Ein Gastbeitrag von Jürgen Fritz

Bei SPD, Linke und FDP gibt es in den letzten zwei Wochen keine Veränderung im INSA-Meinungstrend. CDU/CSU und Grüne verlieren dagegen jeweils 0,5 Prozentpunkte. Die Einzigen, die zulegen können und das kräftig um 1,5 Prozentpunkte, sind die AfD.

A. Ergebnis der aktuellen Umfrage (veröffentlicht am 14.11.2016, 2.037 Befragte im Zeitraum: 11.-14.11.2016)

1. CDU/CSU: 30 %
2. SPD: 22,5 %
3. AfD: 14,5 %
4. Linke: 11,5 %
5. Grüne: 10,5 %
6. FDP: 6,5 %
Sonstige: 4,5 %

B. Gewinne/Verluste seit der BT-Wahl im Sept. 2013

1. AfD: + 9,8 %
2. Linke: + 2,9 %
3. Grüne: + 2,1 %
4. FDP: + 1,7 %
——————-
5. Sonstige: – 1,8 %
6. SPD: – 3,2 %
7. CDU/CSU: – 11,5 %

30 Prozent für CDU/CSU ist der zweitniedrigste Wert, den INSA jemals gemessen hat. Nur im Oktober war die Union mal für zwei Wochen noch schwächer mit 29,5 Prozent. Auch die Grünen nähern sich ihrem schlechtesten Wert zumindest der letzten Monate von 10 Prozent.

Die AfD nähert sich dagegen wieder ihrem Allzeithoch von 15,5 Prozent an, welches sie Ende September mal für eine Woche erzielen konnte.

C. Mögliche Regierungskoalitionen

1. Eine große Koalition, sofern man davon inzwischen noch sprechen kann, wäre damit wiederum möglich. CDU + CSU + SPD kämen aktuell auf ca. 52,5 Prozent.

2. Für Schwarz-Grün-Gelb, eine sogenannte Jamaika-Koalition, würde es mit ca. 47 Prozent nicht ganz reichen, doch wäre man ganz nah an einer Mehrheit. Notwendig wären wegen der 4,5 Prozent sonstige Parteien (verlorene Stimmen) circa 48 Prozent. Hier ist man also ganz nah einer Mehrheit dran.

3. Rot-Rot-Grün (R2G) kämen derzeit auf circa 44,5 Prozent, wären also weiter von einer Mehrheit entfernt als eine Jamaika-Koalition.

4. Schwarz-Grün, der heimliche Wunsch der aktuellen Kanzlerin, ist mit circa 40,5 Prozent weit von einer Mehrheit entfernt.

5. Rot-Gelb-Grün, eine sogenannte Ampel-Koalition käme gerade mal auf 39,5 Prozent, ist von einer Mehrheit also meilenweit entfernt.

D. Gibt es noch eine Möglichkeit, die Grünen zu verhindern?

Bei den Varianten 2 bis 5 wären die Grünen, die seit Jahren darauf hinarbeiten, mit jedem außer der AfD koalieren zu können, mit in der nächsten Regierung.

Sollte die AfD bis zur nächsten Bundestagswahl im September 2017 weiter zulegen können, worauf vieles hindeutet, so gehen diese Stimmen beziehungsweise Anteile vor allem bei der CDU, der SPD, der FDP und den Linken verloren, bei den Grünen wohl kaum.

Somit werden aber sowohl eine Jamaika-Koalition als auch R2G noch unwahrscheinlicher. Schwarz-Grün und eine Ampel ohnehin. Je stärker also die AfD wird, desto sicherer werden die Grünen nicht in die neue Regierung einziehen und die GroKo wird erneuert werden, für viele angesichts dieser Alternativen zwar ein Übel, aber von allen das mit Abstand kleinste.

