(David Berger) Ein Neujahrsempfang ist eigentlich nicht dazu da, um soziologische Experimente durchzuführen. Man möge mir verzeihen, dass ich es trotzdem tat und dafür auch noch meinen langjährigen Lebenspartner mit einspannte. Wir waren beide von der konservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zu deren Neujahrsempfang in einem Traditionslokal am Berliner Kurfürstendamm eingeladen worden.

Ein mit uns befreundeter Journalist, der für eine eher linke Zeitung arbeitet und mit dem wir uns zuvor über den Jahresempfang unterhielten, meinte nur sarkastisch:

„Wollt ihr das wirklich beide hingehen? Die werden sicher alle begeistert sein!“

Wer mich kennt, weiß, dass mich solche von Stereotypen geprägten Vorbehalte erst richtig reizen, die Probe aufs Exempel zu machen.

Gesagt getan: pünktlich erschienen wir zum Neujahrsempfang – zu dem nicht nur die Redakteure der „Jungen Freiheit“ und deren Chefredakteur Dieter Stein erschienen waren, sondern auch fast die gesamte Führungsriege der AfD, konservative Publizisten und Prominente sowie einige Politiker aus dem konservativen Flügel der CDU.

Ob es nun die Führungsmannschaft der „Jungen Freiheit“, kämpferische Pro-Life-Aktivisten und energische Genderkritiker, eine sehr traditionell katholisch eingestellte Journalistin oder Alexander Gauland, Nicolaus Fest und die immer wieder als Homohasserin beschimpfte Beatrix von Storch waren: bei allen hatten ich die Gelegenheit, mich und meinen Partner als „meinen Mann“ vorzustellen.

Bis auf eine einzige Ausnahme – eine aus Talkshows bekannte CDU-Frau, die äußerst abweisend bis abfällig reagierte, – erlebten wir ausschließlich freundliche Blicke und offene, von Respekt getragene Reaktionen.

Bestätigt wurden diese Erfahrungen, als die offen lesbisch lebende Alice Weidel, neben Chefredakteur und Pressesprecher (Bastian Behrens) der „Jungen Freiheit“ einzige Rednerin der Veranstaltung, von den gut hundert Gästen immer wieder ausgiebigen Applaus bekam. Mein Fazit des Abends:

Die von linksgrünen Queeriban immer wieder beschworene Konservativen eigene Homophobie scheint der Vergangenheit anzugehören.

Und das ist auch gut so:

Unsere eigentlichen Feinde stehen nicht rechts, sondern sind unter jenen zu finden, die der Islamisierung und damit – neben Antisemitismus, Christenhass und Frauenfeindlichkeit – einem krassen Homohass die Grenzen geöffnet haben.

Die Freiheit hat längst die Seiten von links nach rechts gewechselt. Wenn wir die unser aller Freiheiten gefährdende, von den Linken und Grünen geförderte Islamisierung irgendwie aufhalten wollen, haben wir keine andere Wahl, als in Zukunft besonders eng mit den Konservativen zusammen zu kämpfen – egal ob oder mit wem wir danach ins Bett gehen!

Und hier gibt es das Video zum Neujahrsempfang – darin auch Statements von Alice Weidel und mir:

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truckeropa66
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Das ist eben der Unterschied. Es handelt sich eben nicht um Liebe, im klassischen Sinne, zwischen Mann und Frau und vor Gott. Homosexuelle Handlungen entspringen nicht der Liebe, sondern sind Begierden . Ja, Liebe kann Sünde sein, wenn sie ungeordnet ist. Vor Gott sind homosexuelle Handlungen Todsünden, Sünden die zum Himmel schreien. Menschen, die homosexuell empfinden, sollten ihr Kreuz mutig tragen und keusch leben, besonders auch keusch sein in den Gedanken, denn jede Sünde, beginnt in Gedanken. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass die Seele der Hölle verfällt. Mit gutem Willen und Gottes Hilfe ist dies auch zu schaffen. Jedoch,… Mehr lesen »

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[…] Quel­le: Ein Expe­ri­ment: Wie homo­phob sind die Kon­ser­va­ti­ven wirk­li­ch? – phi­lo­so­phi… […]

wreinerschoene
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Ich geben diesem Artikel ein „vollkommen recht“. Es mögen einige Konservative sein die eine, sagen wir mal, gewisse Ignoranz bzw. Schwierigkeiten mit Homosexuellen haben, aber mit Sicherheit keinen Haß, so wie er uns von links-Grünen immer auferlegt wird. Ich persönlich kenne viele Homosexuelle, selbst aus dem eignen Bekanntenkreis. Homosexuelle, und all die anderen Ausrichtungen, werden von den links-grünen Gutmenschen nur als Wählerpotential gesehen, ansonsten sind sie uninteressant bzw. eher peinlich sie zu kennen. Schwule und Lesben werden bei den Konservativen viel eher anerkannt, als sonstwo.

