Gastbeitrag von Dr. Maximilan Krah

„Wenn Millionen von Menschenhassern ein Land stürmen, dessen Bewohner zu zwei Dritteln aus Selbsthassern bestehen und wenn die restliche Bevölkerung ihre Sorgen und die Angst, die angestammte Heimat und die im Laufe der Jahrhunderte liebgewonnene Kultur könnten bald verloren gehen, nicht mehr ausdrücken darf.“

So beginnt der libanesisch-stämmige deutsche Regisseur Imad Karim einen Aufruf auf seiner unlängst gesperrten Facebook-Seite. Er spricht hier beiläufig den Selbsthass der Europäer an, ein Phänomen, das kaum erörtert wird, obwohl es, davon bin ich überzeugt, der Schlüssel zu der desaströsen Politik der etablierten Parteien ist, die vor unseren Augen unser Land ruiniert. Ich habe ihm eine Videobotschaft gewidmet, um den Gedanken einem größeren Auditorium nahe zu bringen. Er verdient es, vertieft zu werden.

Ein Freund postete folgende Sequenz auf Facebook: „Erleben wir in den gegenwärtigen Zeiten eine europaweite Renaissance rechter Politik, die von den Linken in Deutschland beklatscht und begrüßt wird, selbst wenn diese antidemokratisch ist? Im Gegensatz dazu verteufeln dieselben Linken in Deutschland konservative, im Einklang mit dem Grundgesetz befindliche Politik als Rückkehr zum Nationalsozialismus. Verstehen muss man das nicht mehr.“

Doch, muss man; leider. Und der Selbsthass ist ein unverzichtbarer Schlüssel zu diesem Verständnis.

Unter der großen Mehrheit der Deutschen mit Universitätsabschluss in einem geisteswissenschaftlichen Fach herrscht der Wahn vor, das Eigene schlecht und das Fremde gut finden zu müssen.

Und dieser Wahn führt dazu, dass jeder stolze Muslim willkommen ist, weil er der verhassten homogenen deutsch-europäischen Leitkultur eine Alternative entgegenstellt, ihre Deutungshoheit zurückweist und sie damit delegitimiert, während der deutsche Traditionalist bekämpft werden muss, denn er will genau diese kulturelle Transformation verhindern.

Linke unterstützen die islamische Einwanderung nicht um der Einwanderer willen, sondern um ihres eigenen Wahns willen, die tradierte deutsche Gesellschaft zu überwinden. Ihr Gutmenschentum ist immer ich-bezogen.

Das Phänomen des kollektiven Selbsthasses ist nicht auf Deutschland begrenzt, hier aber besonders ausgeprägt. Es ist in nahezu allen westlichen Ländern zu beobachten. Ein besonders grauenhaftes Beispiel ist Schweden, das per Parlamentsbeschluss die Entscheidung getroffen hat, sich in ein multikulturelles Land zu verwandeln und sich auch von ausufernder sexueller Gewalt, entstehenden No-Go-Areas in den Großstädten und unkontrollierbaren Parallelgesellschaften der zumeist muslimischen Einwanderer von dem Wahnsinnsplan nicht abbringen lässt.

In den USA protestierten unlängst (natürlich weiße) Literaturstudenten dagegen, dass sie Shakespeare lesen sollten; schließlich sei der ein „weißer Mann“.

Fragte man in den 1950ern Katholiken nach dem Mittelalter, so bekam man stolze Antworten zu den großen Kathedralen wie in Chartres oder Toledo, Gelehrten wie Thomas von Aquin und William von Ockham oder Heiligen wie Bernhard von Clairvaux oder Theresa von Avila.

Heutige Kirchenvertreter beginnen stattdessen mit endlosen Entschuldigungen für alles, was ihnen zur Kirchengeschichte einfällt. Die deutsche Geschichte, sofern sie überhaupt noch gelehrt wird, verkommt zu einer Kriminalgeschichte; sie hat auf den Nationalsozialismus hingeführt, erreichte dann ihren Tiefpunkt, und besteht seitdem in der Erinnerung daran.

Die Vorstellung, Teil eines schuldigen Kollektivs zu sein, hat wenig mit der Realität zu tun. Sie basiert zumeist auf einer Mischung von willkürlich herausgepickten Einzeldaten und schlichter Phantasie, gepaart mit einem kollektivistischen Verständnis von Schuld.

Was diese Schuldvorstellung so anstrengend macht ist die moralische Überlegenheit, die jene, die von ihr befallen sind, deshalb für sich in Anspruch nehmen.

Der Dresdner Oberbürgermeister etwa behauptete zum Jahrestag der Zerstörung der Stadt am 13. Februar, Dresden sei „keine unschuldige Stadt“ gewesen und spuckt so posthum den Zehntausenden Opfern, zumeist Frauen und Kindern, ins Grab. Aber er wähnt sich dabei als einer der Guten. Die amerikanischen Literaturstudenten, die Shakespeare nicht lesen wollen, finden sich moralisch überlegen. Die Reformkatholiken, die keine Gelegenheit auslassen, die Kirchengeschichte schlecht zu reden, bilden sich ein, den Konservativen moralisch überlegen zu sein.

