(Bund Sankt Michael) Im Magazin „Der Spiegel“ äußerte sich der französische Schriftsteller Michel Houellebecq über die von katholischen Akteuren ausgehenden Ansätze kultureller Erneuerung in Frankreich.

Für den Autor, der in seinem dystopischen Roman „Unterwerfung“ ein satirisch zugespitztes Szenario der Islamisierung Frankreichs beschrieben hatte, ist die Hinwendung vieler Franzosen zu ihren kulturellen und religiösen Wurzeln „einer der interessantesten Momente in der jüngsten Geschichte“.

Es gibt eine bemerkenswerte Wiederkehr des Katholizismus in Frankreich. Es ist ein Phänomen, das ich fühle, ohne es wirklich zu verstehen, und es ist weniger reaktionär, als vielfach behauptet wird. […] Die Demonstrationen gegen die Ehe für alle und das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare haben die Politik durch ihre Massenmobilisierung überrascht. Niemand hätte derlei für möglich gehalten. Die Katholiken in Frankreich sind sich ihrer Stärke so wieder bewusst geworden. Das war wie eine unterirdische Strömung, die plötzlich zutage trat. Für mich einer der interessantesten Momente in der jüngsten Geschichte. […] Ich neige immer dazu, die Dinge materialistisch zu erklären, was zunächst etwas platt und abstoßend wirken mag: Tatsache ist, dass gläubige Katholiken mehr Kinder in die Welt setzen. Und sie vermitteln den Kindern ihre Werte. Das heißt, ihre Zahl wird zunehmen.

Hintergrund

Houellebecq ist vor allem durch Romane bekannt geworden, in denen er kulturelle Auflösungserscheinungen in modernen Gesellschaften und deren Folgen beschreibt. Er selbst bezeichnet sich als Reaktionär und als Skeptiker des utopischen “progressivistischen Glaubens”. In seiner Dankesrede anlässlich der Auszeichnung mit dem Frank-Schirrmacher-Preis hatte er vor einem möglichen Erlöschen Europas in Folge seiner kulturellen und demographischen Schwäche gewarnt.

Das von Houellebecq erwähnte Erstarken katholischer, nach kultureller Erneuerung strebender Bewegungen in Frankreich war in jüngerer Zeit bereits Gegenstand einer größeren Debatte.

  • Der Journalist Alexandre Devecchio sieht vor allem unter jungen Franzosen zunehmenden Widerstand gegen die scheiternde Postmoderne und ihre Vorstellung einer Welt „ohne Gott, ohne Werte, ohne Prinzipien“ sowie gegen ihre pauschale Ablehnung des Eigenen. Auch die Herausforderung durch den zunehmend selbstbewußt auftretenden Islam stärke die Zuwendung zu den eigenen kulturellen Wurzeln und zur katholischen Tradition Frankreichs.
  • Die Zeitung „Le Figaro“ hatte von einer „stillen Revolution“ unter Frankreichs Katholiken berichtet. Parallel zum Erstarken religiöser Bindungen sei eine Hinwendung zu theologisch und politisch konservativem Denken sowie eine verstärkte Bereitschaft zu beobachten, für den eigenen Glauben und die eigene Kultur öffentlich einzutreten. Ein Beispiel dafür sei die Bewegung „La Manif pour tous“, die bereits 2012 mehrere hunderttausend Menschen dazu mobilisieren konnte, für den Schutz von Ehe und Familie und gegen Versuche zur Auflösung des Ehebegriffs durch die Einführung einer gleichgeschlechtlichen Zivilehe zu demonstrieren.

Der Politikwissenschaftler Samuel Gregg hatte in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die erneute Zuwendung zu den eigenen Traditionen auch eine Antwort auf die exzessive Anpassung an moderne Ideologien durch Teile der Kirchein den vergangenen Jahrzehnten sei.

Die jüngere Generation von Katholiken würde überwiegend nicht Anpassung an solche Ideologien anstreben, sondern angesichts ihrer destruktiven Begleiterscheinungen politischen Widerstand gegen sie leisten.

Dies werde von einer lebendigen Spiritualität und einer großen Vielfalt sehr aktiver geistlicher Bewegungen getragen. Die Situation in Frankreich würde sich in dieser Hinsicht positiv von der „deprimierenden Lage in Deutschland“ und anderen westeuropäischen Ländern unterscheiden. (ts)

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Der Beitrag erschien zuerst auf der äußerst empfehlenswerten Internetseite des „Bund Sankt Michael“

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Ali Isnogud
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Ali Isnogud

OT?
Wobei in mir immer die Frage nagt, können eigentlich Abtreibungsbefürworter Veganer oder auch Vegetarier sein?
Beschimpfen Abtreibungsbefürworter Soldaten auch als Mörder?
Und wenn ja, wie begründen die das?
Kennt sich da jemand aus? Gerne auch gute Menschen.

geschenkemännchen
Gast
geschenkemännchen

Interessante Entwicklung. .. wer Gott wirklich sucht, sucht also wirklich und lässt sich nicht betrügen. Die Leute hören die Stimme des Hirten auch nicht in diesem Gutmenschennazismus. In Deutschland wird allerdings eine massive Vereinnahmung der Jugend für Ideologie betrieben, z. B. in Schule und Hochschule. Lehrer, die da ausscheren, machen da keine Karriere…. Karriere machen alle, die dem System angehören und die sich damit schmücken „gegen Rechts“, was immer das sein mag durch Aktionen aller Art die einzelnen Organisationseinheiten ihrer Umgebung zu versklaven. Man wird doch heute praktisch in jeder Alltagssituation gezwungen, irgendwelche symbolhaften Äußerungen gegen die angeblich Bösen zu… Mehr lesen »

Veronika
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Veronika

Das hat auch damit zu tun, dass die katholische Kirche in Frankreich meines Wissens nicht am Geldtropf des Staates hängt, sondern nur von den Spenden der Gläubigen finanziert wird.

