Ein Gastbeitrag von A.R. Göhring

Die 68er Revoluzzer waren zum Teil wirklich schlimme Menschen, die den Ostblock-Staatsozialismus toll fanden und den überwunden geglaubten Antisemitismus wieder belebten. Was man ihnen von konservativer Seite aus aber meist nicht nachsagte, ist ein Hang zur Unreife oder gar zum Kindischen. Im Gegenteil, der Widerspruchsgeist und das Rebellentum im Umfeld des Adenauerschen liberalkonservativen Zeitgeistes wirkten selbstbewusst und anfangs durchaus mutig.

Auch eher unsympathisch vorgetragene kritische Monologe eines Rudolf Dutschke zeugen von geistiger Selbständigkeit und eines gewissen inhaltlichen Sachverstandes. Man merkte, viele der Revoluzzer hatten ihr „Kapital“ tatsächlich von vorne bis hinten durchgelesen.

Die wilden Kinder – Wie stellt sich die revolutionäre Enkelgeneration von Rudolf Dutschke, Alice Schwarzer und Josef Martin Fischer dar?

Die 68er waren eine gebildete Anti-Establishment-Bewegung; die heutigen jungen Wilden sind zwar auch radikal, aber zeitgeistkonformer als kaum eine Generation vor ihr. Damit einher geht eine manchmal kaum zu fassende Ahnungslosigkeit und Infantilität. Das kann jeder erleben, der einmal eine linke „rebellische“ Veranstaltung wie eine Antifa-Demo oder Protestveranstaltung „gegen rechts“ besucht hat.

So musste ich 2015 erleben, wie eine Vortragsdiskussion der Genderkritikerin Birgit Kelle in einem katholischen Gemeindehaus von einem Grüppchen örtlicher studierender Genderantifa gestört wurde. Nun ja, zumindest hat man es versucht. So richtig haben sich die Mädchen und Jungs dann doch nicht getraut. Vor dem Eingang des Gebäudes haben sie zwar Schilder mit Aufschriften wie „Geschlecht abschaffen“ gestellt; aber erst, als alle Christen schon drin waren.

Während Kelles Vortrag nervten die Kinder vor allem mit ihren häufigen Toilettengängen, da sie eine Flasche mitgebrachten Bieres nach der anderen leerten.

In der Fragerunde dann erzählte ein auffallend großer und vollbärtiger Student, es gäbe keine Gene für Männlichkeit; das habe er so in seinem Biologiestudium gelernt. Danach ging er Birgit Kelle völlig zusammenhangslos mit der unvermeidlichen Nazikeule an, als er ihr vorwarf, ihr Hinweis auf die bedenkliche deutsche Demografie solle dem „Volkstod“ entgegenwirken.

Nachdem ein anwesender Historiker und ich ihm daraufhin die Leviten lasen, brachte es eine junge Frau aus der Gruppe immerhin fertig, sich für den Ausfall zu entschuldigen (der Mann/kleine Junge tat das nicht).

Die Anne, die Terry, der Jan und die Ska

Der Eindruck des Unerwachsenen wird von den Protagonisten der Genderszene auch in den Medien häufiger erweckt. Besonders auffällig ist hier die Berliner „Netzfeministin“ Anne Wizorek, die bei ihren Auftritten (z.B. bei Jauch während der Brüderle-Affäre) nicht nur geistig stets recht mädchenhaft wirkt. So ist sie nur wenig jünger als die gestandene vierfache Mutter Birgit Kelle; könnte aber fast als deren älteste Tochter durchgehen.

Selbst gewählte Politiker, meist bei den Grün*innen, sind trotz, oder vielleicht gerade wegen ihrer unkritisch-moralistischen Unbedarftheit von ihren Parteien in die Parlamente gesandt worden. Vor einiger Zeit machte ein Video der jungrünen Terry, Jan und Ska im Brüsseler Europaparlament die Runde, das eher an einen Kindergeburtstag erinnerte. Das veranlaßte sogar die heute-show des ZDF dazu, die drei Kinder mit den Teletubbies zu vergleichen:

„Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda!“

Mit der Unerwachsenheit einher geht häufig ein jugendlicher Rigorismus, der keine Zwischentöne zulässt und die Welt mit Scheuklappen betrachtet. So meinte das ehemalige Rote-Hilfe-Mitglied und ehemalige Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel einmal ernsthaft, dass einzig und allein die Marktwirtschaft an Arbeitslosigkeit ebenso sehr wie an Rassismus, Sexismus und der „Militarisierung der deutschen Außenpolitik“ schuld sei-

Während Drohsel immerhin noch jungmädchenhaft-freundlich war und sogar eine respektvolle Diskussion mit Gegnern wie Philipp Missfelder führte, benehmen sich viele ihrer Gesinnungsgenoss_Innen* wie Kleinkinder in ihrer Trotzphase, wenn ihnen etwas nicht passt. Sehen Sie sich dazu einmal dieses Video an, in dem zu sehen ist, wie hysterische linke Stud*ierende eine offizielle Podiums-Diskussion an der Universität zu Köln mit dem unliebsamen Polizeigewerkschaftler Rainer Wendt mit eingeübten Parolen zusammenkreischen.

Dazu ein Schmankerl aus den USA, wo sich seit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten eine Art oppositionelle „Himmel-Schrei-Bewegung“ etabliert hat:

Wie kommt das?

Der kopfschüttelnde erwachsene Beobachter fragt sich angesichts dieser Ereignisse, was eigentlich dazu geführt hat, dass die jungen rebellischen Linken derart verkindlichen konnten. Nun, die Antwort darauf liegt eigentlich auf der Hand: Die 68er waren eine zahlenmäßig sehr große Generation, in der sich fast zwangsläufig nach der Kriegsindex-Theorie von Gunnar Heinsohn ein revolutionärer Geist gegen die Altvorderen einstellte.

Die demografisch bedingt erheblich kleinere aktuelle junge Generation hingegen ist vergleichsweise extrem anpasserisch und plappert nur nach, was das Post-68er Establishment vorgibt.

Da die jungen Wilden in der Regel zudem aus wohlhabenden und nichtautoritären Elternhäusern kommen und so in den ersten 18 Jahren ihres Lebens behütet aufwuchsen und niemals signifikante negative oder anstrengende Erfahrungen wie Elternkonflikt, Migrantenkriminalität oder Armut machen mussten, hatten sie meist kaum die Gelegenheit, an den Widrigkeiten zu wachsen und erwachsen zu werden.

Solche überbehüteten Kinder sind natürlich wesentlich anfälliger für die Übernahme irgendwelcher vorgegebener Heilslehren und wesentlich weniger fähig, Respekt für einen Dissidenten zu entwickeln und sich selbständig eine eigene Meinung zu der komplexen Welt, in der wir leben, zu entwickeln.

Da das Leben in Westeuropa in den kommenden Jahren durch die katastrophalen Fehlentwicklungen der Merkel-Ära härter und stressiger werden wird, besteht immerhin die Aussicht, dass sich die Infantilisierung ganzer Milieus rück-entwickelt. Ein Lichtblick im Chaos.