Mir ist dieser Mechanismus zuerst bei den Anhängern der Klimatheorie aufgefallen. Diese dient ja zunächst zur Selbstanklage gegen die entwickelten Länder des Westens: weil wir in Wohlstand leben, verändert sich das Weltklima.

Unser Wohlstand wird so zu etwas Schlechtem, wir sind schuld. Diejenigen, die es aussprechen, sind die Guten. Die Lösung besteht in Strafzahlungen und letztlich der Abschaffung des Wohlstandes. Andere Lösungen, etwa ein Programm zur Errichtung höherer Dämme, werden ebenso vehement abgelehnt wie jedes kritische Hinterfragen der Theorie. Wer Diagnose und Therapieplan nicht teilt, ist moralisch schlecht und nicht der Diskussion würdig.

Nicht nur der Mechanismus, auch die Personen, die nun auf der Universalschuld der Christen, Westler, Deutschen bestehen, die Strafzahlungen an jeden und alle, und letztlich die Abschaffung von Kirche, Abendland und deutscher Identität fordern, sind dieselben.

Und immer fühlen sie sich dabei als die Guten, als moralisch und intellektuell Überlegene, frei von jedem Selbstzweifel. Dabei zerstören Sie unsere Gesellschaft.

Die Frage bleibt: Wieso tun sie es? Wo kommt dieser Selbsthass her? Es gibt sicher ein Bündel an Erklärungen. Ich denke aber, dass der wesentliche Begründungsstrang in die Religion führt. Wir leben in postchristlichen Zeiten. Gott ist tot. Das religiöse Bekenntnis ist in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nicht mehr handlungsleitend.

Gleichwohl leben christliche Vorstellungen in säkularisierter Form in unserer Kultur fort. Nach christlicher wie jüdischer Vorstellung ist der Mensch schuldbehaftet. Gott hat ihn gut geschaffen, aber durch die Sünde wurde der Mensch verwundet und ist nicht länger gut. Die Schuld der Sünde trennt ihn von Gott. Durch die Beachtung des Gesetzes und den Opfertod Christus am Karfreitag kann der Mensch die Sünde überwinden und wieder zu Gott gelangen.

Das Christentum postuliert also die Schuld des Menschen und damit die Notwendigkeit einer Erlösung, die es zugleich verspricht. Ohne den Gottesglauben entfällt diese Möglichkeit der Erlösung, es bleibt nur die Schuld.

Das Gefühl der Schuld führt in den Selbsthass, der durch den Selbstmord befriedigt wird. Auch das ist ein biblisches Motiv, und zwar des Judas Iskariot. Das Neue am gegenwärtigen westlichen Selbsthass – der Begriff stammt vom Papst Benedikt XVI. – ist, dass er kollektiv und nicht individuell ist. Der Hass richtet sich nicht gegen die eigene Person, sondern die eigene kollektive Identität. In ihr sieht der Gutmensch die Quelle seines Unwohlseins.

Weil diese Identität ihn mit den tatsächlichen oder angenommenen Verbrechen der Altvorderen verbindet, muss er sie loswerden. Er bricht also bewusst mit der Tradition, was er aber nur kann, weil er ihr angehört. Er will seine eigene kollektive Identität töten, um so die von ihr ausgehende Schuldverstrickung zu kappen.

Diese Erklärung hat die Empirie auf ihrer Seite. Die Träger des Selbsthasses sind überproportional oft in christlichen Milieus sozialisiert, haben aber den eigentlichen Gottesglauben abgelegt.

Die Großkirchen, die sich spätestens mit dem aktuellen Papst Franziskus selbst-säkularisiert haben, sind Propagandisten dieses kollektiven Selbsthasses. Wer sich der Qual unterzieht, die Osterbotschaften deutscher Bischöfe zu lesen, kann es bestätigen. Es ist wie bei Hamlet:

Was man ermordet, kommt als Gespenst zurück. Der aufgegebene christliche Gottes- und Erlösungsglauben begegnet uns nun als Selbsthass.

Dementsprechend sind Kirchenferne ebenso wie konservative, gläubige Christen davon weitgehend verschont.

Der Selbsthass ist auf eine Minderheit beschränkt, aber es ist eine einflussreiche Minderheit, die zudem über die beträchtlichen Mittel der Kirchensteuer ebenso wie über die Mehrheit der geisteswissenschaftlichen Lehrstühle und der Journalistenstellen im Feuilleton verfügt. Zudem sind sie die nützlichen Idioten all jener, denen an einem schwachen Westen gelegen ist, dem radikalen Islam an erster Stelle.

Die Lösung besteht zunächst darin, den Mechanismus des kollektiven westlichen Selbsthasses offen zu benennen und seine Propagandisten mit dem Befund zu konfrontieren.

Letztlich bedarf es einer Gesundung des Christentums. Wer sich nach Erlösung sehnt, sollte sie bekommen können: im Beichtstuhl, nicht im Plenarsaal, am Redaktionstisch oder im Universitätsseminar.

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