***

Zum Autor: Jürgen Fritz ist seit Ende Juli regelmäßiger Gastautor auf philosophia perennis

25 Kommentare

  1. Mich würde allerdings interessieren, wieviele der Befragten unentschlossen waren ( Sichwort: Ich trau mich nicht zu sagen, dass ich die AfD wählen würde ). Das sind sicherlich auch einige Prozent. Wenn Befragte sich bedrängt gefühlt haben und irgendeine Partei genannt haben, die sie in Wirklichkeit nicht wählen, kann man sich schon was ausrechnen. Meiner Ansicht, ist eine AfD-Wählerschaft von 17 oder 18 % durchaus realistisch. Das heißt für mich: Bei jeder Umfrage der Meinungsinstitute rechne ich 3 % für die AfD dazu. Meine Prognose zZt. ist: CDU 29,5 % – SPD 22 % – Die Linke 10,5 % – Grüne 10 % – FDP 6 % – Sonstige 4 % – AfD 18 %

    • Dies ist in der Tat ein Faktor, den es zu berücksichtigen gilt, Bodo Gölnitz. Fünf der sieben großen Meinungsforschungsinstitute führen telefonische Befragungen zufällig ausgewählter Personen durch, Allensbach eine persönliche Befragung. Bei INSA allerdings beruhen die Daten auf einer Online-Befragung von gezielt ausgewählten Mitgliedern einer Personengruppe (Befragten-Pool). Insofern fällt dieser Faktor bei INSA weg. Die 14,5 Prozent für die AfD dürften also innerhalb der mathematisch-statistischen Schwankungsbreite einigermaßen realistisch sein. Natürlich können es statt 14,5 auch 13 bis 16 Prozent sein, aber sicherlich keine 10 oder 20 Prozent.

  2. Es mag richtig zu sein, daß die etablierten Parteien einen Dämpfer bekommen und endlich Platz machen. Sollte sich allerdings der Trend fortsetzen, das SPD, Grüne und Linke gemeinsame Sache machen, wird das Gegenteil in Deutschland eintreten, das was keiner will. Die Konservativen und „Ex“-Konservativen müssen sich zusammen raufen, sonst geht der Schuß nach hinten los.

    • Wenn Wähler von der CDU und von der CSU zur AfD wechseln, dann steigen dadurch die Stimmen von SPD, Linken und Grünen nicht, weder absolut noch die Sitze im Parlament, da die AfD mit Sicherheit in den nächsten Bundestag einziehen wird. Das ist ein sehr häufiger Denkfehler. Je stärker die AfD, desto unwahrscheinlicher wird Schwarz-Grün. So wird ein Schuh draus. Außerdem gibt es ein riesiges Wanderungssaldo weg von der SPD und von den Linken hin zur AfD.

      Ergo: Wer die AfD unterstützt – in die Regierung kommen sie 2017 ohnehin nicht -, der verhindert dadurch a) Schwarz-Grün und b) Rot-Rot-Grün. 😉

      • Was sollte das mit den Überhangmandaten zu tun haben, wreinerschoene? Den Zusammenhang sehe ich noch nicht. Wenn Wähler ihre Erststimme der CDU oder CSU geben, die Zweitstimme aber der AfD, dann entstehen ja doch Überhangmandate für die CDU/CSU, wodurch der rot-rot-grüne Block wiederum geschwächt wird, weil seine Mandate nicht anwachsen somit aber die relative Stärke abnimmt. Auch das wäre doch gut, wenn man Rot-Rot-Grün nicht will.

        Wer also statt der CDU/CSU die AfD wählt, schwächt 1. Schwarz-Grün, 2. Jamaika (Schwarz-Grün-Gelb), 3. die GroKo. Wer statt SPD oder den Linken die AfD wählt, der schwächt Rot-Rot-Grün. Wer statt der FDP die AfD wählt, der schwächt 1. Jamaika und 2. eine Ampel (Rot-Gelb-Grün).

