(Collin McMahon/Jouwatch) Je irrelevanter die Mainstreammedien und Systemparteien durch Internetaktivisten und Bürgerjournalisten werden, je heftiger schlagen sie mit verzweifelten und unlauteren Mitteln zurück. Wer sich heute mit „falschen Meinungen“ aus dem Fenster lehnt und dabei noch eine größere Reichweite als die Meinungsmacher und Wahrheitshüter erreicht, wird gnadenlos bekämpft.

Aus Deutschland kennt man solche an den Haaren herbeigezogenen Hetzkampagnen gegen unliebsame Konservative wie Eva Herman („Autobahn“), Walter Mixa („sexueller Missbrauch“), Akif Pirinçci („KZ-Rede“), Frauke Petry („Schießbefehl“) und Alexander Gauland („Boateng“): Wo irgend möglich wird der politische Gegner nicht mit Argumenten bekämpft, sondern verleumdet, persönlich zerstört und beruflich um seine Existenz gebracht.

Diesen Monat hat es in den USA gleich zwei unrühmliche Kampagnen dieser Art gegeben – mit dem Unterschied, dass den Politeliten zunehmend die Macht über die Medien entgleitet und ihre Hexenjagden nach hinten loszugehen drohen. In diesem Fall stammen die Angriffe nicht von linken Medien, sondern – vordergründig zumindest – von Konservativen.

Am 13.2. veröffentlichte die zur Murdoch-Gruppe gehörende Wall Street Journal einen Artikel über den größten YouTube-Star  der Welt, Felix Kjellberg alias PewDiePie, der fast 54 Millionen Abonnenten hat und Lets-Plays und Anarcho-Comedy macht. Unter dem Titel „Disney trennt sich wegen antisemitischer Posts von YouTube Star PewDiePie“ „recherchierten“ drei Wall Street Journal-Reporter monatelang in den – öffentlichen – Videos des schwedischen YT-Stars und fanden dabei mehrere Clips, in denen er Witze über Nazis, Hitler oder Juden machte. Meistens waren diese Gags in einen größeren Kontext eingebunden, in dem PewDiePie zum Beispiel zeigen wollte, wie leicht es ist jemand für $5 Dollar dazu zu bringen ein skandalöses Video zu drehen oder schlicht seine Gegner und Kritiker aufziehen („triggern“) wollte.

PewDiePie ist nicht politisch, aber politisch inkorrekt: Er tritt aus Jux gerne mal mit einer Trump-Mütze auf oder fragt sich, ob sein Kanal weniger gefördert wird weil er keiner Minderheit angehört. Aber keines der vom Wall Street Journal veröffentlichten Comedy-Clips war tatsächlich Neonazistisch oder auch nur annähernd „rechts“. Alle waren ganz bewusst aus ihrem Kontext genommen, um PewDiePie zu diffamieren und als Nazi hinzustellen – eine dreiste Lüge, die umgehend für einen Aufschrei im Netz sorgte. Gegendarstellungen von PewDiePie und Freunden wie dem jüdischen Komiker Ethan Klein folgten schnell. Dennoch wurde PewDiePie von Disney und Maker Studios sowie von Google Preferred und YouTube Red fallengelassen.

Am meisten dürfte die Mainstreammedien jedoch geärgert haben, dass PewDiePie sich bewusst trotzig und unbeeindruckt zeigt – für einen 27-jährigen YouTuber, der 2016 $16 Millionen verdient hat und dessen Videos weltweit fast 15 Milliarden mal geklickt wurden vielleicht eine logische Reaktion.

Es sind die alten Medien, die Angst vor den neuen haben müssen. Als Reporter vom Wall Street Journal bei ihm anklopften und ihm die Chance zu einer „Gegendarstellung“ geben wollten, hat er sie ausgelacht und weggeschickt. Der YouTube Kanal des Wall Street Journal hat 613.149 Abonnenten.

PewDiePies Beliebtheit hat die Rufmordkampagne der Qualitätspresse keinen Abbruch getan – sein jüngstes Comedy-Video, in dem er per Videospiel durch die Zeit zurückreist um Hitler zu töten und den ganzen Shitstorm zu beenden hat an einem Tag über 3 Millionen Clicks bekommen. Allem Anschein nach wird der Anschlag auf PewDiePie für den Wall Street Journal und die Manistreammedien nach hinten losgehen und ihre Glaubwürdigkeit bei einer ganzen Generation vollends ruinieren – ob das die Absicht war?

