(David Berger) Man muss den Titel schon zweimal lesen, um es zu glauben. Die ZEIT veröffentlicht tatsächlich einen Artikel mit dem Titel

„Was für Kinderehen spricht“.

Und der Gastautor Ahmet Toprak sammelt dann auch eifrig Argumente für die Kinderehe. Für Mitteleuropäer seien diese zwar schwer zu verstehen, aber er – mit Migrationshintergrund – könne das eben schon eher.

Er geriert sich sogar als Feminist, wenn er als Hauptbegründung schreibt, der Schutz der betroffenen Kinder werde bei einem Verbot der Kinderehe außer Kraft gesetzt.

Die verbluteten 8-jährigen Kindsbräute aus Saudi-Arabien oder die an 60-jährige Männer in Afghanistan verschenkten 5-jährigen Mädchen, die in den letzten Jahren durch die Medien gingen, kommen dabei selbstverständlich vor.

Für mich ist es eine Beleidigung meines moralischen Empfindens, hier die Argumente Topraks noch einmal wieder zugeben. Weil wir uns schon so sehr an das Perfide der Diskussion gewöhnt haben, schlage ich schlicht einfach einmal vor, den ZEIT-Titel nur in der Wortwahl zu ändern, der Sache nach bleibt er dabei gleich:

„Was für sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche spricht“

Wem das zu krass erscheint, der sollte doch mal ein wenig auf die Tradition der ZEIT zurückschauen. 2013 hat das der „Spiegel“ aus aktuellem Anlass getan. Er schrieb damals:
„Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hat sich von Pädophilie-freundlichen Texten des langjährigen Feuilletonchefs der Zeit, Rudolf Walter Leonhardt, distanziert. Er sei „von Zeile zu Zeile mehr beschämt“ gewesen, „dass so etwas den Weg in die ‚Zeit‘ finden konnte“, sagte er dem SPIEGEL.

„Hier hat der Freiheitsdrang der liberalen Medien in die Irre geführt.“ Es sei „grotesk, welch bildungsbürgerlicher Aufwand betrieben worden ist, um die eigentliche Aussage zu kaschieren, Fummeln mit Kindern sei nicht so schlimm.“ Leonhardt hatte 1969 in der „Zeit“ eine dreiteilige Serie unter dem Titel „Unfug mit Unschuld und Unzucht“ veröffentlicht, in der er für eine Entkriminalisierung von Sex mit Kindern eintritt. “

Und jetzt erneut dieser Skandal. Auch wenn es für Sie peinlich ist, Herr Lorenzo: Aber – angesichts der Tatsache, dass Sie in Ihrer Publikation tatsächlich Argumente nun nicht nur für „Fummeln“, sondern handfesten „Sex mit Kindern ist nicht so schlimm“ sammeln lassen, ist schon wieder eine Entschuldigung fällig. Mindestens!

(c) Screenshot Zeit-online