(David Berger) „Reden wir mehr miteinander statt gegeneinander! Oder deutlicher: Auch ein homosexueller Konservativer ist ein Konservativer!“ schrieb der bekannte konservative Journalist Peter Helmes vor einigen Tagen in einem Brief an mich. Nachdem ich ihn hier veröffentlicht habe, soll auch meine Antwort in öffentlicher Form hier wiedergegeben werden:

Lieber Herr Helmes,

als Sie mir kurz vor Silvester Ihre Nachricht schickten, war ich tief gerührt. Diese Reaktion kann man vielleicht nur verstehen, wenn man meine Biographie etwas kennt. Jahrelang war ich von frühester Jugend an in konservativen, teilweise auch elitär konservativen Kreisen (wie dem Vatikan) unterwegs. Ohne dass ich dazu explizit aufgefordert worden wäre, verheimlichte ich dort meine Homosexualität.

Das war natürlich dann für mich anstrengend, wenn mich nicht nur legitime und leider oft auch berechtigte Kritik an bestimmten Formen des „Gay lifestyle“ erreichte, sondern direkter, auch der katholischen Doktrin widersprechender Hass gegen Homosexuelle.

Als man mich dann aufgrund des Wissens um meine praktizierte Homosexualität auch noch unter Druck setzte und mir bestimmte Rede- und Meinungsverbote auferlegen wollte, sah ich als einzigen Ausweg mein öffentliches Outing (2010). Ab diesem Zeitpunkt fielen von beiden Seiten – nett gesagt – nicht nur freundliche Worte.

Die großen Medien standen fast geschlossen auf meiner Seite, leckten öffentlich meine Wunden und feuerten mich immer wieder an, noch mal einen neuen Holzscheit auf das lodernde Feuer des Konflikts zu legen. Aber ich will keine Eigenverantwortung von mir schieben: ich machte dabei mit.

Dass sich dieses Verhalten der Medien komplett veränderte, als ich nicht mehr nur die Homophobie des Papstes, sondern auch den lebensgefährlichen Homohass im Islam kritisierte, muss ich vermutlich gar nicht erwähnen. 

So wurde zwischen 2010 und 2014 unglaublich viel Porzellan zerbrochen, es blieben zwar einige gute Kontakte zu alten Bekannten aus der Philosophie, Theologie und dem Klerus – aber keiner konnte mehr so recht daran glauben, dass man meinen Namen in der großen Gruppe der Konservativen und /oder konsequenten Katholiken wieder ohne Zähneknirschen hören konnte oder wollte. Bei manchen ist das bis zur Stunde so – das habe ich zu akzeptieren, Vergebung und Versöhnung kann man nur erbitten bzw. anbieten, dem Verletzten muss es aber frei gestellt sein, diese auch zu verweigern.

Und ich bitte, hier nicht mit dem Argument zu kommen: „Christen müssen doch aber …“ – dieses Argument ist so ausgelutscht und so häufig von den Falschen, die Religion für ihre Ideologie benutzen wollen, instrumentalisiert worden, dass man es außerhalb des Beichtstuhls nicht mehr verwenden sollte.

Nachdem mir meine kirchliche Lehrerlaubnis von Kardinal Meinser entzogen wurde, wechselte ich vor mehr als 4 Jahren vom katholischen Köln ins heidnische Berlin.

Sehr schnell saßen an unserem Tee- oder Dinnertisch auf den Plätzen, die früher von Bischöfen, hohen Prälaten aus dem Opus Dei oder liberalkonservativen Publizisten belegt waren, linke Politiker, schwule Filmemacher und Künstler, Chefs von Homoverlagen und altgediente Homoaktivisten.

Kein Prominenter aus der zahlenmäßig sehr kleinen, aber lautstarken Homo-Lobby Deutschlands, den ich nicht persönlich kennen gelernt habe. Sie waren vor allem sehr freundlich, nachdem ich die Chefredaktion des Homo-Magazins „Männer“ übernommen hatte, dessen Einfluss sie ebenso maßlos überschätzen wie den ihrer eigenen Vereine und Internetseiten.

Optimistisch an diese neue Aufgabe herangegangen, musste ich immer deutlich lernen, dass die Blase der Berufshomos den gesamten Vatikan und gerade die sich gerne als liberal gebenden Ortskirchen weit in den Schatten stellt, was die Bereitschaft zu Hassrede, Intoleranz und Frauenfeindlichkeit und vor allem das intransigente, fast faschistoide Pochen auf den Glaubenssätzen der „LGBT-Community“ betrifft.

Über die Einhaltung dieser queeren Dogmen wachen von Linksgrün alimentierte Berufshomos: Jeder der auch nur ein wenig von dem vorgegeben Credo abweicht, das sie ausgeben, wird von Presseerklärungen bis hin zu Plakaten, die nicht selten über die „Deutsche Aidshilfe“ (daher auch durch Steuergelder!) finanziert werden, zum rechtspopulistischen, islamophoben Ketzer erklärt. So hat sich eine kleine Gruppe von schwulen und Lesben gebildet, die man zurecht als Queeriban bezeichnen kann.

Wer sich davon nicht beeindrucken lässt und öffentliche Kritik an den Queeriban übt, dessen Privtatleben wird ausspioniert, man bekommt anonyme Drohungen, bei denen die Absender und deren Intention doch jedem Insider klar sind.

Gewaltdrohungen und fäkale Beleidigungen, die jeden Respekt vor Andersdenkenden vermissen lassen, sind keine Seltenheit. Besonders häufig werden sie von Männern ausgesprochen, die sich hinter einer falschen Identität als Frauen (Frauendarsteller) verstecken. Und damit auch ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf nehmen, dass sie Frauen und Transsexuelle diskriminieren.

Kurzum: Die deutsche Homo-Comunity befindet sich geistesevolutionär in einem ähnlichen Stadium wie der real existierende Islam.

Deshalb war es eine echte Befreiung für mich als ich jener rosatrüben Blase, in dem eine Gruppe von Ü50-Aktivisten in ihrem immer dicker werdenden linken Saft vor sich hindampft, entkommen bin.

Ich bin aber nicht gegangen ohne etwas Wertvolles mitzunehmen. Nämlich eine ganz bestimmte Einsicht:

Die linksgrüne queere Regenbogenlüge, die Vielfalt fordert, zugleich aber Einfalt diktatorisch durchzusetzen sucht und suizidal der Islamisierung Tür und Tor öffnet, missachtet und zerstört die Freiheit und Würde des Menschen und die Werte des Abendlandes weitaus mehr als es der „heilige Schein“ der Catholica jemals vermochte.

Und so kann ich ohne mit der Wimper zu zucken nun sagen: Nach all dem Erlebten ist mir mein Einsatz für die von sexueller Orientierung völlig unabhängig geltenden Menschenrechte, für die Freiheit Europas und gegen die Islamisierung, sind mir mein Katholisch- und Konservativsein wichtiger als das Verfassen von Advertorials für Homo-Unterwäsche oder das verbissene, larmoyante, traditionell queere Opferstrategien bedienende Dauerklagen darüber, dass es bei uns zwar eine Homo-Ehe gibt, diese aber nicht Ehe heißt.

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[…] Migranten und die Täter sind keine „Nazis“. Auch ins Konzept linksgrüner Queeriban dürfte diese Geschichte nicht passen, gilt bei ihnen doch seit Jahren „islamophob“ als […]

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[…] von linksgrünen Queeriban immer wieder beschworene, Konservativen eigene Homophobie, scheint der Vergangenheit […]

Jean-Jaques
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Jean-Jaques

Ob hetero, homo, bi, geronto oder pädo; ob Musel, Hindu, katholisch oder Protestant, ob links, öko oder rechts; Jeck ess jeck, un jeder Jeck ess anders! Sagt man in Köln, wo auch ich aufgewachsen bin. Solange der eine dem anderen und insbesondere einem wehrlosen Kind nichts Böses tut oder in seinen Rechten verletzt, kann er nach seiner eigenen Fasson selig werden. So der alte Fritz um 1770. Und diese Toleranz hatten die seit der Römerzeit südländisch versippten Kölschen seit Jahrhunderten ausgelebt. Solange nix dazwischen kam. Der Möchtegerninquisitor Meisner ist Exilberliner, also keiner vom Schlage eines Kardinal Frings oder eines Adenauers… Mehr lesen »

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[…] über Warum die linksgrüne “Regenbogenlüge” gefährlicher ist als der “heilige Schein” — philo… […]

Eva-Maria Paul
Gast
Eva-Maria Paul

Sehr geehrter Herr Berger!
Durch Ihre aufrichtigen und auch selbstkritischen Ausführungen tragen Sie mehr zu einem guten Miteinander von Heteros und Homos in der Gesellschaft bei als die teilweise aggressiven und aufdringlichen Verlautbarungen der Homo-Lobbys es je tun könnten.
Durch deren Äusserungen habe ich stets das Gefühl, umerzogen und manipuliert zu werden.
Wenn auch schon etwas spät – ein gutes Neues Jahr für Sie!

