Ein Gastbeitrag von Mike Sullivan

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime Deutschlands (ZMD), teilt den Christen in Deutschland in seinem gerade erschienenen Buch, „Was macht ein Muslim an Weihnachten?“, passend zu Weihnachtszeit mit, dass Muslime und Christen mehr gemeinsam haben, als den Christen bekannt sein dürfte. In seinem Buch bietet er im Plauderton zugleich eine Apologetik des Islam.

Er erörtert zwar einige wichtige theologische Unterschiede zwischen Islam und Christentum, aber auf so eine freundliche Weise, dass der Leser möglicherweise nicht bemerkt, dass Mazyek den Koran zum Maßstab der Geschehnisse macht.

Öfter wiederholt Mazyek in seinem Buch das Mantra, wie sehr die Muslime Jesus lieben und ehren und dass Jesus „ein großartiger Prophet“ sei „mit einer großartigen Mutter.“ Auch der verstorbene Bundeskanzler Helmut Schmidt scheint bei sich eine Bildungslücke erkannt zu haben, laut Mazyek, als er meinte, dass „der Koran Jesus und Maria Ehrerbietung und größte Wertschätzung entgegenbringt und dass er selbst dies erst lernen musste.“

desktopAus Mazyeks Sicht ist Weihnachten für Muslime ein Freudentag wegen der hohen Wertschätzung die Isa – so der arabische Name für Jesus – angeblich im Koran genießt. Eine Logik, die sich nicht jedem erschließt.

In den USA richten muslimische Verbände während der Weihnachtszeit eine besondere Botschaft an die Christen. Sie wollen offenbar damit zum Ausdruck bringen, dass amerikanische Muslime Jesus lieben und verehren. Jedes Jahr wird diese Botschaft mit der Versicherung an Christen neu aufgelegt, dass das Christentum mehr mit dem Islam gemeinsam habe als man denke.

Die weihnachtliche Mitteilung des Council on American-Islamic Relations (CAIR), des politisch bedeutsamsten muslimischen Verbands in den USA, beginnt mit den Worten: Gedenke, da die Engel sprachen: „O Maria. siehe Gott verkündet dir ein Wort von Ihm; sein Name ist der Messias Jesus, der Sohn der Maria, angesehen hienieden und im Jenseits und einer der (Gott) Nahen.“ Wenn Sie im Neuen Testament nach diesem Zitat suchen, werden Sie nicht fündig. Konsultieren Sie bitte die gebundene Reclam Koran-Ausgabe in der Max Henning Übersetzung (Sure 3, Vers 45). Sie werden merken: Da steht „Allah“ statt „Gott“ – wie auch in allen anderen Koranversen.

Vielleicht meinen Sie: So was kann doch dem interreligiösen Dialog nur förderlich sein. Wir können doch alle, Muslime wie Christen, von Jesu spiritueller Botschaft im Koran profitieren, oder?

Aber ist der Jesus des Korans wirklich der Jesus, den wir aus dem Evangelium kennen, oder nur ein Jesus aus Mohameds Vorstellungswelt?

Der Koran behauptet, dass die Bibel durch die Juden und Christen korrumpiert worden sei (2:42, 2:75, 2:79, 2:89). Jesu Botschaft im Evangelium entspreche nicht mehr der von Allah ursprünglich an die Menschheit übermittelten Offenbarung. Logischerweise sieht der Koran deshalb im Jesus des Neuen Testaments einen falschen Jesus, einen Betrüger. Mit anderen Worten, der wahre Jesus kommt nach muslimischer Auffassung nur im Koran vor.

Nach der islamischen Lehrmeinung sind Jesus, wie auch Abraham, seine Mutter, Maria und seine Jünger, allesamt Muslime (3:52, 3:64).

Jesus ist danach ein Muslim und ein bedeutender Gesandter Allahs, aber mehr auch nicht (5:75). Neben Mohamed, der im Koran als perfektes Vorbild für alle Muslime präsentiert wird (33:21), bleibt Jesus eine farblose, unbedeutende Figur. Im Koran leugnet dieser Jesus, dass er göttlich sei oder dass er dies je behauptet habe (5:116-117). Er nennt sich selbst schlicht Diener Allahs (19:30). Wunder kann er nur bewirken, wenn Allah es ihm erlaubt (z.B. 3:49).

Im Koran ist Jesus überhaupt nicht erkenntlich als der Jesus von Nazereth, der so anschaulich in den Evangelien dargestellt wird. Fast immer, wenn Jesus im Koran erwähnt wird, hat man den Eindruck, dass Allah sehr bemüht ist zu beweisen, dass Jesus nicht Gott ist, sondern nur ein einfacher Mann sei.

Deshalb werden Christen im Koran häufig gewarnt nicht zu behaupten, dass er der Sohn Gottes sei, weil es Allah nicht anstehe, einen Sohn zu zeugen (z.B. 2:116, 4:171, 6:101, 17:111, 19:34-35, 23:91, 25:2). An einer anderer Koran-Stelle wird es bedrohlich. Denn darin heißt es, diejenigen, die Jesus den Sohn Gottes nennen, verdienen es von Allah tot geschlagen zu werden (9:30).

