Meine Großeltern mussten sich anhören, Jesus sei ein Arier gewesen. Wir bekommen gepredigt, dass er Flüchtling war. (David Berger)

Ein Gastbeitrag von Marcus Franz

Politisch linksorientierte Menschen haben es üblicherweise nicht so mit der Kirche und dem Christentum. Wenn aber Kirchenfeste wie Weihnachten Anlass und Möglichkeiten bieten, sie für die eigenen, oft sinistren Zwecke zu instrumentalisieren oder gar den Christen aus demselben Grund die Evangelien erklären zu wollen, dann werden die üblichen Kirchenkritiker, die das restliche Jahr meist Häme gegenüber dem Christentum verbreiten, plötzlich zu Bibelspezialisten und beherrschen scheinbar die Exegese der Heiligen Schrift besser als die Theologen und Priester.

Die Familie war nicht auf der Flucht

Alle Jahre wieder wird in diversen Artikeln und Kommentaren der Mythos verbreitet, Jesus wäre ein Flüchtlingskind und seine Geburt in Bethlehem deswegen eine dramatische und gefährliche Angelegenheit gewesen. Das ist aber nach dem offiziellen und in jeder Weihnachtsmesse verlesenen Weihnachtsevangelium von Lukas  definitiv nicht wahr. Maria und Josef waren gemäß dem Evangelisten Lukas auf dem Weg zu einer von Kaiser Augustus angeordneten Volkszählung, die zur Erstellung der Steuerlisten angeordnet worden war. Die Einwohner Judäas mussten deswegen in ihre Geburtsstadt reisen, um sich dort zu melden. Maria und Josef brachen deswegen auf, fanden aber zur Zeit der Niederkunft kein freies Zimmer in den Herbergen und mussten sich mit einem Stall begnügen (was damals kein ungewöhnlicher Platz für Reisende war). Die Geburtsgeschichte aus dem Stall in Bethlehem wird trotzdem fälschlicherweise immer wieder als Flüchtlingsgeschichte dargestellt.

Eine andere Version

Freilich, der Evangelist Matthäus erzählt eine andere Version von der Geburtsnacht. Sie gilt allerdings nicht als das klassische Weihnachtsevangelium. Nach den Beschreibungen des Matthäus war der als brutale Schlächter verrufene und in ständiger Angst vor Attentaten lebende König Herodes höchst besorgt, dass laut den kursierenden Informationen ein neuer König der Juden (eben der Messias) geboren werden würde. Als er von Jesu Geburt hörte, schickte er Kundschafter aus, die bei Matthäus als „die Weisen“ bezeichnet werden. Nach der Verifizierung der Geburt ordnete Herodes die Tötung aller männlichen Kinder unter zwei Jahren an. Er wollte sichergehen, dass nirgendwo ein Erstgeborener als Messias gefeiert werden könne.

Laut Matthäus wurde Josef rechtzeitig von einem Engel gewarnt und er floh danach mit seiner Familie nach Ägypten, um sich dort vor den Häschern des Königs zu verstecken und das Leben des Kindes zu retten. Nach dem Tod des Herodes kehrten Maria und Josef wieder nach Judäa zurück. Das war also keine Flucht, die der heutigen Massenmigration in irgendeiner Weise gleichzustellen ist. Es ging damals um eine ganz konkrete persönliche Bedrohung und nicht um wirtschaftliche, kulturelle oder religiöse Motive. Die Reise von Jesus, Maria und Josef erfolgte auch bloß über die nächste Grenze. Die heutige Massenmigration erstreckt sich hingegen über Kontinente und es migrieren kaum Familien, sondern vor allem junge Männer – aus wie gesagt gänzlich anderen Motiven.

Ein Missbrauch des Evangelisten

Die Matthäus-Geschichte wird trotzdem gern von linken Zynikern als „Beweis“ dafür missbraucht, dass die Heilige Familie ein typisches Migrantenschicksal durchgemacht hätte und dass daher gerade die Christen das größte Verständnis für Flüchtlinge aller Art haben müssten. Das ist natürlich eine unlautere und anmaßende Argumentationstechnik. Christen sollten auf diese meist als Provokation gemeinten Anwürfe und Falschmeldungen nicht hereinfallen und sie gar nicht ernst nehmen. Apropos: Jeder ernstzunehmende Mensch wird anderen Menschen in echter Not und körperlicher Bedrängnis Hilfe vergönnen und selber etwas dazu beitragen, Notsituationen zu beheben oder zumindest zu lindern. Dazu braucht man keine linken Bibel-Exegeten, die das Evangelium offensichtlich noch weniger verstanden haben oder verstehen wollen als ihren Marx und ihren Engels.

Klare Worte sind notwendig

Christen müssen aber stets auch klarstellen: Die Bereitschaft zur Hilfe bedeutet nicht, dass man Migranten aller Art über tausende Kilometer nach Europa kommen lassen oder diese sogar per Jet einfliegen muss, wie dies kürzlich in Italien geschehen ist. Und Nächstenliebe heisst definitiv nicht, dass man kritiklos der Massenmigration das Wort reden und alle aufnehmen muss. Das Gegenteil ist wahr: Verantwortungsvolle Hilfe und ein vernünftiges Bewältigen der Migrationskrise kann nur in den Herkunftsregionen stattfinden. Und am allerwenigsten wird die Lösung der Krise in den von sauertöpfisch-atheistischen Besserwissern und linken Provokateuren besetzen Redaktionsstuben gelingen, aus denen zu Weihnachten regelmäßig süffisante Kommentare an die Öffentlichkeit dringen.

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Erstveröffentlichung des Textes auf dem lesenswerten Blog des Autors: The daily Franz

markus-franzZum Autor: Marcus Franz – Geboren 1963, verheiratet, 3 Kinder (2009 kam der Sohn und 2011 die Mädchen, Zwillinge), Facharzt für Innere Medizin, Additiv-Facharzt für Gastroenterologie und Onkologie, Arzt für Allgemeinmedizin, Notarztausbildung, Master of Science, Krankenhausmanagement.

Dem Autor auf Twitter folgen: https://twitter.com/MD_Franz

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Utopio
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Ich verstehe Ihre Argumentation nicht. Sie haben doch selbst geschrieben: Nach Matthäus war er auf der Flucht. Warum das nicht aus religiösen oder politischen Gründen gewesen sein soll, leuchtet mir nicht ganz ein. Bei der Warnung der „Weisen“ wird auf eine religiöse Prophezeiung angespielt, die wenn sie einträfe Herodes politische Macht ins Wanken bringen könnte. In wie fern/an welchen Stellen diese Fluchtgeschichte auf die aktuellen Fluchtgeschichten übertragen werden kann, bleibt es natürlich noch auszudiskutieren. Selbstverständlich lebte Jesus und seine Familie in einer grundlegend verschiedenen historischen, politischen, geografischen, technologischen, religiösen Kontext als die heutigen Flüchtlinge. Weder lässt sich daraus eine allgemeingültige… Mehr lesen »

Dr. Bertram Dreßler
Gast
Dr. Bertram Dreßler

Die „Weihnachtsgeschichte“ ist ein sentimentales Märchen. Es sollte eine bestimmte Funktion erfüllen : die Legitimation Jesu als Messias, wie er in den Schriften vorhergesagt wurde. Liest man die Geschichte mit wachem Verstand, kommt man zu folgendem Ergebnis : Die Römer wollten in ihren Besatzungsgebieten (Provinzen) Steuergelder eintreiben. Dabei war es für die pragmatisch denkenden Römer unerheblich, wo die Vorfahren der Steuerpflichtigen herkommen. Üblicherweise mussten die Steuerpflichtigen sich dort einfinden, wo sie ihre Besitztümer hatten. Das macht auch Sinn und so wurde es auch im gesamten römischen Reich praktiziert. Die (literarische) Verlegung der Geburt Jesu von Nazareth nach Bethlehem lässt nur… Mehr lesen »

Baldur
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Baldur

Um es genau zu definieren, die Heilige Familie wurde nicht nach Ägypten geschleust sondern sie gingen ins Exil, weil Herodes der Große, der den Tempel in Jerusalem erbaute, die Kinder in Bethlehem töten ließ. So schickte sie Gott nach Ägypten. Mt 2,13 Als sie aber weggezogen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter mit dir und fliehe nach Ägypten und bleibe dort, bis ich es dir sage; denn Herodes will das Kind suchen, um es umzubringen! Sie erhielten in Ägypten bestimmt keine komfortable Wohnung mit… Mehr lesen »

