„Was soll das Geklage? Ein paar Tage oder Wochen ohne Facebook wird’s doch auch mal gehen!“ hört man oft von therapeutisch gesinnten Mitmenschen in großväterlichen Tonfall, wenn man sich über eine Facebooksperre öffentlich beschwert.

Dass die Sperrpraxis eine wichtige politische Komponente hat, weil sie sich nahtlos und passend einfügt in gesinnungsdiktatorische Bestrebungen linksgrüner Politiker, entgeht diesen weniger bösartigen als schlichten Geistern offensichtlich.

Sie hat aber auch eine ganz wichtige psychische Komponente, die die Gegner von Presse- und Meinungsfreiheit ganz gezielt in die von ihnen geforderten und von den großen sozialen Netzwerken widerspruchslos durchgeführten Maßnahmen, einkalkulieren.

Die bekannte Rechtsanwältin Karoline Seibt hat sich während ihrer Facebooksperre Gedanken zu diesen Mechanismen gemacht. Sie schreibt:

„Eine Facebookabstinenz ist ja nicht weiter schlimm. Schlimm ist nur das Gefühl, dass Andere darüber bestimmen, wann Du pausierst und warum.

Meine Facebookseite ist wie ein Tagebuch, das öffentliche und private Dinge enthält.

Deshalb fühlt sich so eine Zwangssperre an, als würde Jemand ohne Deine Erlaubnis in Deine privaten Räume eindringen, Dich knebeln und auf einen Stuhl fesseln, vor Deinen Augen in Deinen Schubladen herumwühlen, Dein Parfum benutzen, sich an Deinem Kühlschrank bedienen, sich schließlich in Dein Bett legen und Dich dabei auslachen, ohne dass Du irgend etwas dagegen tun kannst.

Im Grunde geht es um Einschüchterung und psychische Demoralisierung, eine Taktik, die Versicherungen oft benutzen, wenn sie ihre Opfer durch Detektive illegal ausspionieren lassen. Das ist das eigentlich Widerliche.

Ich bin darauf gekommen, weil ich mehrfach gegen Versicherungen erfolgreich prozessiert habe, die Geschädigte ausspionieren lassen. Für die Opfer war das immer die schlimmste Situation, wenn sie erstmals im Prozess mit den Protokollen und Fotos der Detektive konfrontiert wurden.

Den Versicherungen hat das in den von mir betreuten Fällen nichts genützt. Ich denke aber, dass viele Geschädigte durch das Ausspionieren so demoralisiert werden, dass sie sich nach so einem Erlebnis mit einer viel zu niedrigen Abfindung abspeisen lassen.“

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Foto: August Müller, Der Tagebucheintrag (1856) (c) CC Wikimedia