Ein Gastbeitrag von Kai Knut Werner

Merkel tritt nochmal an! Wie wir wissen, hat ihr Ansehen in den letzten Monaten extrem gelitten. Allerdings steigt, wollen wir den Meldungen von „Focus“ und Co glauben, im Moment ihre Beliebtheit wieder kontinuierlich an. Natürlich stellt man sich da unweigerlich die Frage, warum ist dies so. Eine Erklärung wäre: Merkel ist „alternativlos“. Ein Begriff, den die Bundeskanzlerin schon mehrfach selbst in ihren Reden gebrauchte.

Schauen wir uns die in Frage kommenden Alternativen an! Dabei können wir von vorneherein Personen aus der CDU/CSU ausschließen, da die Partei keine Person aus ihren Reihen für das Amt aufgebaut hat. Vielleicht ist dies eine Vorgehensweise von Frau Merkel, bzw. dies wird ihr vorgeworfen. Angeblich hat sie die Männer weggebissen.

Egal ob Rötgen, Merz, Koch und wer da noch so alles als Nachfolger gehandelt wurde. In Wirklichkeit haben diese Personen sich selbst mit Fehlern disqualifiziert oder sie wählten eine falsche Strategie um die Macht zu ergreifen.

Somit wäre klar: ja, im Moment ist Frau Merkel die Kandidatin der CDU.

Was ist mit den anderen „Alternativen“? Angefangen mit dem derzeitigen Wirtschaftsminister und Parteivorsitzenden der SPD. Der übrigens nach Willy Brand am längsten in der Neuzeit die Position des Parteivorsitzenden inne hat. In der SPD sind sieben Jahre in diesem Amt eine lange Zeit. Gabriel durchlief eine klassische Parteikarriere – angefangen mit Kommunalpolitik, Ministerpräsident in Niedersachsen, zwischenzeitlich war er auch Pop-Beauftragter der SPD, wie Wikipedia weiß: „von 2003 bis 2005 das neugeschaffene Amt des Beauftragten für Popkultur und Popdiskurs der SPD (kurz Popbeauftragter), was ihm in Anlehnung an den Sänger Iggy Pop den Spitznamen Siggi Pop einbrachte.“

Im Moment streitet sich die SPD, wer antreten darf oder soll: Außer Gabriel gibt es noch einen Herrn Schulz, Präsident des Europäischen Parlamentes seit 2014, der auch Ambitionen hat. Der „Spiegel“ berichtet über dessen Vergangenheit Aufschlussreiches:

„Am 26. Juni 1980 sitzt Martin Schulz nachts um vier am Schreibtisch seiner Wohnung in Würselen und denkt daran, sich umzubringen. Er ist sternhagelvoll heimgekommen, dort hat er sich noch eine halbe Flasche Martini reingezogen. Er ist 24 und ohne Arbeit, Freundin, Lebensmut, dafür hat er Schulden und ein Alkoholproblem. „Es ging nix mehr“, wird er später erzählen. „In dieser Nacht wollte ich Schluss machen.“ 

Mit dem ehemaligen Bundeskanzler Schröder stehen alle im sozialdemokratischen Wettstreit, wer aus den „schwierigsten Verhältnissen“ kommt. Das seitdem Schröder mit seiner proletarischen Herkunft kokettiert. Dies spricht er Schulz ab, da der Vater Polizeibeamter gewesen ist. Aber angeblich wäre im Hause Schulz das Geld ab und an auch knapp gewesen. In der SPD benötigt man scheinbar für die Parteikarriere den oft genannten „Stallgeruch“.

Wer soll jetzt der Kandidat werden, der gegen Merkel antritt? Vermutlich wird die SPD sich solange prügeln, bis es wieder zu einer Übersprungshandlung kommt – wie bei der letzten Wahl mit dem Kandidaten Steinbrück!

Im Prinzip ist es auch belanglos, wer von diesen beiden antritt. Die Hauptfrage ist, ob es 2017 eventuell eine Rot-Dunkelrot-Grüne Koalition – wie in Berlin – geben wird.

Was erwartet dann das Land? Kommt ein grüner Umweltminister, der sofort den Spritpreis auf 5 Euro erhöht, kommt ein Verteidigungsminister von der Partei „Die Linke“, der den Austritt aus der Nato durchsetzt? Vielleicht stellt die Linke sogar einen Minister, der durch antisemitische Äußerungen bekannt wurde? Werden die Koalitionäre eine Flüchtlings- und Integrationspolitik betreiben, die die jetzige Problematik noch einmal in den Schaden stellt? Wird vielleicht ein dunkelroter Finanzminister die Steuern für Besserverdienende so erhöhen, dass diese fluchtartig das Land verlassen? Oder ein Wirtschaftsminister der Linken strebt gar die Verstaatlichung der Industriebetriebe an?

Auch wenn man mich jetzt prügelt: Unter dieser Prämisse ist Merkel alternativlos!

Vielleicht gibt es einige, die die AfD als die große Alternative zur Kanzlerin sehen. Und natürlich hat diese Partei auch Ansätze, die zu begrüßen sind, aber die Wirtschaftspolitik dieser Partei ist aus der Sicht eines Betriebswirtes eine Katastrophe. Das Ablehnen von internationalen Handelsverträgen ist ein absolutes No Go, Deutschland lebt vom Export und ist einer der Hauptprofiteure der Globalisierung. Wir sind Exportweltmeister, wir exportieren mehr als China. Dies muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die Deutschen mit 80 Mio. Einwohnern exportieren mehr Waren als die Chinesen mit knapp 1.4 Milliarden Menschen. Diejenigen, die Globalisierung ablehnen, haben keine Ahnung, wie Wirtschaft funktioniert! Solange die AfD mit solchen wirtschaftsfeindlichen Thesen auftritt, ist sie nicht wählbar!

In alle Ratlosigkeit ist mir nur eines klar: An Merkel führt kein Weg vorbei!

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Foto: © Tobias Koch (OTRS) [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons