Ein Gastbeitrag von Markus Hibbeler

Als deutscher Mann ohne Migrationshintergrund ist es schlicht unmöglich, Kritik am Islam oder der Asylpolitik zu üben, ohne einen braunen Stempel zu bekommen. Da kann die Kritik noch so sachlich und mit Fakten untermauert sein.

Es ist dabei auch egal, ob man schon an Demos gegen die NPD teilgenommen hat, in seinem engsten Umfeld viele Migranten hat, viel in der Welt unterwegs ist, für die Presse arbeitet und insgesamt so viele Dinge macht, die mal gar nichts „rechts“ sind. Im Zweifel wird einem sogar das vorgeworfen. Denn das sei natürlich alles Tarnung und insgesamt sehr verdächtig.

Die Krönung dieser Realsatire ist, dass einem vorgeworfen wird, warum man denn auch gegen Nazis poste und es überhaupt nötig habe, öffentlich zu verkünden, dass man diese kacke findet.

Eine bewährte Methode ist auch, sich Halbsätze herausgepicken und diese dann zu verdrehen. Wenn selbst dann nichts gefunden wird, wird genau geschaut, wer die Beiträge likt, worauf man als Verfasser naturgemäß gar keine Kontrolle, geschweige denn Einfluss hat.

Ich kann verstehen, dass viele da gar keinen Bock drauf haben. Erst recht keine Politiker, die bei zu viel politischer Unkorrektheit schnell ihren Posten verlieren.

Das Ergebnis ist, dass die Mitte schweigt und sich die Gesellschaft spaltet, da die Probleme offensichtlich werden und sich die „Einzelfälle“ häufen. 

Auch der Hass auf unbescholtene Migranten steigt leider: Freunde mit Migrationshintergrund werden zunehmend schief angeschaut, auch wenn sie hier schon lange leben und Steuern zahlen.

Dabei möchte ich nur eins: die liberale Gesellschaft erhalten, in der ich in den 90er-Jahren meine Jugend verbringen durfte. Ich kritisiere importierte patriarchale Weltbilder und Parallelgesellschaften. Ich möchte nicht, dass wir im Jahr 2016 Debatten um Burkinis und getrennte Schwimmzeiten führen.

Wir sind früher im Sommer nackisch in den See gesprungen, die Mädels sind nachts mit dem Rad von den Partys allein nach Hause gefahren, und Verschleierungen gab es so gut wie keine.

Für Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie wurde jahrhundertelang gekämpft, und es wurde viel Blut vergossen. Diese Werte dürfen aus falsch verstandener Toleranz und Naivität nicht einen Millimeter aufgegeben werden.

Künftige Generationen sollen in der selben Freiheit, Sicherheit und Unbeschwertheit aufwachsen wie wir.

***

Foto: (c) alerta! [CC BY-SA 2.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons