Wie die Systemmedien in der Corona-Krise Angst erzeugen und gleichzeitig das Beruhigungsmittel Normalität verabreichen. So schafft man Vertrauen und dankbare Abhängigkeit. Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Einer von Loriots Sketchen. Ort der Handlung: ein Restaurant. Ein alleine am Tisch sitzender Gast beginnt zu essen, wird aber ständig von Vorbeigehenden mit einem, ihn heftig störenden „Guten Appetit!“ bedacht. Nach dem xten Mal rastet er aus und brüllt einen Überbringer des Wunsches an, dass er in Ruhe essen möchte.

Nadelstiche

Die ständige Wiederholung von Wörtern oder ganzen Phrasen, das weiß man, wirkt wie eine körperliche Belästigung mit Nadelstichen. (Beispiel: Der Bayerische Rundfunk nervt die Hörer vor jedem Programmbeginn damit: „Bayern 2 – grenzenlos hören“).  Kann man sich dieser verbalen Nadelstiche nicht mehr erwehren, dann führt es dazu, dass man in Zorn gerät. Die Wiederholung eines Drohwortes kann sogar Panik auslösen.

„Feuer-Feuerio!“ hallte es Jahrhunderte durch die Gassen und Straßen entsetzt in die nächtliche Stille, stürmten die Glocken über die Dächer hinweg, rief einer dem anderen zu und wie das Feuer selbst, raste dieser Schreckensruf von Mund zu Mund, von Haus zu Haus, um dem rasenden Feuer Einhalt zu gebieten.“

Dauergast Corona

Die alltägliche, außer durch Abschalten nicht zu vermeidende Konfrontation mit den coronagespickten  Nachrichten der öffentlich-rechtlichen GEZ-Anstalten hat mittlerweile die beschriebene Wirkung von Feueralarm. Zudem kommt fast keine Sendung zu irgendeinem x-beliebigen Thema aus ohne das Wort Corona.

Zur Bekräftigung der Bedrohung sehen wir im Fernsehen riesige Hintergrundbilder mit farbigen Corona-Bällen und gefährlichen Saugnäpfen. In Überlebensgröße dargestellt, erweckt auch nur der Gedanke an ein  einziges derartiges Virus die Bedrohung eines Feuerballs, der deinem und meinem Leben schnell eine Ende bereitet, sollten wir ihm begegnen und er sich in unser Inneres einschleicht.

Wir sind im Dauer-Alarm, wie damals, als die Bilder aus  Bergamo in Norditalien die Phantasie des Zuschauers so heftig anregten, dass er sich schon in  einem zugenagelten Sarg Richtung Krematorium fahren sah.

Mit Zahlen in die Irre gehen

Womit wir ständig konfrontiert, nein, bombardiert werden, sind sog. „Infektionszahlen.“ Die  relative  Fragwürdigkeit ergibt sich schlichtweg daraus, dass sie

a) keine Erkrankungszahlen,

b) keine Angaben zum Durchschnittsalter der Infizierten,

c) keine Angaben zur covid-bezogenen Todesursache und

d) keine Relation zu Steigerung der durchgeführten Tests enthalten.

Von der medizinisch-wissenschaftlichen Fragwürdigkeit der Tests hinter den Zahlen einmal ganz zu schweigen. Dazu kann man im Zweifelsfall bitte ausreichend Informationen im Netz recherchieren.

Was die kontextlosen Rohdaten bewirken: Angst und Panik bei den Zuschauern und Hörern zu Hause. Man möchte hypothetisch fragen: Wie wäre es, täglich die Zahlen der Herzinfarkt-, Hirnschlag- und Krebstoten zu veröffentlichen? Oder der Unfalltoten? Wer traut sich dann überhaupt noch leben? Die Erfahrung mit Menschen, die einem im Freien begegnen, an frischer Luft Maske tragen und dennoch deutlich beim Vorübergehen ausweichen, legt den Verdacht nahe, dass wir es mit einer nationalen Panik light zu tun haben, die noch steigerungsfähig ist.