Falls noch Zweifel bestehen sollten, werden die Christen in weiteren Versen ermahnt, keine Götzen, Götter, Partner oder sonstige Gefährten ebenbürtig neben Allah aufzustellen. Insbesondere will Allah nicht, dass man Jesus bzw. Jesus und Maria ihm beigesellt (5:116). Polemik gegen die christliche Lehre von der Dreifaltigkeit taucht im Koran wiederholt auf (z.B. 3:64, 4:171-172, 5:72-73, 5:116, 17:111, 23:91, 25:2).

Alle Muslime, die mit dem Koran gut vertraut sind, wissen, dass diejenigen, die Gott bzw. Allah Partner beigesellen, sich des Schirks schuldig machen, der größten aller Sünden im Islam. Aber dies ist genau das, was Christen tun: Jesus und der Heilige Geist werden Gott dem Vater zugeordnet.

Also stehen die Christen unter Allahs Fluch. Daraus ergibt sich der weit verbreitete muslimische Hass gegen die Christen und als Folge die Feindseligkeit gegenüber Weihnachten mit seiner Botschaft von der Menschwerdung des Gottessohnes.

Muslime und Christen glauben, dass am Letzten Tage, Jesus auf die Erde zurückkehren wird. Aus islamischer Sicht wird dieses Ereignis für Christen, die an ihrem Glauben festgehalten haben, eine sehr unangenehme Überraschung bereithalten. Laut einer oft zitierten Hadith (Sunan Abu Dawud 37, 4310) sagte der Prophet, wenn Jesus am Ende der Tage auf die Erde zurückkomme, werde er das Kreuz der Christen brechen, die Schweine töten, die Kopfsteuer abschaffen und alle Religionen außer dem Islam zerstören.
Am Ende der Welt also wird Jesus selbst Zeuge gegen die Christen sein (4:159). Gemäß dem islamischen Rechtsmanual Umdat al-Salik von der al-Azhar-Universität in Kairo werden nach diesem Ereignis die Christen den Islam annehmen müssen.

Für den Islam also ist die Geburt Jesu nur ein Vorspiel für die Abschaffung des Christentums, für das Zerbrechen des Kreuzes, das Kardinal Marx und der EKD-Vorsitzende Bedford-Strohm jüngst so leichtfertig in Jerusalem abgelegt haben. 

Der Jesus des Korans ist nicht auf die Welt gekommen als der Erlöser der Menschheit, sondern lediglich, um Mohammeds Kommen zu verkünden (61:6). Muslime, die den Koran gut kennen, wissen das, weshalb ihre Weihnachtsbotschaften an Christen, insbesondere diejenigen des CAIR in den USA, ziemlich hohl und unehrlich klingen.

Insbesondere tönen diese Beteuerungen unredlich, wenn man bedenkt, dass jedes Jahr während der Weihnachtszeit andere Muslime, vor allem in den 57 Ländern der Organisation of Islamic Cooperation (OIC), einer anderen Tradition frönen. Der Weihnachtstag bringt den Christen in der muslimischen Welt wegen der Menschwerdung des Gottessohnes nicht nur Freude, sondern häufig auch Beklemmung. Sie werden getötet, ihre Kirchen niedergebrannt, und sie leben in ständiger Angst vor Entführung, Vergewaltigung, Konfiszierung des Eigentums, Anklagen wegen Blasphemie und vielem mehr.

Ja, die weltweiten Nachrichten sind voll von muslimischen Verfolgungen von Christen, und die muslimische Welt ist leider durchdrungen von einem Klima des Hasses gegen Christen. Deshalb klingt auch die Weihnachtsbotschaft der Muslim-Verbände ziemlich unglaubhaft.

Es ist geradezu ein Witz, wenn Mazyek das Wort Weihnachten in seinem Buchtitel aufführt und im Text beteuert, Weihnachten sei auch ein großer Tag der Freude für Muslime.

Wenn man behauptet, Jesus sei nicht Gott, sei nicht getötet bzw. gekreuzigt worden und auferstanden (4:157-158) und sei nicht der Erlöser der Menschheit, wie der Islam es tut, kann seine Geburt für Muslime wahrlich kein Anlass der Freude und Hoffnung sein.
Gläubige Christen sollten sich und anderen in Erinnerung rufen, dass sich die Botschaft des Evangeliums auch auf die Tatsache bezieht, dass der Sohn Gottes in der Weihnachtsnacht Mensch geworden ist. Blendet man das Mysterium der Inkarnation aus, nimmt man auch den Grund für all die Weihnachtsbäume, -lieder, -karten und -märkte, die unsere Wintertage trotz des Konsumwahns etwas aufhellen können.

Wer der Weihnachtsbotschaft glaubt und den Koran kennt, dürfte nicht überrascht sein, wenn es ein Muslim gewesen sein sollte, der mit einem Lastwagen in einen Berliner Weihnachtsmarkt gerast ist und friedliche, froh gestimmte Menschen niedergewalzt hat.

Der Islamische Staat soll inzwischen erklärt haben, einer seiner Gefolgsleute habe den Anschlag verübt.

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Zum Autor: Mike Sullivan ist gebürtiger New Yorker in Ruhestand. Vor einigen Jahren entschied er sich für die deutsche Staatsbürgerschaft. Zur Zeit lebt er in Deutschland.

Foto: Collage unter Verwendung eines Fotos vom Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche (c) Arild Vågen (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons