Ein Gastbeitrag von Franz Deckenbrock

In ferner Zukunft wird es nicht mehr wahr sein,

dass wir heute diesen Text lesen“ .

Dieser Satz lässt sich nicht denken.

Wir werden diesen Text gelesen haben.“

Das Futurum exactum zeigt,

dass vergangene Gegenwart eine Tatsachenwahrheit bleibt.

Wenn wir den Text nicht einmal gelesen haben werden,

dann haben wir ihn auch jetzt nicht gelesen.

Wenn gegenwärtige Ereignisse

sich nicht einmal ereignet haben werden,

dann haben sie sich gar nicht ereignet.

Wer das Futurum exactum beseitigt, beseitigt die Gegenwart.

Das Gegenwärtige bleibt als Vergangenheit des Zukünftigen

immer Wirklichkeit.

Das Lesen dieses Textes bleibt eine ewige Tatsachenwahrheit.

Was sich nämlich einmal ereignet hat,

kann nie mehr ungeschehen werden.

Alle Ereignisse bleiben ewige Tatsachenwahrheiten,

zunächst aufgehoben im Gedächtnis der Menschen.

Sie bleiben auch dann ewige Tatsachenwahrheiten,

wenn die Erinnerung an sie einmal erloschen ist,

wenn es überhaupt keinen Menschen mehr gibt,

der sich erinnern könnte,

wenn die Erde nicht mehr existiert,

wenn der gesamte Kosmos im Untergang versunken ist.

Von welcher Art aber ist die Wirklichkeit des Vergangenen,

das ewige Wahrsein jeder Tatsachenwahrheit,

wenn es keine Erinnerungen an sie mehr gibt

und nichts mehr existiert ?

Jede Wahrheit steht in Relation zur Vernunft.

Deshalb ist die Wahrheit auf ein Bewusstsein angewiesen,

um Wirklichkeit zu bleiben.

Weil Wahrheiten nicht unwirklich werden können,

müssen wir ein Bewusstsein denken,

in dem alles, was geschieht, abgelegt und aufgehoben ist,

ein absolutes Bewusstsein,

das nichts anderes ist als GOTT selbst.

***

Robert Spaemann:

„Wenn es Wirklichkeit gibt, dann ist das Futurum exactum unausweichlich und mit ihm das Postulat des wirklichen Gottes. “Ich fürchte“, so schrieb Nietzsche, „wir werden Gott nicht los, weil wir noch an die Grammatik glauben“. (Friedrich Wilhelm Nietzsche: Götzen-Dämmerung – Kapitel 5) Aber wir kommen nicht umhin, an die Grammatik zu glauben. Auch Nietzsche konnte nur schreiben, was er schrieb, weil er das, was er sagen wollte, der Grammatik anvertraute“.