Gedanken von Patrizia von Berlin, einer „Betroffenen“ zum gestrigen Weihnachtsmarkt-Terrorakt

ich trinke meinen Espresso, wie jeden Morgen, und sehe, wie jeden Morgen, die Lichter der Gedächtniskirche in der Nähe.
Warum kommen mir heute die Tränen bei diesem Anblick?
Ich glaube, weil es nicht abstrakt ist.
Es ist mein Kiez.
Ich kenne jeden Quadratmeter auf dem Markt.

Die Wirtin aus Bremen, die den Stand mit der Feuerzangenbowle hat, geht mir nicht aus dem Kopf.
Uns verbindet seit Jahren ein Ritual. Sie frotzelt über meinen kurzen Rock auch im Winter und ich erkläre ihr, dass ich eine superwarme Thermostrumpfhose trage, die weitaus wärmer sei als ihre Hose. Ihr Stand, das weiß ich, war trotz eines Abstandes von nur wenigen Metern absolut sicher, weil er auf der 2. Ebene steht, 3 Meter darüber.
Von meinem Lieblingsplatz an einem der drei hinteren Tische hätte ich das Grauen mitansehen müssen.

Und es gab Winter, da war ich 20x dort gesessen.
Es ist mein Kiez.
Ich fühle mich dort wohl, glücklich.

Ich mag dieses Gewusel der Touris aus allen Ländern, dieses lebendige Zentrum Berlins, das für Andere Sehenswürdigkeit ist, für mich der Platz, wo mein Drogeriemarkt, mein Saturn, mein Douglas und mein Feuerzangenbowlenstand ist.
Habe ich Angst, dass das für mich künftig anders sein wird?
Dass ich künftig, wenn ich über den Breitscheidplatz ins Bikini laufe, die Bilder von gestern Abend vor mir sehe?

Ich denke an David und wie er über Nizza sprach. Eine Stadt zu der er eine emotionale Bindung hat. Und wie es sich vor und nach einem solchen Angriff anfühlt.
Ich will das nicht.
Wenn der Markt nicht geschlossen wird, gehe ich heute Abend eine Feuerzangenbowle trinken.
Auch wenn ich Angst habe, dass mir die Tränen über die Wangen laufen werden.
So wie jetzt.

(c) Foto: quapan [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

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„Deutschland spuckt auf die Opfer des islamischen Anschlags vom Breitscheidplatz“ – philosophia perennisSimone JanasThe CathwalkJuleLikedeeler Recent comment authors
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[…] Gegen das Vergessen: unser Kommentar vom 20. Dezember 2016: Verwundet … […]

Simone Janas
Gast
Simone Janas

Bei all den Worten die ich über den Anschlag las, ist dieser Text der einzige, der Trauer vermittelt.

Pray for Berlin

The Cathwalk
Gast

Hat dies auf KathStern rebloggt.

Jule
Gast
Jule

Rauhnächte …
Und bloß nicht (Bett) Wäsche auf der Leine von X bis X …. weil sonst …. ….
– vielleicht …,euren Müttern/Vätern der Tod seine Aufwartung macht !

Im Heute kommen Schreiben die dich „nackig“ machen wollen bis hin zum letzen Cent – gleichzeitig werden „Schutzsuchende“ allimentiert bis hin zu 3″Ehe-Frauen“ und 23 Kindern …

Lösung : fi**en lohnt sich.
Arbeiten (das Steuern … ermöglichend) -derzeit -ehern nicht … …

Kinder für … … … .. ..

Himmel-Furz – und Feuerstein !

Jule
Gast
Jule

„Unsere Toten gehören zu den Unsichtbaren, aber nicht zu den Abwesenden.“ Stimmt. Es war einmal … da fällte man die Irminsul, dennoch brennen Anno 2016 wieder mehr und mehr Sonnenwende-Feuer .( am 21.12 !) Die Zitate indianischer Schamanen zieren so manchen Kommentar ebenso wie die Zitate griechischer Philosophen, auch asiatische, afrikanische „Sprichwörter“ werden gerne zitiert … In diesen Zeiten soll also das Kreuz … verborgen … und damit zerbrochen werden, weichen der letzten „Erkenntnis-Ideologie“. Es galt und gilt “ Wessen Glaube der Herrscher, dessen Glaube folge der Untertan“ (Sinngemäß). Ich weiß nicht was A.Merkel “ glaubt“ … – ich weiß… Mehr lesen »

Likedeeler
Gast
Likedeeler

Die vermutlich etwas jüngere Bloggerin versteht es zu konsumieren und in den eigenen Gefühlen zu baden, zeitgemäß. Alles andere kommt bestimmt noch.

Old-Man
Gast
Old-Man

Eigentlich wollte Ich gestern nur noch die Spätnachrichten anschauen und dann zu Bett gehen,eigentlich. Doch was Ich da zu sehen und hören bekam hat mich sehr sehr tief getroffen. Sofort waren bei mir wieder die Bilder vom 9.11 im Kopf,Ich habe bei diesem Anschlag zwei sehr gute alte Freunde verloren.Der Verlust dieser Menschen beschäftigt mich noch heute nach so vielen Jahren. Ich kann also sehr gut verstehen das Patrizia ihre Gedanken emotional ausdrückt,das hat sehr wenig mit Kitsch zu tun,sondern mit Betroffenheit. Meine Freunde kamen auch bei einem perfiden Anschlag um,genau wie diese Menschen in Berlin. Advent,Weihnachten das Fest der… Mehr lesen »

Running_on_empty
Gast
Running_on_empty

Im Lieblingsland NRW belehrt der Staatsfunk in gewohnt erzieherischer Weise den tumben Hörer, was er zu denken und zu fühlen hat: 1. Terroristische Anschläge kann man nicht vermeiden. Sie gehören zum Leben eben dazu (morgen werden sie vermutlich berichten, dass ein wenig Schnupfen zur Gesundheit beiträgt und so ein Terroranschlag eben zur gesunden Demokratie dazugehört.) 2. An einem Tag wie heute gehört es sich nicht, über politische Verantwortlichkeiten zu diskutieren…außer man gehört zu den Grünen, der SPD oder der Union. Die wissen nämlich, dass in Wahrheit die AfD schuld an allem ist. Mutig, wie sie nun einmal sind, sagen sie… Mehr lesen »

Skuld
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Skuld

Korrektur: Worte des Bedauerns

wreinerschoene
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Wie auf Knopfdruck geht plötzlich die alte Leier los. Beileidsbekundungen, die harte Strafe des Gesetzes usw. Diese einstudierten Sätze kommen jedesmal, fast mit der gleichen Wortwahl, erst in Paris jetzt in Berlin. Ändern wird sie weiterhin nichts, im Gegenteil. Das es Zeit wird die Menschen als das zusehen was sie sind, nämlich nur Menschen denen man mit dem menschlichen Gefühl des Mißtrauens erst einmal begegnen soll bevor sie gehuldigt werden, dieses menschliche Gefühl ist weg. Es wird sich nichts ändern, zwei Tage Verzweiflung und dann wird zur Normalität übergegangen. Spätestens in ein paar Monaten werden die Gutmenschen wieder fest im… Mehr lesen »

Didi
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Didi

Da sitze ich da als gestandes Mannesbild und mir kommen nur die Tränen……..Tränen für die Opfer, aber hauptsächlich Wuttränen. Wut daüber, dass es noch immer Mneschen nicht verstanden haben, dass es mit dieser Regierung so nicht weitergehen kann und darf. Wut darüber, dass immer wieder von „Einzelfällen“ berichtet und gesprochen wird. Wut darüber, dass die „Willkommenskultur“ in meinem Land so überhand nimmt. Was ich heute auf der Arbeit und im Bus gehört habe, läßt mich jedoch etwas Hoffnung schöpfen, die vielen Worte, dass nun endlich die AfD gewählt wird. Damit sich in diesem Land, deren Regierung wie ein Diletantenstadl sich… Mehr lesen »

truckeropa66
Gast
truckeropa66

Eben gelesen, unabhängig 2 Artikel! Der erste Berliner Polizeiberichte, einem Besucher des Weihnachtsmarktes sei die schnelle Ding-Festmachung des Täters zu verdanken, Er sei dem Mann gefolgt, hätte ständig über den Notruf Positionsdaten mitgeteilt, so das Polizeistreifen die Person stellen konnte!
Die zweite, der mutmaßliche Täter ist wegen div. Vergehen Polizei bekannt, Aber da er diese Tat abstreitet, sei er das nicht gewesen!
Bedarf das mehr Worte?

der einsiedler
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gebenhoeh
Gast
gebenhoeh

Was „Ifis“ da mitteilt, ist begreiflich aber doch sehr selbstbezogen. Was wir empfinden (sollten), geht sicher über das hinaus.
Ich habe den Text trotzdem auf meinem Blog gepostet (http://altmod.de/?p=6530).
Den Angehörigen der Toten von Berlin mag vielleicht der Trauerspruch von Papst Johannes XXIII. ein klein wenig helfen:
„Unsere Toten gehören zu den Unsichtbaren, aber nicht zu den Abwesenden.“
Leider wird das Angedenken an die „Abwesenden“ immer mit der Erinnerung an einen sinnlosen Terrorakt gegenüber Unschuldigen verbunden bleiben.

Jürgen Fritz
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Ganz toller Text! Viel besser kann man die Gefühle kaum in Worte fassen. Ohne jeden Kitsch und dennoch oder gerade deshalb sehr berührund. 🙁

Armin Aubin
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Armin Aubin

DIESES GETUE „in meinem Kiez“ HÄNGT MIR ZUM HALS RAUS, seit Jahren gibt es täglich Terror gegen Alte, Frauen, Mädchen, Kinder, Schwule, Obdachlosen etc. pp, eben ALLE Schwächeren und in sämtlichen „Kiezen“ BERLINS. Nur schaut keiner hin und es findet in den Stasi kontrollierten Medien nicht statt. Schaut Westfernsehn aus der Schweiz o. Frankreich, da wird von Terroristischem Anschlag gesprochen, während in NannyMedien noch nebulös rumgeeiert wird. Maas hat die Untersuchungen an sich gerissen, evtl. wird rasch noch ein Amoklauf daraus konstruiert und somit nicht der ohnehin geschönten Ausländerkriminalitätstatistik zugeorndet und somit der unverantwortlich handelnden BRDDR Regierung nicht angelastet werden… Mehr lesen »

Letztes Aufgebot
Gast
Letztes Aufgebot

Ich fühle aufrichtig mit Dir!

So leid es mir tut, es ist nicht mehr dein Kiez, es ist nicht mehr dein Land, auch wenn du „schon länger hier lebst“.

Merkel mit ihrer Entourage hat uns unsere Heimat, unsere Sicherheit und unsere Unbeschwertheit genommen. Und uns dafür primitive, kriminelle Migranten und muslimische Terrorristen „geschenkt“!

Ich möchte mit dem gestrigen Tweet vom AfD-Vorsitzenden von NRW, Marcus Pretzell schließen:
„…ES SIND MERKELS TOTE!“

visnoctis
Gast

Hat dies auf Souleater1013's Blog rebloggt.