(David Berger) Gibt es Gruppierungen, die noch gefährlicher sind als die AfD und Pegida? Nein, werden Sie vielleicht denken – aber wenn Sie unsere großen Medien sehr aufmerksam verfolgen, wissen sie:

Ja, es geht noch schlimmer, noch gefährlicher, noch verwerflicher: Die Identitären –  staatsgefährdend, „Rassisten ohne Rassismus“, eine schwer einzuschätzende, im Dunkeln wirkende und daher so gefährliche Macht.

Wer die spärlichen Berichte zu ihnen liest, der fühlt sich an Literatur aus den frühen 30er Jahren zur jüdischen Weltverschwörung oder aus katholischen vorkonziliaren Kreisen zu den Freimaurern erinnert.

Mit einer großen Reportage in mehreren Teilen in der berühmten Schweizer „Weltwoche“ legt Matthias Matussek nun zum ersten mal eine sachlich gehaltene, dem Phänomen der Identitären wirklich jenseits von Hysterie, Verschwörungstheorien und Terrorwarnungen auf den Grund gehenden Reportage vor: 

Zwei Zitate daraus:

„Jawohl, die Identitären stehen an der Front zum Gestern und seinen Traditionen, sie blicken wie Walter Benjamins «Engel der Geschichte» auf einen wachsenden Trümmerhaufen, sie sehen die Opfer, und sie haben die europäische, die abendländische Geistesgeschichte im Blick, die so rasend schnell verabschiedet und abgeworfen wird wie nutzloser Ballast. Mariam Lau über die Identitären: «Sie sind rechts und bedienen sich der Strategien der Linken.» Die Autorin bemüht sich um Gerechtigkeit, auch wenn sie von Verbindungen zur Le-Pen-Truppe gefährlich raunt, und jedes Mal, wenn sie Sellner zu Wort kommen lässt, «behauptet er», statt dass er einfach «sagt», ­etwa, dass die Identitären einen scharfen ­Trennungsstrich zu Neonazis gezogen haben: «Wer bei uns einen Judenwitz erzählt», so Sellner, «fliegt sofort raus.»

Die Aktion der vergangenen Nacht: Die Identitären haben der zwanzig Meter hohen Statue der Kaiserin Maria Theresia eine schwarze ­Burka übergestülpt, eine Verhüllungsaktion im Stile des Aktionskünstlers Christo, wie sie erklären. Der US-Sender CNN hat die Sache gefilmt. Es sind wagemutige Burschen in ihren Zwanzigern, die mit einem Baukran und Schutzwesten und Scheinwerfern in der Nacht wie offizielle Stadtangestellte auf der Statue herumturnten und ein Schild mit dem Schriftzug «Islamisierung – nein danke!» abstellten. Ma­riam Lau: «Strassentheater, Kunstblut und ­hippe Undercuts statt Springerstiefel und Glatze – die Identitären wollen nicht mit den Neonazis verwechselt werden. Auch wenn etliche aus ihren Reihen stammen. Offiziell distan­zieren sie sich von Gewalt. Sind sie gefährlich?» Innerer Leserkommentar: Wahrscheinlich, sie verstellen sich, sie «behaupten» nur.“

Und:

„Die Identitären Wiens erinnern sich. Sie sind frei. Sie wildern. Sie sprengen Schablonen auf wie Eierschalen. Sie denken selbständig, ohne Angst vor der sozialen Ächtung als «rechts», das stets das «rechtspopulistisch» oder «rechtsradikal» oder eben den schlichten «Nazi» als Schatten mitführt und mittlerweile Berufsverbote und wirtschaftliche Erpressung und Boykottaufrufe gegen Anzeigenkunden nach sich ziehen kann nach dem Motto: «Kauft nicht bei Juden.»“