Senatssekretär Freistaat Danzig
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Hat dies auf behindertvertriebentessarzblog rebloggt.

Walter Roth
Gast
Walter Roth

Das war nun aber interessant…… – Nun ja, als Hetero hat man wohl selten Einsicht in solche „Interna“. Aber ich muss zugeben, als Ahnungsloser dachte ich immer das gerade Homosexuelle aus Lebenserfahrung besonders tolerant seien. – Das passte irgendwie zu meiner Idee von einer Weisheit, die sich aus den Schwierigkeiten des Lebens entwickelt, ……wenn man anders ist und die Gesellschaft dann eben nicht nur Nettigkeiten für einem parat hat. Natürlich ist mir das zuweilen sehr aufdringliche Fordern dieser Gruppen aufgefallen, was ich meist als stark übertrieben wahrnahm, denn ich kann mich nicht erinnern das in meinem Umfeld je ein solcher… Mehr lesen »

Jule
Gast
Jule

Werter David Berger, der Wind dreht sich mitunter schneller als gedacht, nach Offenheit und gesegneten… CSD-Paraden wird der Islam „für Ordnung“ sorgen. Wer “ aus Respekt gegenüber dem Islam das Kreuz ablegt“ verrät ALLES was an Reformation und Aufklärung hart, opferreich und blutig erkämpft wurde, alle Opfer die darüber zu beklagen waren – und sind … Wer Mauern baut (!) anstelle im Freien … der Natur zu lehren … der hat nicht verstanden was -sinngemäß – gemeint war mit „… hebe einen Stein und du wirst die Wahrheit sehen/erkennen “ . Von Pythagoras über Jesus bis J.FK. – um nur… Mehr lesen »

Jule
Gast
Jule

Wohin gingen bzw. wurden geschickt die nach dem Erstgeborenen (Erben) ? Militär oder Kloster – beides Männer-Gesellschaften. Zölibat dazu … Aber blicken wir nicht zu kurz, die griechischen Lustknaben sind legendär, weil die Jungfräulichkeit schon immer als ein hohes Gut galt. Ich möchte nicht missverstanden werden ! Daher klar ausgesprochen meine Meinung das jeder Erwachsene mit einem jeweils ebenfalls Erwachsenen (!) seine Sexualtät ausleben kann/darf/soll ! Aber bitte, bitte im ganz, ganz privaten Kämmerlein, ohne es der gesamten Gesellschaft überzustülpen. Ich bin heterosexuell- wie die Mehrheit – und habe gute, tiefe Freundschaften die homosexuell orientiert sind. Kein Problem, denn weder… Mehr lesen »

Siart Peter
Gast

Ich war 4 Jahre in einem katholischen Internat in Regensburg. Wir wurden täglich alle geschlagen. Schlimmer noch war die obligatorische Beichte. Was gab es zu beichten als 12 Jähriger, das 6 te Gebot. Sonst zu sündigen, gab es keine Möglichkeit. Die wollten alles genau wissen. Warum wohl??? Bin beinahe verzweifelt, weil ich immer sündigte. Das war schlimmer als die Prügel. In unseren Kaffee tat man Chemie gegen die Triebe. Wir wurden dahingehend aufgeklärt, dass die Frau alles nur über sich ergehen lässt. Alle Religionen haben Angst vor der Frau, Geist und Fleisch…. Der Papst Benedikt wusste übrigens von den Misshandlungen… Mehr lesen »

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[…] Warum die linksgrüne „Regenbogenlüge“ gefährlicher ist als der „heilige Schein“ […]

Jürgen Fritz
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Sehr interessante Einblicke und sehr ehrlich. Deine Erfahrungen, persönlichen Erlebnisse und ihre klare, scharfsinnige und aufrichtige Analyse sind ein wahrer Schatz, David. Vielen Dank dafür!

keddy1992
Gast
keddy1992

Hat dies auf Udos Blog rebloggt.

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Gast
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Lieber Herr Berger, vielen Dank für die Veröffentlichung Ihres Briefwechsel mit Herrn Helmes. Ich finde das einen sehr mutigen Schritt! Respekt! Was Sie über die „Homo-Community“ in Deutschland schreiben, schockiert mich (als heterogenen Mann) vor allem in Bezug auf den Islam sehr. Allerdings erklärt es auch die vielen in der Vergangenheit beobachteten Widersprüche. Nochmals vielen Dank! Ich wünsche Ihnen und Ihrem Partner ein Frohes Neues Jahr und dass Sie noch lange unzensiert veröffentlichen können!

Hans von Walleshausen
Gast

„rechtspopulistisch, islamophil“ ??