Ein Gastbeitrag von Jürgen Fritz

Liebe CDU-Mitglieder, Ihrer Kanzlerin und etlichen ihrer Vasallen mangelt es an den elementarsten Unterscheidungen, ganz besonders aber an der wichtigsten überhaupt, wenn sie die sogenannte „Flüchtlingskrise“ – gemeint ist die Massenimmigration von Kulturfremden, zu einem beachtlichen Teil solche, die der freiheitlich-demokratischen, menschenrechtsorientierten Grundordnung vollkommen fremd gegenüberstehen – mit der deutschen Wiedervereinigung gleichsetzt: Die deutsche Wiedervereinigung war etwas Gutes, weil die Deutschen über viele, viele Jahrhunderte eine Nation, eine Kulturnation ausgebildet haben (das Volk der Dichter und Denker) mit gemeinsamer Sprache, mit gemeinsamen Traditionen, mit gemeinsamen ethisch-moralischen Wertvorstellungen. Diese Trennung war daher eine künstliche und auch sehr ungerechte.

Dieser grüne Multi-Kulti-Wahn aber, die Vermischung von verschiedenen Kulturen, die sich auf einem völlig unterschiedlichen Niveau bewegen, vor allem was die Ethik anbelangt, insbesondere die Stellung von Frauen und Mädchen und deren Unterdrückung (schwerer Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz des Art. 3 GG!) und das Verhältnis zu Andersdenkenden (schwerer Verstoß gegen den Freiheits- und Brüderlichkeitsgrundsatz!), aber auch was das Verhältnis zu Bildung, Wissenschaft, kritischem, reflexiven Denken, mithin zur europäischen Moderne anbelangt (ebenfalls schwere Verstöße gegen den Freiheitsgrundsatz!), was daher unweigerlich zu einer schweren Schädigung der weit höher entwickelten freiheitlich-demokratischen, menschenrechtsbasierten Kultur, wahrscheinlich auf lange Sicht deren Vernichtung respektive Selbstabschaffung führen wird, ist nichts Gutes, sondern etwas Schlechtes, etwas hochgradig Gefährliches, weil Destabilisierendes.

Die Multi-Kulti-Ideologie beruht auf einem schweren Denkfehler, der philosophisch längst widerlegt ist: dem Kulturrelativismus respektive dem ethischen Relativismus.

Kulturen und Moralen sind nicht per se gleichwertig, was Sie schon alleine daran erkennen können, dass kaum jemand auf die Idee käme, die nationalsozialistische Moral und Kultur mit der menschenrechtsorientierten auf eine Stufe zu stellen, weil jene nicht verallgemeinerbar ist, ähnlich wie die Mafia-Moral (Ehrenkodex untereinander, nicht aber gegenüber Nichtmafiosi). Ähnliches gilt für die islamische Kultur und Moral, die alle Nichtmuslime und auch Frauen systematisch diskriminiert und die mit unserem Grundgesetz, welches auf den universalen Menschenrechten fußt, nicht kompatibel ist. Solche Moralen sind immer nur günstig für einen ausgewählten Personenkreis. Sie sind also nicht vereinbar mit dem kategorischen Imperativ, wonach jede Handlungsmaxime verallgemeinerbar sein muss:

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde (Immanuel Kant). Um ethisch (nicht moralisch, sondern ethisch) legitimiert zu sein, muss man also wollen können, dass alle Menschen sich immer an diese Maxime halten. Die Schlüsselfrage für jede moralisch relevante Handlung lautet somit: Was, wenn jeder diese Maxime, diesen Grundsatz hätte und alle immer dementsprechend handeln würden? Will ich in so einer Welt leben?

Wenn diese Frage verneint werden muss, ist die Handlung ethisch nicht gerechtfertigt. Und zwar nicht relativ oder subjektiv, sondern objektiv und absolut. Hieraus sind alle Menschenrechte ableitbar. Genau das macht den Unterschied aus zwischen historisch und kulturell bedingter, relativer Moral und von aller Subjektivität befreiter Moralität beziehungsweise Ethik.

Menschen, die sich auf eine frühmittelalterliche arabische Moral berufen (historisch und kulturell bedingt), die Dinge vorschreibt wie: Personen, die vom angeblich „rechten Glauben“ abfallen (Apostaten) mit dem Tode zu bedrohen, Dieben die Hand abzuhacken (Körperstrafen), Menschen bei „Unzucht“ öffentlich auszupeitschen oder sexuell untreue Frauen zu Tode zu steinigen (bis zum Hals eingraben und dann solange große Steine in Gesicht und auf den Kopf werfen, bis die Frau tot ist), die glauben, die Frau stünde immer unter dem Mann, dieser dürfe mehrere Frauen gleichzeitig haben, sie aber nicht, der Mann dürfe auch kleine Mädchen heiraten und „die Ehe mit dem Kind vollziehen“, so wie auch Mohammed selbst, der als der ideale Mensch ausgegeben wird, dies mit einem kleinen Mädchen getan hat, eine Moral, die alle Nichtmuslime als Menschen dritter (Juden und Christen) oder vierter Klasse ansieht (Polytheisten, Atheisten, Agnostiker), die keine Ächtung der Sklaverei kennt, die die Menschenrechte unter den Vorbehalt der Scharia stellt usw. usf., solche Menschen haben ein Weltanschauung und eine Moral, die nicht mit der modernen europäischen, menschenrechtsbasierten auf einer Stufe steht.

Hunderttausend- oder gar millionenfach solche Personen noch dazu völlig unkontrolliert ins Land strömen zu lassen, wird auf mittlere und längere Sicht unweigerlich zu einer weiteren Bildung von Parallelgesellschaften führen und somit die innere Solidarität der Bevölkerung Deutschlands, die ohnehin schon schwer angeschlagen ist, zerstören.

Die Reduzierung der Problematik auf die Machbarkeitsfrage unter Abstrahierung der Frage, ob das, was man meint, es sei machbar – und selbst hier unterliegt Ihre Kanzlerin einem schweren Irrtum, der ebenfalls der Ignoranz oder Dummheit geschuldet sein dürfte, wenn nicht der Hybris -, überhaupt gut und sinnvoll ist, kann nicht anders als verantwortungslos und selbstzerstörerisch bezeichnet werden. Außerdem verräterisch an den Werten der europäischen Moderne, an Aufklärung und Humanismus (nicht Humanität, sondern Humanismus, wozu weit mehr gehört!), an unserer eigenen Verfassung, an unserem Grundgesetz, über dem niemand steht, auch nicht die gerade Regierenden.

Verräter aber, liebe CDU-Mitglieder, mag niemand.

Wer den Verrat mitträgt, sollte sich über die Konsequenzen im Klaren sein. Er kündigt die Loyalität, mithin die Grundlage von Solidarität in der Gemeinschaft auf. Das hat Folgen für das friedliche Zusammenleben!

Eine Nation kann ihre Narren überleben – und sogar ihre ehrgeizigsten Bürger. Aber sie kann nicht den Verrat von innen überleben.“ ( Marcus Tullius Cicero)

Die ersten Quittungen für diesen Verrat am eigenen Volk und an den eigenen Werten hat die CDU inzwischen bekommen. Weitere werden folgen. Ein Absturz in Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland, in welchem Ihre Kanzlerin ihren Wahlkreis hat, auf 18,99 Prozent. Nur noch Platz 3, deutlich hinter SPD und AfD!

In Kürze steht die nächste Landtagswahl an, am 18.09. in Berlin. Und dort könnte die CDU sogar auf Platz 4 zurückfallen, nicht nur unter 20 Prozent, nicht nur unter 19, nein, auch unter 18, vielleicht sogar unter 17 Prozent. Und das in der Hauptstadt unseres Landes!

Was ist aus der Partei Konrad Adenauers geworden, der für die Union 1957 über 50 Prozent holte? Mehr als alle anderen Parteien zusammen! Viele von Ihnen wissen es innerlich längst: Ihre Parteivorsitzende, die am meisten überschätzte Person auf diesem Planeten, zerstört Ihre Partei, sei es aus Illoyalität oder Inkompetenz. Sie fügt unserem Land und auch Europa schwersten Schaden zu. Aufrechte und mutige Parteimitglieder wie Wolfgang Bosbach ziehen sich zunehmend zurück. Tun Sie es ihm gleich!

Wenn Prinzipien- und Verfassungstreue für Sie keine Fremdworte sind, wenn Ihnen die Ideen der Aufklärung, insbesondere die von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wirklich etwas bedeuten und sie diese nicht weiter gefährden wollen, dann sollten Sie sich von dieser Kanzlerin, ihrem grenzenlosen Opportunismus und ihrem schäbigen Verrat an Deutschland, am eigenen Volk, an der Verfassung und den Werten der europäischen Moderne lossagen. Die CDU hat ihre demokratische und liberale, ihre ethisch-moralische Unschuld verloren. Seien Sie bitte konsequent und treten Sie, auch wenn es Ihnen nicht leicht fällt, aus dieser Partei aus! Es ist angesichts der Entwicklung der letzten Jahre und speziell der letzten zwölf Monate das einzig Richtige.

Denn: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. (Theodor W. Adorno: Minima Moralia)

Haben Sie bitte den Mut und die Courage und beteiligen Sie sich nicht länger an diesem Verrat unseres Landes, unserer Kultur, unserer Werte, unserem wunderbaren Grundgesetz, das da fußt auf den Leitideen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!

Postscriptum des Blogmachers:

(David Berger) Als Verantwortlicher dieses Blogs erlaube ich mir eine kleine, teilweise auch persönliche Randbemerkung. Es ehrt den Philosophen Jürgen Fritz, dass er in seinem tiefschürfenden Aufsatz eine der großen politischen Fragen, die viele Konservative umtreibt, sozusagen „ex alto“, vom Standpunkt einer höheren Weisheit aus, betrachtet. Das ist ja auch das Anliegen dieses Blogs.

Allerdings musste ich – in den Jahren, in denen ich im Dienste der Kirche und später auch für die sog. „Homo-Lobby“ gearbeitet habe – immer wieder einsehen, dass Politik in einer Demokratie eben auch durch den Kompromiss, Koalitionen und Pragmatismus überhaupt erst funktioniert. Wo sie nicht in Machiavellismus ausartet oder grundsätzliche, nicht verhandelbare Menschenrechte (wie etwa das Lebensrecht Ungeborener, Alter, Kranker oder Homosexueller) zur Disposition stellt, ist das ethisch vertretbar: Ja, wie Thomas von Aquin sagt, ist die Klugheit die Tugend der Politik schlechthin.

Insofern halte ich Massenaustritte der Klugen aus der CDU für fatal. Schneller als wir denken können, wird die Stunde gekommen sein, in der wir Brückenbauer aus dem konservativen Lager der CDU auf der einen und dem liberalen Flügel der AfD auf der anderen Seite brauchen, die dafür sorgen, dass es zu einem grundlegenden politischen Wandel und der dringend notwendigen Wende für Deutschland und damit auch Europa kommt!

 

Zum Autor: Jürgen Fritz studierte Philosophie (mit den Schwerpunkten Erkenntnistheorie und Ethik), Erziehungswissenschaft, Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt). Für seine philosophische Abschlussarbeit wurde er mit dem Michael-Raubal-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet. Inzwischen ist er als freier Autor tätig. 2012 erschien sein Buch „Das Kartenhaus der Erkenntnis – Warum wir Gründe brauchen und weshalb wir glauben müssen“ in zweiter Auflage.

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Foto: Bundesgschäftsstelle der CDU in Berlin © Thomas Riehle [CC BY-SA 2.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons