sei es aus Schwäche, sei es aus Opportunismus, nicht vorgelebt haben. So bleibt er eine fortwährende Mahnung an eigenes Fehlverhalten und Versagen. Hätte es mehr Groppes gegeben, hätten Hitler und seine Verbrecherbande nicht solch leichtes Spiel mit dem deutschen Volk gehabt.“

Ein echter Sohn seiner großen Familie

Sein Sohn Lothar hielt sich auch selber an die geradlinige und unbeugsame Art seines Vaters. Er widerstand dem braunen ebenso wie später dem roten Zeitgeist und orientierte sich glasklar an christlichen Prinzipien und der katholischen Glaubenslehre. Seine Predigten und Vorträge waren gehaltvoll, mitreißend, präzise und bodenständig.

Der schwungvolle Pater publizierte jahrzehntelang in dutzenden Zeitungen und Zeitschriften vom „Theologischen“ über die „Junge Freiheit“ oder die „Preußische Zeitung“ bis zu „Soldat im Volk“ oder Schriften des Bundes der Vertriebenen. Seine klare katholische Ausrichtung hinderte ihn keineswegs daran, eine vernünftige Ökumene mit theologisch konservativen Protestanten zu pflegen. So schrieb er z.B. regelmäßig für die Zeitschrift „Erneuerung und Abwehr“ der Evangelischen Notgemeinschaft und hielt Reden vor bibelorientierten protestantischen Initiativen. Mit dem lutherischen Politikwissenschaftler Dr. Klaus Motschmann in Berlin war er jahrzehntelang bis zu dessen Tod befreundet. Hier ein Nachruf auf Professor Motschmann:

Bis heute steht der Geistliche im freundschaftlichen Kontakt mit evangelischen Christen. So half ihm z.B. der Unternehmensexperte und Publizist Dr. Bernd F. Pelz tatkräftig und kompetent beim Lektorat und der graphischen Erstellung seines Buches über den „Kirchlichen Einsatz für Juden im Dritten Reich“.

Mitglied des „Konservativen Büros“ von Gerhard Löwenthal

Pater Groppe SJ gehörte zu dem vom deutschen Juden Gerhard Löwenthal („ZDF-Magazin“) mitgegründeten „Konservativen Büro“ in Bielefeld.  Ähnlich wie der  –  ebenfalls NS-verfolgte  –  Löwenthal setzte sich Groppe stets für einen gesunden Patriotismus und entschieden für die deutsche Wiedervereinigung ein; zudem würdigte er die Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten und erinnerte immer wieder an ihr tragisches Schicksal, was oftmals wütende Schmähkritik von links hervorrief.

Der Geistliche stand im guten Kontakt mit Erzbischof Johannes Dyba, dem am 23. Juli 2000 plötzlich verstorbenen Oberhirten von Fulda. Im Dyba-Gedenkband „Der Löwe von Fulda“ (KOMM-MIT-Verlag) ist ein fundierter Beitrag von Pater Groppe enthalten. Darin würdigt er den unerschrockenen Bischof von Fulda sowohl als Bischof wie auch als Mensch und Mitbruder.

Ad multos anno – angefüllt mit Gottes reichem Segen!

Pater Groppe wirkte von 1982 bis 2007 als Krankenhauspfarrer in Bad Pyrmont. Einige Zeit später war er als Seelsorger an einer Mutter-Kind-Klinik in Timmendorfer Strand tätig. Seit August 2015 lebt der unbeugsame Gottesmann im Seniorenheim des Jesuitenordens in Berlin. Seine Freunde und auch ich wünschen ihm  – ad multos annos  – noch viele gute Jahre und Gottes reichen Segen!

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