Möhrensalatexperte
Gast
Möhrensalatexperte

Seit Monaten erlebt man leider in den Kirchen selber einen Missbrauch von Messe, Liturgie und Gemeindeleben durch die „bestimmenden Größen der Liturgiekreise und Messegestalter“. Keine heilige Messe mehr ohne Flüchtlingsanbetung in irgendeiner Form. Von ganzen Messevereinnahmungen bishin zu Zwangsfürbitten. Letztens musste ich mir anhören, dass Obdachlosen, Alten und Flüchtlingen Gutes getan werde. Aha. Merken sie also langsam, dass wir das merken, dass für die eigenen, die Nächsten in unserer Gesellschaft nichts getan wird und verbinden sie also das auch noch perfide miteinander, um uns damit zum schweigen zu bringen… Im Übrigen sei hier folgendes gesagt: die „Flüchtlinge“ – bis auf… Mehr lesen »

frankenberger10
Gast

Joseph war ein älterer Mann, der aber keineswegs mittellos war. Maria offenbar sehr jung. Dazu gibt es Legenden, wie die vielen Tempelmädchen, falls sie schwanger wurden, an Männer der Zivil-Gesellschaft weiter gereicht wurden. Diese erhielten im Gegenzug Aufträge am Tempel. Dieser war ein Großbetrieb mit bis zu 10000 Menschen, die dort beschäftigt waren. Durch die vielen Opfertiere eine Art Großschlachterei. Albert Schweitzer, der berühmte Arzt, war ein intensiver „Leben-Jesu“-Forscher, der nach langen Jahren mit „leeren Händen“ da stand. Wie auch die vielen Kreuz- und Tempelritter, die Jerusalem 10 Jahre auf den Kopf stellten, tiefe Stollen gruben und alles durchsuchten! Von… Mehr lesen »

Zahal
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Zahal

Vor allen Dingen dürfte Jesus heute nicht mehr nach Bethlehem als Jude. Gerade haben wir in allen Weihnachts-Gottesdiensten gehört: „Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlecht Davids war“ (Luk 2,4). Wie kann also Bethlehem heute eine arabische Stadt sein, die von israelischem Militär abgeriegelt ist? Wie einseitig arabische und deutsche Kirchenleiter die Situation im arabisch besetzten Bethlehem sehen, wurde im Jahre 2002 deutlich, als etwa 200 schwer bewaffnete militante Araber wochenlang die Geburtskirche besetzt hielten, die Mönche… Mehr lesen »

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[…] David Berger […]

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[…] Missbrauch des Christentums: Jesus war kein Flüchtlingskind […]

Das Wahrheitsministerium
Gast
Das Wahrheitsministerium

1. Josef und Maria kehrten wieder nach Galiläa zurück, als Herodes tot war.
2. Ihnen genügte der Stall; auch erwarteten sie keine Teddybärenwerfer in Bethlehem.
3. Von Joseph ist nicht bekannt, dass er Frauen wahllos angrabschte noch dass er für sich und seine Familie in Ägypten Sonderrechte forderte oder sonstwie unanständig im Gastgeberland war.
4. Josef floh mit seiner Familie, und liess sie nicht zurück. Auch ist nicht bekannt, dass er Jesus mit „17 Jahren“ vorausschickte.

Brockenteufel
Gast
Brockenteufel

Nun, dieses „Flüchtlingsmärchen“ präsentieren und ja auch „gutgläubige“ Theologen!

Luther
Gast
Luther

Ja Bibel lesen und richtig verstehen,sie nicht zu missbrauchen,dass ist nicht so einfach! Flüchtlingsversteher gibts in allen „Kirchenclubs“ und das Christentum wurde schon oft und wird auch weiterhin missbraucht von vielen,auch von linken Atheisten.Ich halte nix von Zwangschristianisierung (man ist im Herzen Christ und wird dann danach handeln,es hat nix mit Kirche zu tun!)aber Christen haben den Auftrag zur Mission,zur Verkündigung des Evangeliums.Moslems missionieren ebenfalls,aber haben immer nur Unterjochung im Sinn,denn ein Konvertit ist und bleibt nur ein Konvertit und wird nie auf die Stufe eines richtigen Moslems kommen.

Kerstin
Gast
Kerstin

Fortbildung muss auch an Weihnachten möglich sein:

Lukas 11:46
„Er aber sprach: Und weh auch euch Schriftgelehrten! denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten, und ihr rührt sie nicht mit einem Finger an.“

Matthäus, 23
„Alle ihre Werke aber tun sie (nur), daß sie von den Leuten gesehen werden. “

Wahlweise gegenüber Politikern und Kirchenmenschen zu zitieren.

Carl Eugen
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Carl Eugen

Die Flucht nach Ägypten ist eine andere Episode als die Weihnachtsgeschichte und hat, egal wie man sie bewertet, grundsätzlich nichts damit zu tun. Und:

„Nach dem Tod des Herodes kehrten Maria und Josef wieder nach Judäa zurück.“

hier wäre im übrigen zu bemerken: Herodes starb im Jahre 4 VOR (!) Chr.

Kerstin
Gast
Kerstin

Leider dürfen sich ja die „Bibel-Spezialisten“ von der linken Seite auch noch vom Papst bestätigt fühlen.
Diese „Koalition“ Links/Kirche fing bei uns im Dorf schon 2015 an: Plötzlich lobten Lokalpolitiker von den Linken unsere Dorfkirche (in die sie noch nie einen Fuß gesetzt hatten) und diesselben Leute, die früher kleine Kinder bei der Stasi „verpfiffen“ haben, weil sie zur Christenlehre (DDR, 70ger Jahre) gingen, wollten jetzt mit der Kirche für die „Flüchtlinge“ zusammenarbeiten…..
Schmort in der Hölle, Ihr Heuchler!
(Sorry, ist ja Weihnachten, aber das musste mal gesagt werden)

Liudger Klein
Gast
Liudger Klein

selbst der franz hat ja weihnachten das evangelium umgeschrieben, in dem er behauptete, maria und josef hätten nach bethlehem fliehen müssen. irgendwie kommts mir vor als wenn der langsam dement wird!

O.L.I.T.A
Gast
O.L.I.T.A

Stimme dem „Missbrauch des Christentums“ voll zu, habe allerdings eine kleine Anmerkung – Zitat: „dann werden die üblichen Kirchenkritiker, die das restliche Jahr meist Häme gegenüber dem Christentum verbreiten, plötzlich zu Bibelspezialisten “ Jein. Hier heißt es differenzieren: Den Glauben kritisieren oder deren (vermeintliche) Vertreter ist grundsätzlich zweierlei. Jesus selbst war sozusagen „Kirchenkritiker“, der die religiösen Führer/Schriftgelehrten in der notwendigen Schärfe kritisierte. Wer die Bibel kennt, MUSS quasi zwangsläufig zum (Frei-)Kirchenkritiker werden…Ich fürchte sogar, dass (mindestens) 80% der heutigen (Frei-)Kirchenangehörigen später einmal zu hören bekommen: „..nicht Alle, die „Herr, Herr!“ sagen, werden ins Himmelreich kommen…Weicht von mir!“, siehe Matth.7,21. Zumal… Mehr lesen »

jua roa
Gast
jua roa

Was hat es mit links zu tun, wenn man der Zwangschristianisierung nicht folgt, ob wahr oder nicht wahr, ob umgeschrieben oder nicht ?? Welchen Namen trägt nochmals der Gott Rom’s? Herr Gott ??!! Was gibt dem Vatikan das Recht sich in die inneren Angelegenheiten der Länder zu mischen und seine Vasallen vorzuschicken ?? Es gibt mir sehr zu denken, wenn die eigene Kultur und die eigene Geschichte einfach weiterhin umgeschrieben wird und das noch als Wahrheit ausgibt. Alle Kriege, ob mit Waffen oder mit Gesinnungsterror werden in Rom geplant und durchgeführt. Ich werde weiterhin zu meinen Wurzeln stehen – und… Mehr lesen »