… und der Unbekannte, der den diskriminierenden Aushang öffentlich machte, wird zum Täter. Ein Blick in die Abgründe funktionierender Zusammenarbeit zwischen Asylophilen, SPD und Lokalpresse von David Berger

Was macht bei uns jemand, der wegen skandalösen Sprüchen oder Handlungen in die öffentliche Kritik geraten ist? Obgleich Täter stilisiert er sich selbst zum Opfer. Wenn er sich auf der politisch richtigen Seite platziert, stehen ihm dabei auch die Nannymedien willig zur Seite.

Gelegentlich fungieren sie sogar – so gut sie eben können – als eine Art PR-Berater, der die Richtung vorgibt, in der sich nun die Täter öffentlich präsentieren sollen. Auch bei dem Skandal um den „Tafelladen“ im hessischen Nidda versucht man dies derzeit.

Nachdem PP und einige andere, unabhängige Onlinemagazine einen Aushang veröffentlicht hatten, demzufolge dort ab jetzt Asylanten immer vor denen, „die schon länger hier sind“, ihr Essen bekommen, war die Facebookseite der Institution zunächst nicht erreichbar. Auch Anfragen nach der Authentizität des Schreibens blieben unbeantwortet.

Mit der Lokalpresse hat man aber offensichtlich gesprochen. Und die titelt dann in ihrer aktuellen Ausgabe:

„Beleidigungen und Bedrohungen wegen vermeintlicher Bevorzugung von Asylberechtigten“

Also nicht der Skandal, dass es dort eine Zweiklassen-Essenausgabe bzw. einen offenen Rassismus bei der Essensausgabe gibt, erregt die Gemüter der Lokalpresse Nidda, sondern dass sich über solchen Rassismus jemand aufregt.

Der Artikel bleibt dann überdies jeden Beleg schuldig, wo, von wem und wann die Tafelmitarbeiter bedroht oder beleidigt wurden.

Interessant ist freilich, dass man die Existenz des skandalösen Schreibens mit einer gehörigen Portion Chuzpe einräumt:

„Der Niddaer Tafelladen hat seine Kunden mit dem Aushang darüber informiert, dass seit kurzem auch Mitbürger, deren Asylverfahren mit dem Anerkennungsstatus abgeschlossen ist, Lebensmittel erhalten. Um zu verhindern, dass diese Kunden Lebensmittel aus ihrer Kiste wegwerfen, die sie aus kulturellen oder persönlichen Gründen (etwa bei einer Unverträglichkeit) nicht annehmen wollen, hatte der Tafelladen eine Organisationsänderung vorgenommen: Die Asylberechtigten sollten an den Ausgabetagen vor den anderen Kunden bedient werden, um die von ihnen aussortierten Waren – etwa Wurstwaren, bestimmte Gemüsesorten oder dunkle Brotsorten – weitergeben zu können.“

Die Interpretation, dass diejenigen die später an der Reihe sind, benachteiligt würden, sei völlig bösartig, ja fremdenfeindlich. Da die Asylanten so viel aussortieren würden, würden die, die nach ihnen drankommen, sogar viel mehr als sonst üblich bekommen:

„Diese Vorgehensweise ist also keine Verschlechterung für den einzelnen Kunden, sondern kann sogar dazu führen, dass jemand mehr Waren in seiner Kiste hat – ohne dass er dafür einen höheren Beitrag leisten muss.“

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Moschee in Nidda (c) By Ceddyfresse (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons
Am meisten scheint man sich in Nidda darüber aufzuregen, dass es jemand gewagt hatte, das öffentlich aushängende Schreiben öffentlich zu machen.

Das bringt sogar einen SPD-Stadtrat des bekannten Ortes, auf dessen Internetseite ein Logo mit dem Motto „Refugees welcome“ prangt, auf die Barrikaden.

Er sei überzeugt, dass „hier bewusst eine wohlgemeinte organisatorische Regelung von Leuten mit fremdenfeindlichem Gedankengut fehlinterpretiert und für eine Schlammschlacht missbraucht wird“, lässt er – ganz dem Korrektsprech seiner Partei verpflichtet – den lokalen Anzeiger wissen.

Aber man wird sich in Nidda schon zu helfen wissen. Nicht umsonst deutet man an, dass der „Unbekannte“, der es einfach wagte, den Aushang öffentlich zu machen, bestimmt ebenfalls ein Kunde der Tafel ist.

Der Person, die nur von einem selbstverständlichen Recht in Demokratien Gebrauch machte, kann klar sein, dass sie die gesamte Machtclicque einschließlich der Presse und natürlich die Tafelladenbetreiber nun gegen sich hat.

Da wird es sicher statt „Jagdszenen aus Niederbayern“ bald „Jagdszenen aus Nidda“ heißen.

Die arme Person kann einem jetzt schon leid tun. Klar ist jedenfalls: In Nidda ist mehr faul als nur die Zustände im Tafelladen.

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-> Falls diese Person hier mit-liest, biete ich ihr gerne meine absolut diskrete, journalistische Unterstützung zur Dokumentation des weiteren Geschehens in Nidda an! (Bitte über das Kontaktformular melden!)