    • Mit der nächsten Regierungskoalition werden wir sicherlich genauso unzufrieden sein wie mit der Jetzigen. Man braucht eben einen langen Atem. Allerdings wird sich die Akzeptanz zur AfD vielleicht schon nach 2 Jahren ändern (die Grünen haben auch ihre Zeit gebraucht). Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich im Laufe der Zeit Schnittstellen mit der FDP und eventuell auch mit den Linken ergeben. Eine Zusammenarbeit der AfD mit den Grünen ist für mich eher unwahrscheinlich – wäre für mich persönlich auch überhaupt nicht wünschenswert.
      Für die AfD ist es gut, dass die Wahl erst in 10 Monaten ist. Bis dahin wird sich bestimmt noch einiges an Wählerstimmen zugunsten der AfD tun.
      Wie gesagt, die Zeit ist auf Seiten der AfD. Warten wirs einfach ab. Allerdings darf es zu keinen innerparteilichen Querelen kommen – das wäre tödlich.

      • Bitte nicht falsch verstehen, ich hoffe sehr das die AfD Ihren Platz in der Politik findet. Allerdings sehe ich die Gefahr das die Gegenkräfte die nun die Macht auf die Medien weidlich ausnutzen, diese Partei auch weiterhin als Rechtspopulistisch und Nazi-Partei betiteln. Die etablierten Parteien stellen heute schon die Weichen, daß die AfD niemals die Chance bekommen wird, notfalls findet man scheinheilige Begründungen sie verbieten zu lassen. Ansätze gab es ja schon. Wir können nur hoffen, das die AfD, wie Sie schon schrieben, mit den innerparteilichen Querelen aufhört und sich auf das wesentliche konzentriert

  3. Das ist erst der Anfang: Der Einfluss von Trump wird dafür sorgen, dass die AfD auf absehbare Zeit die Regierungspartei wird

  4. So wie die AfD davor ist, wird sie sich nie Etablieren.
    In vier Landtagen vertreten, und absolute Funkstille.
    Nennt man so eine harte Arbeit um Wählerstimmen ???
    Noch erhält sie zulauf,weil sie so massiv bekämpft wird, aber habt ihr schon mal gemerkt wie diese Partei langsam aus den Medien verschwindet ?

    • Ja, es wird still um die AFD, aber es wird auch gearbeitet, z.B. in MV. Die AFD findet sich in den politischen Alttag ein. Aber sie arbeitet konstruktiv, und das ist es eben nicht wert, in den Medien gross erwähnt zu werden. Das ist der Grund für die Funkstille!

      • Ja, Birgit Schulz, stimme mit Ihnen überein. Die Mainstream-Presse ist eben auf der Seite der etablierten Parteien. Die Berichterstattung ist größtenteils Einheitsbrei – manchmal habe ich den Eindruck die schreiben voneinander ab. Kann mich nicht erinnern, dass ich mal einen positiven Artikel gelesen habe. Anders verhält sich das mit der Negativ-Berichterstattung. Ich nenne das mal „Styropor-Effekt“ – kleine Teilchen werden so weit aufgeläht, dass nichts anderes mehr durchgeht.
        Witzig ist nur manchmal, wenn „Wut-Bürger“ auf der Straße interviewt werden. Die erste Frage ist dann immer: „Wo informieren Sie sich?“
        Antwort (meistens): „Unter Anderem im Internet. “
        Und sofort die Frage: “ Und wo da genau ? Nennen Sie doch mal Seiten.“
        Und dann geht das Spiel lustig weiter. Das erinnert mich an meine Kinder, als sie klein waren. Wenn man denen etwas vorschrieb, kam sofort die Frage: „Warum?“ Auf die nächste Antwort wieder: „Warum?“ … und so weiter, und so weiter.
        Die Presse akzeptiert, genau wie unsere Politiker, keine andere Meinung. Und solange das so ist, ändert sich auch nichts in der Berichterstattung.
        Man ist offensichtlich immer noch der Meinung: „Die AfD ist nicht mehrheitsfähig, wird es auch nicht werden.“
        Und genau davon müssen die Schreiberlinge überzeugt werden. Der erste Schritt ist der Einzug in den Bundestag – egal, ob mit 12 oder 17 %. Der Bundestag wird nunmal mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen, als die Landtage.
        In diesem Sinne – die Hoffnung stirbt zuletzt !

