Ein Gastbeitrag von Parviz Amoghli

Seit jeher begegnet der Mensch den Ameisen mit einem ganz besonderen Interesse. Kein Wunder, erscheint doch kein anderes Tier auf der Erde derart menschenähnlich wie die Formicidae: ihre Staaten sind höchst arbeitsteilig strukturiert, sie legen Straßen an, führen Kriege, betreiben Viehzucht, Ackerbau und Vorratshaltung. Gründe genug, damit sich bereits die Denker der Antike von Herodot und Aristoteles über Ovid und Vergil bis hin zu Plutarch, Sueton und Aelian voller Bewunderung über die Ameisen und ihre Staaten bzw. Völker beugten.

Albertus Magnus

Im Mittelalter war es dann unter anderem der Gelehrte und Bischof Albertus Magnus, der sich im 13. Jahrhundert mit der Ameise aus moraltheologischer Sicht befasste. Ausgangspunkt war eine Stelle im alttestamentarischen „Buch der Sprüche“ in der es heißt: „Sieh dir die Ameise an, du Fauler! Nimm dir ein Beispiel an ihr, damit du weise wirst!“ (Sprüche 6,6-8) Daraus folgerte Albertus, dass die Hymenopteren dem Menschen ein „Vorbild der Beharrlichkeit im sittlich guten Handeln, des Fleißes sowie der Vorsorge … sein“ sollten, wie der Theologe Henryk Anzulewicz schreibt.

Ameisengesellschaften als Idealrepublik

Wieder einige hundert Jahre später, glaubte der Literaturnobelpreisträger Maurice Maeterlinck in Ameisengesellschaften eine „Idealrepublik“ zu erkennen, „wie wir Menschen sie nie kennenlernen werden.“ Und in der Tat kann kein Staat effektiver und effizienter organisiert werden, als der der Ameisen.

Bei ihnen gibt es keinen Überschuss und keinen Mangel, weder an Nachwuchs noch an Arbeitskräften noch an Nahrungsmitteln; zudem existieren keine Verbrechen, keine Ungerechtigkeit und kein sozialer Unfriede, weshalb Ameisenvölker auch keine Repressionsorgane wie Polizei oder Justiz vonnöten haben; außerdem kennen die Formicidae zwar Kasten (Königinnen und Arbeiterinnen) und eine Vielzahl verschiedener Berufe (Soldatin, Gärtnerin, Hirtin, Brutpflegerin etc.) aber keine Hierarchien, stattdessen herrscht unter den 75% genetisch identischen Schwestern absolute Egalität; und schließlich liegen Aufzucht und Erziehung der Jung-Ameisen zur Gänze in der Verantwortung der Gemeinschaft. Ein Umstand, der Maeterlinck von der „Republik der Mütter“, gar vom „heldischen Matriachat“ jubeln lässt.

Tyrannen und Despoten

Als dann die totalitären Massenideologien des 20. Jahrhunderts Gestalt annahmen, begannen sich Tyrannen und Despoten für die Ameisengesellschaften zu interessieren. Die Gründe liegen auf der Hand: scheinbar radikales Führerprinzip, extremer Kollektivismus, vollendete Konformität nach außen wie nach innen sowie bedingungslose Aggressivität und (Selbst-) Opferbereitschaft gegenüber Gemeinschaftsfremden. Ameisenhafte Perfektion galt nicht länger als unerreichbares, sondern stellte nun ein anzustrebendes Ziel dar. Das Volk als Superorganismus – so lautete die Parole. Am deutlichsten wird das bei Mao Tse-tung, dessen Roten Garden mit Beginn der Kulturrevolution 1965 sechshundert Millionen Chinesen in blaue Einheitsuniformen zwangen. Die so genannte „Blauen Ameisen“ prägten von da an für mehr als ein Jahrzehnt Chinas Bild im Ausland.

Wenig überraschend traf der Mao-Look bei den damals entstehenden westeuropäischen Protestbewegungen auf überaus positive Resonanz. Bekanntlich kam dem roten Kaiser im Kampf der westeuropäischen Jugend gegen das kapitalistische Böse die Rolle eines Politheiligen zu. Seine kleine Schrift „Worte des Vorsitzenden Mao“, oder kurz: „Das kleine Rote Buch“, wurde als Heiliges Buch, als „Mao-Bibel“ verehrt.

Ameisenkleid im Boutiquenschaufenster

Somit gehörte es quasi zum guten Ton unter den aufbegehrenden Künstlern, Studenten und Intellektuellen sich ihrem Meister auch optisch zu unterwerfen. Weshalb es nicht lange dauerte bis das Ameisenkleid die Boutiquenschaufenster in Paris, London und natürlich West-Berlin zierte. Wen interessierten da schon das Leid und der Tod von Millionen chinesischer Bauern, die sich damit verbanden? Die stilbewussten Revoluzzer im Mao-Rock sicher nicht.

Diese Zeiten sind inzwischen vorbei. Zumindest, was die Mode angeht. Sowohl in China wie in der Berliner Republik ist der Mao-Look nicht mehr en vogue. Statt auf ameisenhafte Einheitlichkeit legt man aktuell eher Wert darauf, seiner Umwelt mittels Kleidung eine möglichst individuelle Persönlichkeit und Identität zu präsentieren. Was allerdings die Geisteshaltung angeht, ergibt sich ein durchaus anderes Bild. Und das sollte bedenklich stimmen, endet doch jeder Versuch zur Verameisung einer Gesellschaft in totalitärer Herrschaft. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb macht es den Eindruck, als hätte sich im Juste Milieu die Idee von einem Gemeinwesen, geformt nach dem Vorbild der Formicidae, über die Zeiten hinweg erhalten. Nur, dass es sich nicht mehr um Blaue, sondern um Bunte Ameisen handelt.

Knausrig, engherzig, kleinbürgerlich, völkisch, arrogant und hartleibig

Das mag zunächst wie ein Widerspruch erscheinen. Immerhin werden Ameisen gewöhnlich nicht als bunt, vulgo: multiethnisch bzw. -kulturell wahrgenommen. Stattdessen gelten sie als Inbegriff von Einheitlichkeit und Uniformität. Die Schwestern lassen sich äußerlich bestenfalls hinsichtlich ihrer Größe unterscheiden, ansonsten aber sieht ein Koloniemitglied aus wie das andere. Zwar handelt es sich dabei um ein Missverständnis – tatsächlich sind Ameisenvölker bekannt, die sich aus mehr als einem halben Dutzend verschiedenen Arten zusammensetzen, dazu später mehr – jedoch ändert das nichts an dem überaus schlechten Ruf, den die Ameise im progressiven Lager, zu dem sich ja auch buntdeutsche Regebogenelite zählt, genießt. Bestenfalls treffen ihre Staaten als funktionierende, gelenkte Anarchien auf Interesse. Ansonsten aber steht die Ameise nicht erst seit gestern im Ruch knausrig, engherzig, kleinbürgerlich, völkisch, arrogant und hartleibig zu sein.

Grund dafür ist, wie so oft bei den Vergleichen von Ameisen- und Menschenwelt, Aesops Fabel von der vorsorgenden Ameise und der singenden Grille, die heute vor allem in der Fassung von Jean de La Fontaine bekannt ist. In ihr sucht im Spätsommer die Grille ihre Nachbarin die Ameise auf und bittet diese „ihr zu leihn ein Stückchen Brot, / bis der Sommer wiederkehre. / „Hör“, sagt sie, auf Grillenehre, / vor der Ernte noch bezahl‘ / Zins ich dir und Kapital.“ Doch die Ameise, „die wie manche lieben / Leut‘ ihr Geld nicht gern verleiht“, lehnt brüsk ab. Sie „fragt‘ die Borgerin: „Zur Sommerzeit, / sag doch, was hast du da getrieben?“ / „Tag und Nacht hab‘ ich ergötzt / durch mein Singen alle Leut‘.“ / „Durch dein Singen? Sehr erfreut! Weißt du was? Dann tanze jetzt!“

Ameise als Schuldigen am Grillen-Schicksal

Überheblich wie sie ist, versagt sie der Grille also nicht nur jede Hilfe in der Not. Zudem weidet sich ihre niedrige Krämerseele an dem Leid der großartigen Künstlerin. Damit ist im links-bunten Milieu das Urteil über die Ameise gefällt. Von da ist es dann nicht mehr weit, die Ameise zur Schuldigen am Grillen-Schicksal zu erklären. Zuletzt konnte diese hypermoralische Wirklichkeitsverzerrung in der Griechenlandkrise begutachtet werden. So als der linke Ökonomen und SYRIZA Abgeordnete Costas Lapavitsas erklärte: „Deutschland ist der Problemstaat“ und den Deutschen mit ihrem angeblichen Geiz und ihrer angeblich faschistisch anmutenden Hartherzigkeit die Hauptverantwortung für die Misere nicht nur in Hellas sondern in ganz Europa zuschob. Unnötig zu erwähnen, dass diese Ungeheuerlichkeiten beim hiesigen, myrmekophoben Juste Milieu begeisterte Aufnahme fanden und nach wie vor finden.

Doch trotz aller behaupteten und demonstrierten Opposition gegenüber jeder Politik, die den Verdacht erregen könnte, zu viel Sympathie für die Ameise zu zeigen, erhärtet sich bei näherer Inaugenscheinnahme der Verdacht, dass es gerade die farbenfrohen Eliten sind, die die politische und gesellschaftliche Verameisung vorantreiben. Sicherlich nicht bewusst und absichtsvoll, sie ist eher zwangsläufige Nebenwirkung jener multikulturalistischen Erlösungsideologie, in deren Namen nicht erst seit der Flüchtlingskrise der Umbau des Landes hin zur Deutschen Demokratischen Weltrepublik vorangetrieben wird. Am Ende soll – wieder einmal – der Neue Mensch stehen, bunt und vollkommen gleich, beseelt und gelenkt vom instinktiven Wissen um das Richtige und Gute nicht nur für sich und seine Familie oder Umwelt, sondern gleich für das ganze Menschengeschlecht. Eben eine Bunte Menschenameise.

Vielschichtiger Code der „Guten“

Damit sich jene, die auf dem Weg dorthin bereits weiter vorangeschritten sind, sich also zu den Guten, den Humanisten und Menschenfreunden zählen dürfen, untereinander auch erkennen, hat sich seit einigen Jahren ein durchaus vielschichtiger Code von diversen Sprech- und Verhaltensformen etabliert, die einzig dazu dienen, die richtige, also bunte Gesinnung nachzuweisen. Wer ihn beherrscht, der gehört dazu, kann sich der Patronage und Protektion durch die bunten Eliten sicher sein. In der Hauptsache geht es dabei um die Beherrschung und korrekte Anwendung der richtigen Phraseologie. Daneben aber sorgen noch das regelmäßige Setzen von „Zeichen“ für oder gegen etwas, sowie Dinge wie Kleidungsstil, Musikgeschmack oder Ernährungsverhalten für Akzeptanz unter den hellen Deutschen.

Übertragen auf die Welt der Ameisen, lässt sich dieser bunt-deutsche Code mit dem Nestduft bzw. Koloniegeruch vergleichen. Er ist Garant für die Herrschaft des Kollektivs über das Individuum, erst durch ihn wird aus den Einzeltieren der Superorganismus Ameisenstaat. Vermutlich setzt er sich aus einer arteigenen (genetischen) sowie einer äußeren, der so genannten Lokalkomponente (Nahrung, Nistmaterial) zusammen, in jedem Fall aber ist er einzigartig und überlebenswichtig. Denn wenn sich durch ihn das Koloniemitglied eindeutig identifizieren lässt, so auch der Fremde, der Feind. Wer ist Freund, wer Feind? Die Antwort auf diese existenzielle Frage liefert der Duft. Fällt sie negativ aus, folgt der sofortige Angriff. Gemeinschaftsfremde werden gnadenlos und bis aufs Äußerste bekämpft.

In der bundesrepublikanischen Menschengesellschaft war ein Nestduft bis zum Aufkommen der Bunten Republik unbekannt. Zwar gab es schon immer den Stallgeruch, jedoch existierten viele Ställe und dementsprechend viele verschiedene Gerüche. Dass aber eine einzelne Duftmarke alle anderen dominieren und überlagern könnte, war in den demokratischen Zeiten der BRD unvorstellbar. Vor allem aber blieb in jenen Jahren der Stallgeruch in der Hauptsache auf die Öffentlichkeit beschränkt, im Privaten konnte man ihn bequem ablegen und frische Luft schnappen.

