Ein Gastbeitrag von A.R. Göhring

In den vergangenen Jahrhunderten demonstrierten die Wohlhabenden in den westlichen Ländern ihren hohen sozialen Status durch protzigen Konsum, wie etwa teure Kleidung, opulente Immobilien und sinnlose Sportkarossen. Ergänzt wurde diese Abgrenzung gegenüber den unteren Volksschichten durch bombastische Titel (der geneigte österreichische Leser kennt das heute noch) und durch formal hochwertige Bildungsabschlüsse.

In Zeiten von Massenwohlstand und Bildungsinflation sind diese Möglichkeiten der Abgrenzung vom Pöbel nicht mehr besonders effizient. Daher verlegt sich die Elite des Westens heute auf die Moralprotzerei, was im englischsprachigen Raum „Virtue signalling“ genannt wird („Tugend-Signalisierung“). Interessanterweise wird das Tugend-Geprotze umso intensiver, je höher eine Person im öffentlichen Ansehen steigt.

So ist zum Beispiel der Hollywood-Schauspieler Leonardo di Caprio dafür bekannt, mit seinem Privatjet von einer Klimakonferenz zur nächsten zu düsen. „Sherlock“ Benedict Cumberbatch setzt sich nach seinem Durchbruch als legendärer Detektiv plötzlich für Homosexuelle und Feminismus ein.

Den Vogel aber schießen „Harry Potter“-Autorin Joanne Rowling und natürlich Hollywood-Moralapostel George Clooney ab. Beide besitzen mehrere Villen („Mansions“) auf der ganzen Welt, fordern Massenaufnahme von Immigranten in den Westen, stellen ihre Riesen-Immobilien aber selbstredend nicht für Flüchtlinge zur Verfügung.

Clooney blamierte sich in diesem Zusammenhang vor einigen Wochen, als er ankündigte, Großbritannien wegen der Terrorgefahr zu verlassen (Terror von wem?), und sein Haus am Comer See zu verkaufen. Pikant: Das italienische Como liegt in der Nähe der Schweizer Grenze, weswegen sich dort die Migranten aus Afrika und Arabien sammeln

Allen „Tugenden“ der Prominenten ist dabei gemein, dass sie niemals kontrovers sind oder Nöte langweiliger Randgruppen (z.B. verfolgte Christen) thematisieren. Nein – die Showbiz-Moralapostel beweisen meist billigen Gratismut und halten sich mit ihrer Protzerei streng an die Vorgaben des Zeitgeistes und treten für Gender, Klima oder Immigranten ein, und gegen Putin, Trump oder „rechtspopulistische“ Parteien. A propos – gerade machte der Klatschmagazin-Moderator Thore Schölermann (taff, Pro7) von sich reden, weil er in der Sendung empfahl, die AfD nicht zu wählen.

Der medial erzeugte Zeitgeist billigt dies, deswegen wird Schölermann nicht wirklich etwas zu befürchten haben. Aber man stelle sich vor, er hätte zum Beispiel von der Wahl der SED-Nachfolgepartei abgeraten – die Hölle wäre ihm heiß gemacht worden.

Man könnte nun über die Moralprotzerei der Promis und ihrer weniger berühmten Gesinnungsgenossen in der Oberschicht schmunzeln, weil sie dadurch zeigen, wie gewöhnlich und menschlich sie doch sind.

Problematisch allerdings ist, dass die statusbewussten Idealisten durch ihre Protzerei Fehlentwicklungen fördern, für die nicht sie, sondern ihre eigenen Mitbürger aus der unteren Mittel- und Unterschicht zahlen müssen, und damit letztlich das gesamte demokratische und sozialstaatliche System gefährden.

Nach der milliardenschweren Geschäftemacherei mit der „Klimakatastrophe“ und dem Eintreten für Homosexuelle, das allerdings immer mehr Schwule wie David Berger für einen Missbrauch halten, hat vor allem die Immigrationskrise die Kaltblütigkeit der wohlhabenden „Idealisten“ besonders deutlich zutage treten lassen.

Als ich neulich einem christlichen Bekannten erzählte, dass durch den Familiennachzug bis zu zwei Millionen weitere syrische Immigranten nach Deutschland kommen könnten, sagte er allen Ernstes „Gott sei Dank“ und begründete dies damit, dass Eltern und ihre kleinen Kinder nun wieder zusammen leben könnten. Meinen Hinweis auf noch mehr Kriminalität, Terror, Wohnungsnot und explodierende Sozialkosten tat er mit einem Achselzucken ab. Wie konnte er das tun?

Des Rätsels Lösung: Er bekommt ein Akademiker-Gehalt und wohnt in einer sehr gut ausgestatteten Wohnung im begrünten Altbauviertel mit geringstem Ausländeranteil. An seine Mitbürger im weit entfernten Plattenbaugebiet, wo das Gros der muslimischen Immigranten untergebracht wird, dachte er nicht einen Moment.

Ich frage mich, was passieren muss, damit Idealisten wie jener Christ ihre Kaltblütigkeit verlieren und endlich beginnen, verantwortungsvoll zu denken, anstatt abstrakten selbstsüchtigen Idealen nachzuhängen.

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