Ein Blick auf die Definition: „Panik ist ein Zustand intensiver Angst vor einer tatsächlichen oder angenommenen Bedrohung.“ (Wikipedia)

Panik macht gehorsame Bürger

Corona in Wort- und Bildkombination – das ist die ideale Methode, Todesangst zu erzeugen, sie in der Wiederholung zur Panik  zu steigern und den Zuschauer  hilfesuchend nach einer rettenden Hand Ausschau  halten zu lassen. Es glimmt Hoffnung am Horizont  in den mahnenden Rettungsworten der Kanzlerin, des Gesundheitsministers Spahn und der Ministerpräsidenten-Versammlung (allen voran Söder), wie freiheitsbeschränkend die Maßnahmen auch sein mögen.

Rettung ist möglich, wenn, ja wenn wir alle Anordnungen – ohne Ausnahme –  beherzigen und nicht im Geringsten an ihrer Sinnhaftigkeit zweifeln. Damit 100%ige Verinnerlichung der Corona-Maßnahmen garantiert ist, hilft Herr Dr. Lauterbach mit modellbasierten Schreckenszahlen und biblisch-apokalyptischen Visionen nach.

Kompetenz und Inkompetenz – zweierlei Maß

Wer sich den Corona-Meldungen tagein-tagsüber-tagaus nicht gläubig unterwirft, gilt als ein verantwortungsloser Ignorant, ein „Covidiot“, der von Medizin nichts versteht. Da haben es die Zunicker-Zuschauer von ARD/ZDF  leichter. Akzeptieren sie, was die Claus-Kleber-Jünger von sich geben, brauchen sie sich nicht dem Vorwurf der Ignoranz auszusetzen. Zustimmung zum Mainstream ist ausreichender Kompetenz-Nachweis. Widerspruch zum Maßnahmenkatalog  provoziert in Gesprächen sofort die Forderung nach zu liefernder fachlicher Kompetenz,  was der Nicht-Mediziner natürlich nicht vorweisen kann.

Dennoch: Auch ein Nicht-Virologe oder Nicht-Epidemiologe, der sich über andere Quellen informiert, wird feststellen, dass es durchaus Kompetenz jenseits von Dr. Drosten gibt, die offiziell ignoriert wird, weil sie sich nicht regierungsgehorsam verhält.

Die medizinische Seite soll hier – qua eingeräumter mangelnder Kompetenz des Verfassers – nicht angesprochen werden. Die Berechtigung einer  Kommentierung leitet  sich lediglich daraus ab, dass ich GEZ-Gebühren zahlen  und – wie jeder andere Bürger –  das Produkt „Information“ entgegennehmen muss, aber gleichzeitig den Imperativ des Immanuel Kant verinnerlicht habe: nämlich, mich meines eigenen Verstandes zu bedienen, anstatt den epidemiologischen Einheitsfraß, serviert von keineswegs medizinisch qualifizierten Redaktionen und  Nachrichtensprechern,  unreflektiert in mich aufzunehmen.

Gift und Gegengift

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, sagte unser Nationaldichter Hölderlin. Die Rettung kommt – nicht zufällig – von eben denen, welche die Gefahr anheizen, also von den öffentlich-rechtlichen Bezahlsendern.  Deren Programmgestaltung  ist, gewissermaßen ein Narkotikum gegen die stetig  panikerzeugenden  Corona-Schleifen,  auffällig zentriert auf Beruhigendes, Nostalgisches und  Häusliches zum Gerne-Daheim-Bleiben:  Kochen, Gesundheit, Heimat, Brauchtum, Natur, ausgestorbenes Handwerk.

Es ist inszenierte Ersatz-Wirklichkeit aus den Tagen der gefühlt heilen Welt des Gestern, verabreicht  zur Beruhigung nationaler Nervosität, das Zuckerbrot nach der Peitsche. In dieser Wirklichkeit dürfen wir vergessen und verdrängen, in welcher neuen, von oben herab  zunehmend engmaschig kontrollierten, freiheitsbeschränkenden  Wirklichkeit wir zu leben uns gefügt haben. Das Gegengift nehmen wir, von der Last der Angst befreit,  an – in bewusstloser Dankbarkeit gegenüber dem, der das Gift verabreicht hat.

Aktion „Meine Weihnachtsgabe für Philosophia Perennis“