Kein Entkommen vor dem moralinsauren Mief, dem Nestduft der Bunten Republik

Das hat sich seit einigen Jahren grundlegend geändert. Inzwischen gibt es kein Entkommen vor dem abgestandenen moralinsauren Mief, der als Nestduft der Bunten Republik jeden Bereich des öffentlichen und privaten Lebens kontaminiert. Künstler, Sportler, Musiker oder sonstige Prominente, Proficlubs, Orchester oder Theater ermahnen regelmäßig ihre Fans, Besucher und Follower im Sinne des Koloniegeruchs zu denken und zu handeln; vom Dorfverein über freiwillige Feuerwehren bis hin zu Kegelclubs oder Karnevalsgilden, in keiner Vereins- oder Clubzeitschrift darf der Hinweis auf Konformität mit dem bunten Zeitgeist fehlen. Und auch Unternehmen, Global Player wie Einzelhändler, werden nicht müde, ihre Mitarbeiter zum richtigen Denken und Meinen sowie ihre Kunden mittels Presseaussendung, einer wirkungsvoll angebrachten Präambel auf der Homepage oder einem Hinweis auf der Speisekarte zum moralisch einwandfreien Handeln nach den Vorgaben des Nestdufts anzuhalten. Zwar besteht dieser anders als bei Ameisen nicht aus einem Ensemble von einheitlichen Geruchsmolekülen, sondern kommt eher als eine Mixtur aus Äußerlichkeiten, ideologischen Flatulenzen und dem billigen Aroma herrenmenschlicher Überlegenheitsgefühle daher. Allerdings erfüllt er dieselben Zwecke: die Disziplinierung des Einzelnen sowie vor allem die Freund-Feind-Erkennung.

Das führt zum Umgang mit erkannten Andersdenkenden in der Bunten Republik. Die nähere Betrachtung fördert diesbezüglich ebenfalls bedenkliche Parallelen zwischen den Formicidae und der politischen Realität zutage. Hier wie dort mobilisiert die Entdecker*in eines Fremdgeruch-Trägers – im Falle der Berliner Republik: ein so genannter Demokratie-, Staats- und Menschenfeind – unverzüglich zuerst lokale Kräfte um sich gemeinsam mit ihnen auf den Eindringling zu stürzen. Reichen die nicht aus, wird Verstärkung von außerhalb gerufen, solange bis der Feind unschädlich gemacht worden ist. In der Regel bedeutet das Tod oder Vertreibung.

Bislang geht es nur um die soziale Vernichtung von Andersdenkenden

Ganz so brutal ist geht’s in der bundesdeutschen Menschengesellschaft freilich noch nicht zu. Dort hat man es bislang nur auf die soziale Vernichtung von Andersdenkenden abgesehen, am besten in Kombination mit einer öffentlichen Selbstkritik, was nichts anderes bedeutet als öffentliche Selbstbeschmutzung. Diese war schon damals, bei den Blauen Ameisen, ein probates Mittel zur Disziplinierung von Abtrünnigen. Allerdings deutet das Plädoyer des amerikanischen Politologen Yasha Mounk im „Presseclub“ vom 08.07.2018 darauf hin, dass die bunten Meinungsführer die Gangart zu verschärfen gedenken und bereits über die Kriminalisierung und harte Bestrafung derer nachdenken, die den verordneten Nestduft ablehnen. Es wäre der nächste logische Schritt auf dem Weg zur Deutschen Demokratischen Weltrepublik.

Von ihrem Standpunkt aus betrachtet, besitzt der duftgelenkte Staat den zweifellos unschlagbaren Vorteil, dass der Koloniegeruch eine multikulturelle Gesellschaft ermöglicht. Das zumindest beweisen die so genannten „Sklavenhalter“ unter den Ameisenvölkern. Diese decken ihren Bedarf an Arbeiterinnen durch regelmäßige Kriegszüge gegen benachbarte, allerdings nicht unbedingt gattungsgleiche Kolonien. Wie schon angedeutet, setzen sich die sklavenhaltenden Ameisen Völker aus Einzeltieren verschiedener Gattungen zusammen. Dominiert werden sie gewöhnlich von einer räuberischen Art, die im Laufe ihrer Evolution elementare Fertigkeiten wie die Brutpflege verlernt haben und diese nun von geraubten Arbeiterinnen erledigen lassen. Jedoch ist die menschliche Terminologie an dieser Stelle irreführend. Die myrmekologischen Realitäten kennen natürlich weder „Sklaverei“ noch „Versklavung“. Vielmehr ist zu beobachten, dass sich die entführten Arbeiterinnen nach kurzer Zeit in den Sozialverband der Entführer einfügen und ihren Dienst verrichten als wäre nichts geschehen. Dazu gehört auch die bedingungslose Teilnahme an den Kämpfen der neuen Kolonie, selbst wenn ihnen ihre Schwestern gegenüberstehen. Verantwortlich dafür ist der neue Nestduft. Er sorgt für eine völlige Entfremdung der verschleppten Arbeiterinnen von ihrer ursprünglichen Heimatkolonie.

Wunschvorstellungen der bunten Gesellschaftsklempner

Die Ähnlichkeiten zwischen der Ameisenrealität und den gesellschaftlichen Wunschvorstellungen der bunten Gesellschaftsklempner sind erneut offensichtlich. Zwar käme niemand von ihnen auf die Idee, die Bundeswehr nach Afrika oder in den Orient zu entsenden, um dort mittels „Menschenraub“ den bunt-deutschen Bedarf an Babylieferanten, Dienstleistern, Pflegern oder Rentenzahlern zu decken. Das brauchen sie auch nicht. Es gibt andere, weniger aufwendige Möglichkeiten. Zum Beispiel die No Border und Refugees welcome Politik der polygynen Berliner Republik.

Dahinter tritt ein Menschenbild zutage, in dem ein Individuum offenbar als eine grundsätzlich bewusst- und identitätslose Kreatur erscheint, die ähnlich den geraubten Arbeiterinnen unabhängig von Heimat, Herkunft, kultureller und sozialer Prägung, jederzeit mit einem neuen, den bunten Eliten genehmen Koloniegeruch versehen werden kann. Ein paar Sprachkurse hier, ein paar Comics und Wandtafeln mit Benimmregeln da, das Ganze garniert mit einer Wohnung, Hartz IV, kostenlosem Rechtsbeistand, gratis Gesundheitsversorgung und viel fürsorglichem Zureden – und schon ist es fertig, das neue Gemeinschaftsmitglied, das seine von Kindesbeinen an erlernten und eingeübten Prinzipien und Wertvorstellungen zugunsten der, nicht selten völlig gegensätzlichen Axiome der Aufnahmegesellschaft einfach so ablegt, und fortan als einzelne Zelle im Sinne und nach Maßgabe des multikulturellen, queeren und grenzenlos toleranten Nestduftes seinen Dienst in der gelenkten bunten Anarchie verrichtet.

Wie so vieles andere, wird dabei der Umstand ignoriert, dass die geruchsbasierte Freund-Feind-Erkennung auch über Schwächen verfügt. Sie macht anfällig für Eindringlinge, die den Nestduft nachahmen bzw. sich aneignen. Bei den Formicidae sind es im günstigsten Fall Symbionten, die als Gegenleistung für Schutz und Nahrung vielerlei Dienste im Bau übernehmen, z.B. als Abfallverzehrer, Schädlingsbekämpfer oder Reinigungskraft. Im schlechtesten Fall aber sind es Räuber oder Parasiten, die entweder unbehelligt auf die Jagd gehen oder unerkannt ins Nest gelangen können.

Raubwanzen und Büschelkäfer

Ein fürs menschliche Gemüt besonders schauriges Beispiel dafür liefert die Raubwanze Acanthapsis concinnula, die es auf Feuerameisen abgesehen hat. Mit ihrem Stechrüssel injiziert sie ihrer Beute zuerst ein lähmendes Gift, dann saugt sie ihr das Blut aus. Ist das erledigt, befestigt sie den übrig gebliebenen Chitinpanzer auf ihrem Rücken, so dass sie ein Tarnmantel aus Feuerameisenkadavern schmückt, der sie für ihre nächsten Opfer quasi unsichtbar macht. Ein anderes, mit Blick auf die Berliner Republik besonders interessantes Beispiel für das Zusammenleben von Ameisen und ihren Gästen, bietet das des Büschelkäfers Lomechusa, der sich in den Nestern der Blutroten Raubameise Formica sanguinea breitmacht. Obgleich es sich dabei um einen Bruträuber handelt, wird der Büschelkäfer nicht nur von seinem Wirtsvolk geduldet und gefüttert, sondern seine Larven werden zudem noch von den Formicidae bevorzugt betreut.

Büschelkäfer (c) April Nobile / © AntWeb.org

Das geht soweit, dass die Ameisen im Ernst- bzw. Verteidigungsfall zuerst die Puppen ihrer Feinde und Drogenlieferanten in Sicherheit bringen, bevor sie sich um die eigene Nachkommenschaft kümmern. Zu verdanken hat der Büschelkäfer seine privilegierte Stellung zum einen der Imitation von Lockstoffen, wie sie der Raubameisennachwuchs trägt. Dadurch werden sie nicht nur von den Brutpflegerinnen mitversorgt, außerdem können sie sich bei Bedarf unbehelligt über die Ameisenpuppen hermachen. Zum anderen aber scheiden die Lomechusa einen Saft aus, der über eine berauschende Wirkung verfügt, nachweislich Genuss- und kein Lebensmittel ist und auf den die Arbeiterinnen ganz versessen sind. Es wird angenommen, dass die Blutrote Raubameise ihr Raubverhalten erst über ihre Drogensucht und dem daraus resultierenden Brutverlust entwickelt hat. Dass es überhaupt noch Sanguinen gibt und sie nicht inzwischen aufgrund ihrer Rauschgier ausgestorben sind, führen Wissenschaftler auf die Tatsache zurück, dass der Büschelkäfernachwuchs normalerweise das Klima in den Brutkammern des Wirtsvolkes nicht gut verträgt und zu einem erheblichen Teil vertrocknet. Geschieht das allerdings nicht, bedeutet die übermäßige Vermehrung der rausch- und todbringenden Käfer das sichere Ende einer Kolonie.

„Wir, die Weltenretter, die moralische Weltführungsmacht, haben es mal wieder allen gezeigt!“

In der Berliner Republik ist es der Rausch von der eigenen Großartigkeit, der den bunten Weltrepublikanern die Sinne vernebelt. Auslöser ist die Fähigkeit das Wort „Asyl“ halbwegs richtig auszusprechen sowie die richtige, nicht-weiße Hautfarbe. Wer das ein kann und über die andere verfügt, findet umgehend und ohne weitere Kontrolle Einlass. Dass die meisten davon in prekären Verhältnissen enden werden, oder dass sich darunter auch Extremisten, Attentäter, Kriminelle und/oder Betrüger tummeln oder solche, denen es nur um ein alimentiertes Leben auf Kosten anderer geht – das alles spielt keine Rolle. Wichtig ist nur: wir, die Weltenretter, die moralische Weltführungsmacht, haben es mal wieder allen gezeigt! Was hier seinen Ausdruck findet, hat nichts mit Humanismus oder Menschenliebe zu tun. Es ist dies nichts anderes als die üblichen Pöbeleien eines von sich selbst besoffenen deutschen Herrenmenschen, der auf seinem hohen moralischen Ross den altbekannten deutschen Sonderweg entlangstürmt. Nur diesmal in zeitgemäßem, vulgär-moralischem Gewand.

Die Selbstherrlichkeit ist dann auch der Grund dafür, warum keiner der illegal Eingewanderten gehen bzw. gegangen werden darf. Jede Verringerung ist gleichbedeutend mit Rauschabschwächung. Um das zu verhindern, hat sich inzwischen ein engmaschiges Netzwerk gebildet, dessen einzige Aufgabe darin zu bestehen scheint, jeden der Angekommenen hier zu behalten und außerdem für Nachschub zu sorgen. Dabei scheuen die bunten Eliten auch nicht davor zurück, die schon länger hier lebenden zu diskriminieren und zurückzusetzen und damit die gesellschaftliche Polarisierung und Destabilisierung zu befeuern. Von so etwas lassen sich die moralischen Herrenreitere*innen genauso wenig beeindrucken, wie von den Befürchtungen besorgter Bürger. Im Gegenteil eignen sich diese bestens als Rauschverstärker. Nichts kickt so gut, wie die Verachtung für die Untermenschen.

Vor diesem Hintergrund, ist nicht davon auszugehen, dass die bunten Machthaber in ihren Versuchen, die Gesellschaft unter den von ihnen verordneten Koloniegeruch zu zwingen, nachlassen werden. Das wachsende Unbehagen in der Bevölkerung ist ihnen nur Ansporn zu forcierter Beduftung.

Demokratisch ist das alles nicht mehr. Aber darum geht es den hell-deutschen Weltrepublikanern wohl auch nicht. Sie haben anderes im Sinn. Sie sind auf Bunte Ameisen aus.

Vom Autor ist zuletzt erschienen: „SIEGEN – oder vom Verlust der Selbstbehauptung“, Alexander Meschnig/Parviz Amoghli, Manuscriptum

***

Sie wollen Philosophia Perennis unterstützen? Mit zwei Klicks geht das hier:

PAYPAL

… oder auf Klassische Weise per Überweisung:

IBAN: DE04 3002 0900 0803 6812 81
BIC: CMCIDEDD – Kontoname: David Berger – Betreff: Spende PP