Am US-Feiertag „Präsidententag“ am 20.2. platzte dann die zweite Bombe. Ein konservativer anti-Trump Twitter-Kanal namens The Reagan Battalion „veröffentlichte“ mehrere ältere Videos des schwulen englischen Polit-Aktivisten Milo Yiannopoulos, einem der intellektuellen Vordenker der Trump-Kampagne, in denen dieser für Pädophilie zu plädieren schien.

Yiannopoulos hatte schon immer seinen skandalösen englischen Humor und bewusst eingesetzte Tuntenhaftigkeit instrumentalisiert um politisch korrekte Gegner zu kontern. In einer Vortragsreihe an US-Universitäten während des Wahljahres 2016 nutzte er diese Unantastbarkeit – als schwuler Halbjude mit Vorliebe für schwarze Männer – um mit vielen Tabus der Linken zu brechen und z.B. den Feminismus, die Schwarzenbewegung oder den Islam haarstäubend und sehr unterhaltsam zu kritisieren.

Nun ist ihm seine provokante Art scheinbar zum Verhängnis geworden. In Interviews mit Schock-Jock Joe Rogan vom 7.7.2016 und einem Podcast namens The Drunken Peasants vom 4.1.2016  erzählte Milo von seinen ersten homosexuellen Erfahrungen im Alter von 13 mit einem Transvestiten und einem Priester namens Michael. Darin lehnte er es ab, diese ersten homosexuellen Erlebnisse zu verurteilen und lobte den Einfluss, den ältere Männer auf junge Schwule wie ihn haben können. Ausdrücklich distanzierte er sich dabei von Pädophilie und Sex mit Kindern vor ihrer Geschlechtstreife.

Diese Interviews waren lange online bekannt ehe The Reagan Battalion sie zusammenschnitt und als Pädophilenwerbung hinstellte. Der Shitstorm war jedoch riesig. Simon & Schuster kündigte Milos Buchvertrag, der konservative CPAC-Kongress lud ihn als Redner aus und schließlich musste Yiannopoulos als Redakteur bei Breitbart.com kündigen.

In einem Facebook-Post und Pressekonferenz entschuldigte er sich für die Aussagen und den Eindruck, er unterstütze Kindesmissbrauch.

Dankbar stürzten sich die Mainstreammedien auf den Anlass, den kontroversen Vorzeigeintellektuellen des Trump-Lagers ins Visier zu nehmen.

Schon bei den Antifa-Krawallen gegen Milo an der Uni Berkeley hatte CNN ihn des Hate Speech bezichtigt.

Der Bürgermeister von Berkeley und der Leutnant-Gouverneur von Kalifornien hatten ihn einen „white supremacist“ (= Nazi) genannt und die Schuld an den Aussschreitungen gegeben.

Der Vorwurf der Pädophilie zählt zu den Allerschlimmsten, die man – zumindest in der westlichen Welt – heute einem Menschen in der Öffentlichkeit machen kann. Leben und Karrieren werden so zerstört, wie im Falle des SPD-Politikers Sebastian Edathy (der aus dem Exil immer noch bestreitet, pädophil zu sein).

Doch wie bei PewDiePie scheint sich im Fall Milo die Macht im öffentlichen Diskurs zu wenden. Yiannopoulos hat fast 2 Millionen Follower auf Facebook (auf Twitter wurde er wegen angeblich rassistischer Kommentare lebenslang gesperrt), sein YouTube-Kanal hat über 500 000 Abonnenten und er unterhält seine eigene News-Website ähnlich wie sein Breitbart-Kanal.

Freunde und Kollegen posteten Videos, sowohl kritisch wie solidarisch, und verwiesen z.B. darauf, dass der Facebook-Held der Linken George Takei (Sulu aus Star Trek), ein weiterer frecher und sehr schwuler Polit-Kommentator, in einem Interview bei Howard Stern 2006 sehr ähnliche Äußerungen über seine ersten sexuellen Erlebnisse mit 13 in einem Sommerlager mit einem älteren Mann getätigt hat. Milo-Fans warfen den Medien darauf hin doppelte Standards vor.

Außerdem hatten linke Webseiten wie salon.com und slate.com jahrelang verständnisvolle Artikel über Pädophilie veröffentlicht, die nun im Zuge der Anti-Milo-Kampagne plötzlich aus dem Internet verschwanden und nur noch in Archiven zu finden waren.

