(David Berger) Gestern um kurz nach 14 Uhr wartete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit einer „Exklusivnachricht“ auf, die in Windeseile und kurzerhand von der dpa bis zum „Landboten von Hützelstücht“ ungeprüft übernommen und verbreitet wurde: „F.A.Z. exklusiv – Amokläufer von München war Rechtsextremist“.

FAZ exklusiv

Dabei beruft man sich auf das „engste Umfeld“ des Amokläufers, liefert aber wohlweislich keine genaueren Angaben, die Nachricht soll ja exklusiv bleiben. Und vor allem nicht nachprüfbar.

So ungesichert das war, was man in die Welt setzte, so genau wusste man bei der FAZ: auf diese Nachricht haben alle unsere großen, von linksgrünen Journalisten geprägten Medien mit einer unbeschreiblichen Sehnsucht gewartet.

Nachdem das Weltbild des linksgrünen Gutmenschjournalisten durch die Wucht des Faktischen bei all den letzten Terrorakten immer wieder starke Risse bekommen hatte, die man durch allerlei Relativierungen nur mühsam kitten konnte, war das Balsam auf die verwundete Seele unserer Qualitätsjournalisten.

Und sie behielten recht: bis heute morgen noch schreiben alle online, printeten in der vergangenen Nacht alle schön brav nach, was ihnen die FAZ serviert hatte. Der Fall Gauland/Boateng, wo man die Öffentlichkeit schon einmal ganz bewusst getäuscht hatte, war offensichtlich schon wieder vergessen.

Die „Süddeutsche“ hat nun statt mit-fantasiert, noch mal genauer recherchiert und konnte gestern Abend feststellen: „Die Staatsanwaltschaft geht derzeit nicht davon aus, dass David S. aus rechtsextremistischen Motiven gehandelt haben könnte.“

Dabei löst die FAZ, die einst als Deutschlands seriöseste Tageszeitung galt, ein, was die NZZ  zum Zustand des deutschen Journalismus vorgestern so treffend schrieb:

„Was an diesen Beispielen auffällt, ist der Verzicht auf recherchegestützte Information und ruhige Argumentation. Differenzierungen gelten schon als Appeasement. «Haltung» ist gefordert, nicht kritische Selbstkontrolle eigener Wahrnehmungen und Urteile. Anstatt zwischen konservativ, rechts, rechtspopulistisch und rechtsextrem zu unterscheiden, wird der gesamte Kommunikationsraum, der sich in Opposition zum linksliberal-grünen Justemilieu zu etablieren beginnt, zu einer Zone des Bösen erklärt, die unter Quarantäne zu stellen ist.“

Viele Fragen, die weiterhin offen sind: Was wurde aus den Zeugen, die den Ruf „Allahu Akbar“ gehört haben? Warum wurde aus „Ali Daoud“ schlicht „David“? Warum war ein BR-Journalist, der schon in Nizza zufällig am Tatort war, nun wieder zufällig dabei? Zu weiteren Ungereimtheiten in der Berichterstattung über München, gibt es hier manch Spannendes: Compact-Online

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