(David Berger) In einer feierlichen Prozession wurden heute Vormittag in Würzburg die Reliquien der Franken-Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan von der romanischen Kirche St. Burkard über den Main zum Dom der Bischofsstadt getragen. Damit erreicht die alljährliche Würzburger Kiliani-Woche ihren religiösen Höhepunkt.

Der heilige Kilian kam vermutlich im Jahr 686 n. Chr. mit seinen zwei Gefährten, Kolonat und Totnan, aus Irland nach Würzburg. Er wurde Bischof Würzburgs, predigte hier den christlichen Glauben und starb drei Jahre nach seiner Ankunft zusammen mit seinen beiden Begleitern den Märtyrertod. Wer für die Ermordnung der drei Geistlichen verantwortlich war, ist umstritten:

Eine Legende geht davon aus, dass die Hinrichtung auf Herzog Gosbert zurückgeht, andere legen sie Gailana, der Frau des fränkischen Herzogs, zur Last.Beide Legenden sind sich aber über das Motiv einig: Gailana war die Witwe des Bruder von Gosbert, den sie nach dessen Tod heiratete.

Die Heirat von Gosbert mit Gailana galt nach christlichem Kirchenrecht als Blutschande. Kilian pochte auf die christliche Ehelehre und drängte den zum Christentum übergetretenen Herzog, die „sündige Verbindung“ zu Gailana abzubrechen.

Um das zu verhindern, soll Gailana – als ihr Mann auf Reisen war – die Hinrichtung Kilians und seine Gefährden auf der Festung Marienberg organisiert haben.

Die Hymne der Franken an den heiligen Kilian, erstmals erwähnt 1625, dann von Franz Wilhelm Freiherr von Ditfurth 1855 ediert, erzählt die Legende:

Der heilge Stuhl hat dich gesandt – voll Huld zu uns ins Frankenland

Du hast erlöst uns Franken frei – vom Greuel der Abgötterei

An deiner Lehr das Licht entbrannt – das nicht erlischt im Frankenland

Den Herzog Gisbert hast bekehrt- die Fürstenstadt Würzburg gelehrt

Die sündlich Eh verboten hat – wie Sankt Johann der Täufer tat

Gailana dann den Gottesmann – aus Rache zu ermorden sann

Er hat besprengt mit seinem Blut – den ausgestreuten Samen gut

Sehr hat geliebt sein Frankenland – sein Blut gab er zum Unterpfand

in Würzburg ruht der heilge Mann – mit den Genossen lobesam

Lass dir die edlen Franken dein – von Herzen anempfohlen sein

Seit mehr als tausend Jahren gelten Kilian und seine zwei Gefährden als die Apostel der „edlen Franken“:

„Das Grab der Frankenapostel zog über die Jahrhunderte hinweg Landsleute und Pilger an. Reliquien der Heiligen ruhen im Kiliansschrein in der Kiliansgruft der Neumünsterkirche, die Häupter werden während des Jahres in einem Bergkristallschrein im Altar des Domes aufbewahrt … Während der Kilianifestwoche vom 7. bis 14. Juli sind ihre Häupter im Kiliansdom aufgestellt und Ziel tausender Menschen aus der gesamten Diözese.“ (Seite der Diözese Würzburg)

Durch sein mutiges Eintreten für die Ehelehre der Kirche hat Kilian gerade heute eine besondere Aktualität.

Ähnlich wie der vergangene Woche verstorbene Kardinal Meisner trat Kilian mutig für die unverkürzte Lehre der Kirche zum Ehesakrament ein – und musste dafür harte Konsequenzen tragen. Wer denkt da nicht auch an die Entlassung Kardinal Müllers als Präfekt der Glaubenskongregation? Die sicher auch deshalb erfolgte, weil der Papst damit rechnen musste, dass ihm Müller im Hinblick auf seine Ideen zum Kommunionempfang wiederverheirateter Geschiedener widersprechen würde.