Ernst
Gast
Ernst

Kurz vor 1933 war Homosexualität in Deutschland auch tolerierter als danach…Solange der rechte Sumpf noch nicht an der macht ist wird gekuschelt. Danach sind schwule einfach nur noch widerlich und gehören am besten weggesperrt (oder wie ich es auch schon gehört habe geköpft). Die AFD als Beispiel wird nicht nur von toleranten Deutschen gewählt sondern zB auch von extrem konservativen Russen oder halt übereifrigen bibeltreuen Christen.

Charlotte
Gast
Charlotte

Probe aufs Exempel machen, um herauszufinden, wer nicht herausgefordert applaudiert und den dann anzuprangern, ist die feine Art nicht.
Das war auch sicher nicht der Zweck der Einladung.
Wenn ich Applaus erhalten würde (kommt nie vor aber nur mal angenommen), dann doch hoffentlich nicht nur deshalb, weil ich so mutig war, meinen Mann mitzubringen.
Man könnte doch mal froh sein, dass eine große gesellschaftliche Akzeptanz besteht, die noch in jüngerer Zeit nicht bestand. Muss man die noch herausfordern?
Was will man erreichen?

Hans Wurst
Gast
Hans Wurst

Als Konservativer ist meine Differenzierung, dass mir das private Sexleben erstmal egal ist, wenn mir der Status nicht aufgedrängt wird. Ich kann ebenso Homosexualität für einen Gendefekt halten, trotzdem ändert das nicht meinen Umgang mit den (durch lokale Besonderheit überraschend vielen) homosexuellen Bekannten. Auch bez. Lebenspartnerschaften per Gesetz in Bezug auf gegenseitige Verantwortung ist nichts einzuwenden, trotzdem bin ich gegen eine (finanziell) Gleichstellung mit der Ehe zwischen Mann und Frau, da diese für mich nach dem einfachen Arterhaltungssatz der Normalität entsprechen. Ich kann schwule Freunde zu meinen privaten Feiern einladen, mit Ihnen arbeiten und trotzdem der Meinung sein, dass Homosexualität… Mehr lesen »

thombar
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thombar

finde den unterschied, bzw schlussfolgere richtig:

david berger wird mit lebenspartner auf einem empfang von konservativen positiv empfangen.

hansi hanswurst wird mit lebenspartner von konservativen weder eingeladen noch positiv empfangen, dafür aber auf der strasse von radikalen (bitte auswahl treffen) konservativen / radikalen islamisten, christen, juden verdroschen………

kleiner tipp: wenn ein prominenter schwuler von prominenten konservativen bekuschelt wird, hat das mit der realität nicht prominenter schwuler ungefähr so viel zu tun, wie eine scheibe prager schinken mit einem misthaufen!

Carl Eugen
Gast
Carl Eugen

Leider finde ich kein Video. Wurde es entfernt? Daß liberal und Konservativ vorerst (!) zusammenpaßt, liegt m.E. daran, daß sie gegenwärtig den gleichen Feind haben, nicht indes an einer Wesensverwandtschaft. Tocqueville hat einmal sinngemäß geschrieben: Solange es gegen den Gemeinsamen Feind, das vorrevolutionäre Establishment, geht, liegen Freiheit und Gleichheit im selben Graben; sobald sie jedoch gesiegt haben, werden sie sich als nächstes in Gräben einander gegenüber liegen. Das gilt auch für die Verbindung zwischen Konservativen und Liberalen. In puncto Freihandel z.B. tun sich jetzt schon tiefe Gräben auf. Man kann privat sicher liberal und konservativ irgendwie miteinander verbinden, sobald man… Mehr lesen »

Harald Schlatter
Gast
Harald Schlatter

Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde. Diesem Kardinalfehler sind schon ganz andere aufgesessen, u.a. diverse US-Administrationen. Von daher sei Ihnen das nachgesehen, lieber David Berger. Wer indes eine belastbare Perspektive ob der Homophobie unter Rechtskonservativen gewinnen möchte, braucht mehr als Smalltalk und freundliches Händeschütteln bei einem Neujahrsempfang. Etikette können sie ja, die Konservativen. Zu diesem „mehr“ gehört ein kritischer Blick auf die Artikel zum Thema Homosexualität in der Jungen Freiheit, deren Tenor im Großen und Ganzen der Widerstand gegen weitere rechtliche Gleichstellung Homosexueller ist inkl. Ablehnung von Homoehe oder Adoptionsrecht . Könnte man dies noch unter „Beitrag zu politischer… Mehr lesen »