DailyDot und DailyCaller drehten den Spieß um und beschuldigten das bislang unbekannte Reagan Battalion, die alles losgetreten hatten. Angeblich seien sie über Trump-Gegenkandidat und Ex-CIA Agent Evan McMullin von Demokratenaktivist Nathan Lerner und seiner „Coalition against Trump“ finanziert. Das Reagan Battalion hat dies auf Twitter dementiert. Emily C. Singer hat ein Porträt der Gruppe um den konservativen Hasiden Yossi Gestetner auf mic.com angekündigt.

Milo selber scheint keine Absicht zu hegen, sich geschlagen zu geben. An seine Facebook-Fans schrieb er am 21.2.:

„Diese Woche haben die Medien und das republikanische Politestablishment versucht ein Opfer zum Täter zu machen. Das ist krank. Aber sie haben mich nicht umgebracht, sondern nur stärker gemacht. Vielen Dank für eure Unterstützung. Ihr habt mich bei Trost gehalten. In ein paar Monaten wird das alles ein alter Hut sein. Ich melde mich bald mit einem neuen Verlag, einem neuen Medienkanal und einer neuen Tour.“

Autorin Anabel Schunke von Tichys Einblick, den Milo als „Germany’s hottest right-wing blogger“ (Schunke selbst bezeichnet sich als Liberale) gelobt hatte, sprang ihm am 21.2. auf Facebook zur Seite: „Die Kampagne gegen Milo Yiannopoulos trifft mich auf ganz persönliche Art und Weise. Sicherlich bin ich nicht in allem mit Milo einer Meinung. Speziell was seine Ansichten zum Feminismus und sein Engagement für die Pro-Life-Bewegung betrifft, gehen unsere Meinungen zumeist weit auseinander.

Und dennoch: Milo war und ist auch deswegen so eine schillernde Figur im Kampf gegen die überbordende Political Correctness, in Sachen der Islam- und Einwanderungskritik, weil er immer so unantastbar, so erhaben gegenüber jeglicher Kritik wirkte. Natürlich ist auch das Teil der Show selbst, eine Maske, die man sich ein Stück weit anlegt, um überhaupt in diesem Haifischbecken überleben zu können. Eine Maske, die wir alle ein Stück weit tragen, die aber keiner so perfektioniert hat, wie Milo, der in seiner Inszenierung als the „Dangerous Faggot“ wie kein Zweiter die vollkommene F*** You-Haltung gegenüber den Linken zelebrierte und damit auch zum Vorbild für jemanden wie mich wurde, diese Menschen nicht wichtiger zu nehmen als sie sind und ihre Kritik damit wirkungslos werden zu lassen.

Aber sie suchen so lange, bis sie etwas finden. Und nun haben sie etwas gefunden, was sich nicht so leicht abschütteln lässt. Selbst wenn es sich hierbei um eine fiese Kampagne von Links handelt, in der Zitate, Aussagen, Videoausschnitte einfach aus dem Zusammenhang gerissen und zurechtgedeutet wurden.

Milo Yiannopoulos, das hat er gestern schon schlüssig in einem kurzen Video erklärt, hat nichts aber auch gar nicht mit Pädophilie zu tun. Dies ist NICHTS ANDERES als eine Kampagne der Linken, jemanden, der derart groß ist wie Milo, gezielt mundtot zu machen und zu einer persona non grata zu erklären, der man mit einem solchen Vorwurf jegliche Existenz entziehen will.

In diesem Zusammenhang möchte ich meine ausdrückliche Solidarität gegenüber Milo aussprechen! Das, was hier gerade passiert, ist ein Skandal und der geht nicht von dir aus!

Am 22.2. ergänzte Milo: „Das waren ein paar schreckliche Tage. Aber jetzt ist es vorbei. Ich hoffe auf große Neuigkeiten Anfang nächster Woche. Diese gehörnten Establishmentbonzen haben keine Ahnung, was sie angerichtet haben.“

Was auch immer Milo und PewDiePie als nächstes machen – wir sind gespannt!

Weiterführendes zum Thema vom immer eloquenten Sargon of Akkad: #PewDiePieDidNothingWrong, The Enemy of the People, und The Weapons of Culture Warriors

Collin McMahon ist Autor („Lukas und Skotti„) und Übersetzer („Gregs Tagebuch„). Er schreibt gerade an einem Buch über Donald Trump.

⇒⇒⇒ Der Beitrag erschien zuerst auf JouWatch

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