Ein Gastbeitrag von Kai Knut Werner

Als Schwuler – mit einem sehr späten Coming out, dachte ich: So, jetzt habe ich meine Angst überwunden und kann das Leben in einem freien Land genießen. Wobei, natürlich auch mit dem Blick über den Tellerrand Deutschlands! Ich zog nach Berlin und genoss die Zeit, ab und an hörte man schlimme Dinge, die in der Welt passierten. Aber irgendwie war dies weit weg und betraf uns nicht wirklich! Am 11.09.2001 saß ich nach einer langen Nacht beim Frühstück zur Mittagszeit und sah die Anschläge von New York und auf das Pentagon! Ich war schockiert, aber die Trageweite dieses Ereignisses und was dies für unsere Zukunft bedeutet – konnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht erfassen!

Natürlich gab es Unfrieden in verschiedenen Ländern dieser Erde. Aber seien wir mal ehrlich: haben wir uns wirklich dafür interessiert? Klar, da existierte dieser verrückte Ajatollah Khomeini, der im Iran sein Unwesen trieb! Allerdings gab auch ich einem gewissen Klientel in Deutschland eine Mitschuld an den dortigen Verhältnissen. Ich erinnere mich an die Rufe „Der Schah muss weg“, er war weg und dieses Klientel hatte sein Ziel erreicht – aber was dann in dem Land passierte, war irgendwie Nebensache!

Die Jahre vergingen, die Grünen fanden den Weg in die etablierte Politik und es gab die Wiedervereinigung und die neunziger Jahre waren irgendwie eine Zeit, in der viel gefeiert wurde.

In Jugoslawien gab es irgendwie einen Krieg – naja, hat man so mitbekommen, obwohl das Land eigentlich sehr nah ist, war man nicht wirklich betroffen.

Nach 9/11 hat sich aber alles verändert – die westliche Welt, die sich in Wirklichkeit nur noch mit den Fragen beschäftige, wie der einzelne besser leben kann oder wie die, die vielleicht anders sind, auch integriert werden! CSD´s wurden zur Selbstverständlichkeit, Homosexuelle gingen für ihre Rechte auf die Straße! Für mich war 9/11 ein Wendepunkt. Die Anschläge waren der Beginn der Diskussion, was ein Glaube – also der Islam – auch in der westlichen Welt anrichten könnte!

Spätestens da hätten alle Homosexuelle hellhörig werden müssen, aber man beschäftige sich eher damit, die angeblichen Unterdrückungen in den eigenen Ländern zu kritisieren. Keiner hat wirklich nachgefragt, wie es Homosexuellen in islamischen Ländern zu dieser Zeit ging! Vielmehr noch –man ergötzte sich an idealisierten Bilden von homoerotischen Beschreibungen in muslimischen Ländern!

Das war auch die Geburtsstunde solcher Sätze wie: „Hat nichts mit dem Islam zu tun“ oder „Der Islam ist eine friedliche Religion“. Was dem ganzen dann die Krone aufsetzte, war der Erklärungsversuche mit dem Argument – „Die Christen – und hier vor allem die katholische Kirche – haben über Jahrhunderte die Menschheit gequält. Und sind daher auch nicht besser!“

Zu dem Zeitpunkt fing ich an, mich mit dem Islam zu befassen, weil er in den deutschen Alltag mehr und mehr eingezogen ist – immer mehr Moscheen entstanden und des öfteren hörte man die Forderung nach mehr Toleranz gegenüber dieser Religion. Komisch, eigentlich ging ich davon aus, dass Religion in unserer säkularen Gesellschaft keine Forderungen mehr zu stellen hat.

Seltsamerweise wurde diese Toleranz von denen unterstützt, die den christlichen Kirchen sehr distanziert gegenüber standen. Da gab es einen Herrn Ströbele, der die Forderung nach islamischen Feiertagen stellte. Gerichte mussten sich damit befassen, ob eine Frau mit einem Kopftuch unterrichten darf oder Richterin werden kann. Schweinefleisch war auf einmal auch ein Politikum oder die Frage, ob Schüler während des Ramadans keine Klassenarbeiten mehr schreiben sollten und ob Mädchen an Schwimmunterricht teilnehmen dürfen.

Richtig massiv wurde die Diskussion, als die große Flüchtlingswelle Deutschland erreichte – da kamen Menschen, die in keinster Weise mit unserer freien Lebensform und Gleichberechtigung vertraut waren und Dinge mitbrachten, die schwer zu verstehen sind. Auf einmal waren wir mit Kinderehen, Männern mit mehr als einer Ehefrau, etc. konfrontiert. Alles Dinge, die der Islam erlaubt!

Es kamen auch Homosexuelle, die glaubten mit der Flucht auch eine sexuelle Freiheit zu finden. Aber diejenigen, die auch die Freiheit suchten, verprügelten die Homosexuellen und fühlten sich auch noch im Recht! Gutmenschen kommentierten dies mit: „Die müssen sich erst noch anpassen“. Sorry – nein, wer nach Deutschland kommt, muss wissen wie wir hier leben!

Was mich besonders wütend macht: Jetzt leben wir in einer Zeit, in der uns der Islam mehr betrifft als wir wahrhaben wollen! Angefangen mit der Einschränkung der Reisefreiheit – die europäischen Länder sind ausgebucht, weil keiner mehr in die Türkei oder andere vorwiegend muslimische Länder fahren möchte. Das Oktoberfest bekommt einen Zaun und es dürfen keine Rucksäcke oder Taschen mit einer bestimmten Größe mehr mitgenommen werden. Veranstaltungen werden abgesagt oder finden unter großen Sicherheitsmaßnahmen statt.

Vermutlich müssen wir Millionen, ja Milliarden für Sicherheit ausgeben, damit wir nicht von einer Bombe getroffen werden, einer mit einem LKW über einen Festplatz donnert oder in einem Konzertsaal um sich schießt und dabei „Allahu Akbar“ brüllt!

Als Europäer wünsche ich mir ein klares Statement zu unseren freiheitlich-demokratischen Werten – ohne die übliche Tränendrüsentaktik. Wer die Freiheit genießen möchte muss sie auch akzeptieren!

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