Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Sprachliche Ausdrücke werden dadurch zu Unwörtern, dass sie von Sprechern […] mit kritikwürdigen Intentionen verwendet werden, und dies im öffentlichen Kontext. (unwortdesjahres.net)

Ja, Wörter können lügen. Nicht nur Menschen, die behaupten, etwas nicht getan zu haben, damit ihr Kopf aus der Schlinge kommt. Solche Täter lügen meist in Sätzen. Raffinierteres Lügen ist die Verwendung eines einzelnen Wortes, das – im Kontext der Äußerung – Wirklichkeit verschleiert oder vorgibt. Letzteres ist besonders raffiniert, weil die Manipulation dahinter unbewusst wirkt wie ein verführerischer Geruch, dem man sich kaum entziehen kann.

„Schutzhaft“ war so ein Wort, das, für sich genommen, Gutes ahnen lassen sollte. Was gibt es gegen den „Schutz“ einer Person einzuwenden? Der Kontext wird in dem Wort selbst nicht deutlich. Ist er bekannt, verliert das Wort seine Harmlosigkeit. Schutzhaft war eine im Kontext des NS-Regimes durchgeführte, Menschenrechte und Menschenwürde missachtende Maßnahme zur Ausschaltung von politischen Gegnern.

Politiker im Laufschritt hinter Merkel werden rhetorisch geschult. Offizielle Statements sind sprachlich abgetastet nach erwünschten und unerwünschten Nebenwirkungen. Ein im politischen Kriechmodus sich befindlicher Volker Kauder, Generalsekretär von bis, wird sich hüten, spontane, politisch unglatte Ansichten (falls er solche überhaupt noch irgendwo im Unterbewussten hat) rauszuplappern.

Die Fakten sprechen dagegen. In der Tagesschau vom 6. Mai 2018 injizierte er dem Zuschauer eine anästhetische Sprach-Spritze, die Widerständler gegen Merkels Wir-müssen-die-Welt-retten-auf-Kosten-deutscher-Bürger- Politik einschläfern soll.

Nachdem die offizielle Sprachgebung in zunehmender Anbiederung an Orwells Neusprech-Erfindung die Asylanten in Flüchtende, Geflüchtete und dann in Schutzsuchende umgewandelt hat, kommt der Anbiedermann Kauder an der Kanzlerin Seite auf eine neue, geniale Idee. Die potentielle Gefahr eines politischen Unbehangens, das sich in der gegenwärtigen Zunahme an geflüchteten Problemen zum deutlichen Aufstand in Wahlen niederschlagen könnte, kontert Kauder mit einer Neutralisierung des (sowieso juristisch falschen) Begriffs Asylant. Er verwendet einen neuen Begriff für Ankömmlinge mit Grenzüberschreitungsgarantie, wenn auch ohne Aufenthaltsberechtigung, sodass rechtswidrige Zusammenhänge nicht mehr deutlich, ja sogar ausradiert werden.

Er nennt die ankommenden ‚Goldstücke’ wie sie ein Politiker Schulz so in etwa nannte,  „ Menschen, die aus ihrem Land abgereist sind und bei uns eingereist sind, ohne einen Bleibegrund zu haben“.

„ … abgereist … eingereist… ohne Bleibegrund …“

Von welcher Wirklichkeit spricht Herr Kauder?

Aber ich hatte ja vergessen, dass Herr Kauder uns anästhesieren will. Beim zu den Wolken hochwärtsstrebenden, süßen Wegschlafen in der Narkose sollte einem doch noch in letzter Sekunde klar sein: Wörter können lügen!

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