  5. Was sollen denn wieder diesen ganzen Umfragen ??? Siehe Amerika ! Die AFD hat vielmehr Unterstützung in der Bevölkerung und beim Wähler als diese ganzen Umfragen aussagen. Aber solange die AFD es nicht über 50% schafft, werden diese ganzen Pappnasen und Clowns der Altparteien weiter irgendwelche Koalitionen bilden. Am Ende wird es eine Koalition aus CDU,CSU,SPD,Grüne,FDP und Linke sein, nur um an der Macht zu bleiben ! Zum kotzen !

    • Natürlich wird es 2017 zu so einer Altparteien-Koalition kommen, Neo Comp. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Die AfD kann unmöglich innerhalb von vier Jahren seit Parteigründung in die Nähe von 50 Prozent kommen. Das zu erwarten, wäre reichlich realitätsfremd.

      Die Frage wird sein, 1. zu welcher Altparteien-Koalition es kommen wird und 2. welche Politik dann gemacht werden wird. Wenn Ihnen alles gleich schlecht erscheint, Sie also z.B. die CDU genauso bewerten wie die Grünen oder Linken, dann würde ich Ihnen empfehlen, sich die nächsten vier bis fünf Jahre gar nicht mit Politik zu beschäftigen. Sie werden dann immer nur frustriert sein.

      Wenn Sie aber im Schlechten durchaus noch Unterschiede sehen, dann sollten Sie vielleicht ein wenig strategisch denken.

  6. …AfD legt leicht zu…
    Hier in NRW gibt es keine AfD, nirgendwo, nirgends….im Bundesland mit den meisten Einwohnern…… wenn man da nicht bald aus den Pötten kommt….
    Vielleicht liest ja jemand mit….

  7. Hat dies auf Jürgen Fritz Blog rebloggt und kommentierte:
    Die Grünen arbeiten seit Jahren darauf hin, mit jedem außer der AfD koalieren zu können. Der strategische Plan ist ganz klar: an die Macht, egal wie. Auch Merkel und viele andere in der CDU wollen Schwarz-Grün. Doch die Grünen können auch mit jedem anderen – mit einer Ausnahme. Können B’90/Grüne nächstes Jahr als Regierungspartei überhaupt noch verhindert werden? Wenn ja, wie?

    • Abwarten.
      Wenn die AFD erst einmal etabliert ist, werden die Grünen sich auch mit der AFD verbünden.
      Hauptsache an die Macht kommen.

      • Bei den Grünen wäre unter Umständen selbst das nicht gänzlich auszuschließen, Tourix. Aber zu einer Partnerschaft gehören immer zwei und beide müssen „ja“ sagen. 😉

      • Ich glaube kaum, dass die AfD Schnittmengen mit den Grünen hat. Eher würden die FDP oder die Linken mit der AfD zusammenarbeiten. Zwar nicht im Moment – aber 10 1 oder 2 Jahren halte ich das durchaus für realistisch.

    • Was soll Ihre Fokussierung auf irgendetwas Grünes? Das gehört inzwischen schlicht zum Märchen. Die Realität ist das armselige Verweilen der AfD im Fünftel-Bereich. Und an diesem Brunnen der Zufriedenheit werden sie sich allesamt laben. Hier ist nicht einmal die Idee von einem von mir aus eingebildeten (aber immerhin!) Trump. Die zitierte Umfrage wird ohne widersprechende Tote eines adäquaten Terror-Events unsere Realität bleiben. Unser System gibt einen Wechsel wie in Amerika (velleicht) doch gar nicht her. Wir haben keine Wahl der Wahl – wir sind dabei geblieben, dafür sterben zu müssen. Blutrot zwischen Schwarz und Gold? Oder besser Konvertit? Sterben Sie?

      • Die Fokussierung auf die Grünen ergibt sich rein analytisch aus der Sachlogik, Ralf Strässer. Es gibt fünf mögliche Regierungskoalitionen. In vieren davon sind die Grünen mit im Boot. Nur in einer nicht. So einfach ist das.

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