Werner N.
Gast
Werner N.

Der Autor vom „Bund Sankt Michael“ bringt zur katholischen „Revolution“ in Frankreich drei gegensätzliche Meinungen und überlässt dem Leser die Auswahl. Widersprochen sei hier nur dem Zitat: ..“Der Journalist Alexandre Devecchio sieht vor allem unter jungen Franzosen zunehmenden Widerstand gegen die scheiternde Postmoderne und ihre Vorstellung einer Welt `ohne Gott, ohne Werte, ohne Prinzipien` sowie gegen ihre pauschale Ablehnung des Eigenen“.. Devecchio verwechselt entweder die kranke `Moderne` mit der `Postmoderne` oder will letzter den „Schwarzen Peter“ zuschieben. Mit Logik hat er es auch nicht so. Wieso benötigt eine ..“scheiternde Postmoderne zunehmend Widerstand“..? Dass diese ..„ohne Gott, Werte und Ideale sei“,… Mehr lesen »

natassaback
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natassaback

Ich denke, wir in Westeuropa sollten uns unserer christlichen Wurzeln besinnen, so wie Jesus sie im NT erklärte. Nur dann haben wir eine Orientierung gegen den islam! Was die gottlosen AMtskirchen hier in Deutschland und leider mittlerweile auch der Papst betreiben ist ekelhaft! Unterwerfung vor den Moslems, aber die verfolgten christen weltweit sind denen egal! Ich glaube, nur wo das Christentum stark ist, egal ob katholisch, orthodox oder protestantisch, nur dann haben wir einen Halt und die Antwort gegen den Islam! Die alten Kirchenväter, ob die Päpste, Luther oder der Staatgründer der modernen Türkei, Kemal Atatürk, hatten sehr wohl die… Mehr lesen »

O.L.I.T.A
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O.L.I.T.A

Luthers Reformation war nicht progressivistisch gemeint, vielmehr als ein „back to the roots“ (=Jünger/Urgemeinden). Was später daraus gemacht wurde, ist eine andere Sache. Zwar weiß ich nicht, wie in Frankreich die katholische Kirche beschaffen ist, aber wenn ich solche Entwicklungen sehe, neige ich dazu, den Kopf in den Sand oder unters Kopfkissen stecken, um nicht mitansehen zu müssen, wie die nach Wurzeln, Werten und Hilfe suchenden Menschen in ebenjene Falle laufen, wo sie sicher nicht (mehr) finden, was sie suchen Ich habe selbt -Ebendas- suchend einige christliche Einrichtungen von innen gesehen, und habe, sich steigernd, immer mehr das absolute Gegenteil… Mehr lesen »

ppnews2017
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Hat dies auf PP-News rebloggt und kommentierte:

Marietta M.
Gast
Marietta M.

Eine ähnliche Entwicklung wie in der Kirche Frankreichs wäre in Deutschland sehr wünschenswert. Das geht aber nur von „unten“. Die deutschen Katholiken in ihrer ZDK-Organisation, biedern sich zu sehr dem Protestantismus und dem Säkularismus an. Und die deutschen Bischöfe ziehen es vor die Kruzifixe vor den Moslems zu verstecken.
Gut, daß es noch das „Forum deutscher Katholiken“ gibt.

maru v.
Gast
maru v.

Na toll, ein reaktionäres Unterdrücker-System, der Islam, provoziert eine Rückbesinnung auf das alteingesessene reaktionäre Unterdrücker-System Europas – die katholoische Kirche.
Bei soviel „Angebot“ weiß man gar nicht, wofür man sich entscheiden soll: die Pest oder doch lieber die Cholera?

Abrasax
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Abrasax

Und? Was bedeutet dieser Neu-Katholizismus? Nichts anderes als der Versuch einer Protestbewegung gegen die Aktivitäten des Rauten-Freimaurer-Packs wie Merkel und Schicklgruber. Nur – der Pontifex Maximus ist selbst ein Rautenheini, was viele seiner Aktivitäten nahe legen. Meiner Meinung hat er erstens eine recht hinterhältig Art zu regieren und zu lehren und zweitens scheint es so zu sein, daß manches was er offiziell sagt, im Hintergrund doch anders, gerade kontrovers umgesetzt wird. Was tut der Pontifex Maximus? Er präsentiert und übt seine Machtfülle voll und ganz aus. Er erledigt die Traditionalisten der katholischen Kirche. Er spinnt Netze, die es dem nächsten… Mehr lesen »

Thomas Kovacs
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Ich frage mich schon länger warum diese Kräfte in Frankreich nicht versuchen mit einer eigenen Partei zu kandidieren es müßte doch zu machen sein weine politische Bedeutung zu bekommen wenn dieses Segment wirklich so breit ist

Jana Labuhn
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Jana Labuhn

Wir werden alle abgeschlachtet.
Ein Trost. Auch diejenigen, welche dies ermöglichten.