Frank Schirrmacher
Gast
Frank Schirrmacher

„Wollt ihr da wirklich beide hingehen? Die werden sicher alle begeistert sein.“ —> Wären Sie Ihrem Lebensgefährten auf dieser Veranstaltung an die Wäsche gegangen, hätte sich die Begeisterung sicher in Grenzen gehalten. Soll heißen: Sexualität ist Privatsache, und solange Sie sich auf einer nicht-sexuell-geprägten, öffentlichen Veranstaltung ’normal‘ benehmen, ist es doch völlig egal, mit wem Sie in Ihrer Freizeit kuscheln. Die sogenannte Phobie (wäre der Begriff zutreffend, wäre es eine Krankheit) rührt meiner Meinung daher, dass sich viele Homosexuelle, egal ob schwul oder lesbisch, aufführen wie unreife Teenager und scheinbar der Auffassung sind, ihre Sexualität jederzeit und überall (v.a. öffentlich)… Mehr lesen »

Frank Schirrmacher
Gast
Frank Schirrmacher

„Wollt ihr da wirklich beide hingehen? Die werden sicher alle begeistert sein.“ Wären Sie Ihrem Lebensgefährten auf dieser Veranstaltung an die Wäsche gegangen, hätte sich die Begeisterung sicher in Grenzen gehalten. Soll heißen: Sexualität ist Privatsache, und solange Sie sich auf einer nicht-sexuell-geprägten, öffentlichen Veranstaltung ’normal‘ benehmen, ist es doch völlig egal, mit wem Sie in Ihrer Freizeit kuscheln. Die sogenannte Phobie (wäre der Begriff zutreffend, wäre es eine Krankheit) rührt meiner Meinung daher, dass sich viele Homosexuelle, egal ob schwul oder lesbisch, aufführen wie unreife Teenager und scheinbar der Auffassung sind, ihre Sexualität jederzeit und überall (v.a. öffentlich) ausleben… Mehr lesen »

Thomas Kovacs
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Es gab so etwas ähnliches auch im 3 Reich wer sich historisch etwas auskennt weiß was ich meine

truckeropa66
Gast

Ich bin wieder mal der Meinung, das hier etwas aufgebracht wird um Altparteien zu fördern und andere in den Dreck zu treten! Einen fairen Kampf kennen diese Leute nicht! Selbst betrachte ich mich als offener Mensch in alle Richtungen, und mache dabei keine Unterschiede. Oder besser gesagt so gut wie keine Unterschiede. Das einzige was in meinen Augen nicht geht, ist das Ablehnen einer anderen Person, weil diese nicht in mein persönliches Weltbild passt. Die lesbische Frau, die prinzipiell alle Männer ablehnt, kann diese Meinung gerne vertreten, aber Sie darf dies in meinen Augen nur Privat so sehen. Sobald Sie… Mehr lesen »

Edeltraut
Gast
Edeltraut

Vernünftiger Standpunkt! Die klassischen Schubladen wie rechts – links, konservativ – progressiv – liberal u.ä. funktionieren heute sowieso nicht mehr.

Zumal sich in der gesamten westlichen Welt alles auf die Frage „Freiheit oder Islam“ zuzuspitzen scheint. Sexuelle Orientierung dürfte da das Unwichtigste von allem sein.

Es geht darum, unser aller Freiheit und Sicherheit zu erhalten bzw. wiederherzustellen und dazu gehört auch die Freiheit, selbst zu entscheiden, ob und mit wem man eine Partnerschaft eingehen will.

Jürgen Fritz
Gast

Sehr schön, lieber David. Das freut mich. Ein wunderbarer Bericht und sehr interessante Statements in dem Video. Mir dünkt, dass viele noch einem Denkfehler oder eine Fehleinschätzung anheimfallen, dass konservativ und liberal sich nicht sehr gut ergänzen würden. Dies ist meines Erachtens ein Riesenirrtum, der damit zusammenhängen könnte, dass der Freiheitsbegriff, der in der Tiefe nicht leicht zu verstehen ist, oftmals nicht richtig gedeutet und die Zusammenhänge zwischen neuzeitlichem europäischen Konservatismus und Liberalismus noch nicht klar genug gesehen werden. Solche Veranstaltungen und Berichte können hier Abhilfe schaffen. Ein wichtiger Beitrag!