So erzählt die Legende des Frankenapostels eine immer wieder aktuelle Geschichte, auch wenn die Protagonisten nicht mehr Gailana und Kilian heißen …

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[…] Die Diözese Würzburg hatte sich na ch dem Niedergang unter Bischof Paul Werner Scheele deutlich erholt, nachdem dort einer von Kardinal Meisners „Zöglingen“ Msgr. Hofmann, Bischof geworden war. Nun hat Papst Franziskus dessen Rücktritt angenommen und seinen Nachfolger ernannt: den Speyerer Generalvikar Franz Jung.  […]

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[…] Die Wut, die den Papst sein Anfang dieses Jahres leitet, geht vermutlich auf die Dubia zurück, die einige Kardinäle – darunter auch der im Sommer verstorbene Kölner Kardinal Meisner – dem Heiligen Vater hinsichtlich moralischer Fragen in seinem Schreiben „Amoris Laetitia“ vorgelegt haben. Dabei geht es vor allem um die Unauflöslichkeit der Ehe. […]

Veronika
Gast
Veronika

@Jens Richter: Nach altem jüdischen Recht war der Bruder des Verstorbenen nur dann verpflichtet die verwitwete Schwägerin zu heiraten, wenn sie kinderlos war- das galt als Katastrophe. Das galt übrigens nicht nur für Schwager, sondern auch für nächste Verwandte, wenn es keinen Bruder gab, obwohl die Betroffenen sich vor dieser Pflicht häufig drückten. Das Volk Israel sollte nicht aussterben. Es ist also genau umgekehrt: gab es Kinder, galten Ehen zwischen Schwagern schon im Alten Testament (Torah) als Blutschande, genauso wie zwischen Schwiegereltern und Schwiegerkindern sowie Stiefeltern und Stiefkinder. Darum verurteilt auch Johannes der Täufer Herodes, weil er die Frau seines… Mehr lesen »

Brockenteufel
Gast
Brockenteufel

Nun, ich kenn den Kilian -bin evangelisch- nur von Viktor von Scheffel:

„Die Kelter harrt des Weines;
Der Winzer Schutzherr Kilian
Beschert uns etwas Feines.“

http://www.musicanet.org/robokopp/Lieder/wohlaufd.html

Jürg Rückert
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Dubia, den Reliquienkult betreffend Ich glaubte immer, der christliche Glaube schwebte hoch erhaben über den Wassern der Götter und Götzen. Streng genommen bis Juni 2017. Eine gestohlene Reliquie des heiligen Don Bosco (Hirnsubstanz) tauchte wieder auf. Jetzt könnten die Gläubigen erneut vor dem Objekt beten, stellte der Ortsbischof erleichtert fest. ( http://kath.net/news/59953 ) Wenn ich wie Aladin an so einer Reliquie riebe, bekäme ich spirituellen Kontakt mit dem Verstorbenen? Von innerafrikanischen Kulten schweigen wir lieber, da der Schnitt zum Animismus ein totaler sein sollte, sein müsste … Ist der Reliquienkult nicht eine herbe Erblast aus dem Dunstkreis von Naturreligionen? Statt eines… Mehr lesen »

Jürg Rückert
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Die Sadduzäerfrage und Jesus: „Wenn eine Frau der Reihe nach mit allen sieben Brüdern einer Familie verheiratet gewesen wäre, aber am Ende nach ihren Ehemännern kinderlos stirbt, wessen Frau wäre sie dann nach der Auferstehung?“ Wir ersehen daraus, dass das Judentum eher ein Pflicht darin sah, die Witwe eines verstorbenen Bruders zu heiraten. Die theologische Ausbildung des Märtyrer-Bischofs scheint ähnlich defizitär gewesen zu sein, wie die des Bonifatius. Hat dieser doch gelehrt, dass alle Ungetauften in der Hölle schmorten, was den Friesenherzog Radbot veranlasste, seinen Fuß aus dem Taufbecken zu heben. Schließlich wurde Bonifatius in starrsinnigem Alter von etwa 80… Mehr lesen »

Werner Olles
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Werner Olles

Lieber Herr Richter, Sie meinen die Schwester seiner verstorbenen Frau. Natürlich darf er die heiraten, wenn er will – und sie auch – darf er auch die Tochter oder die Mutter seiner verstorbenen Frau heiraten.

Jonathan Fünfziger
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Jonathan Fünfziger

„…dass ihm Müller im Hinblick auf seine Ideen zum Kommunionempfang wiederverheirateter Geschiedener widersprechen würde.“

Anmerkung: Kardinal Müller hatte ihm bereits widersprochen z. B. im Rahmen der Familiensynode Teil 2 – 2015.

Jens Richter
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Jens Richter

Nach (altem) jüdischem Recht wäre der Bruder des Verstorbenen sogar verpflichtet, die verwitwete Schwägerin zu heiraten, damit sie nicht alleine bleibt und eventuell vorhandene Kinder einen Vater/Vormund bekommen. Darf eigentlich nach katholischem Recht ein Mann die Schwester seiner Witwe heiraten?… 🙂