Queerbeauftragter der Bischöfe warnt vor Patriarchat, Bibel und Tradition

(David Berger) Der Essener Weihbischof Ludger Schepers, Queerbeauftragter der Deutsche Bischofskonferenz, hat laut einem aktuellen Bericht der Die Tagespost vor einer Rückkehr zu „patriarchalen“ Geschlechterbildern gewarnt und einen grundlegenden Kurswechsel der Kirche gefordert. Ein Bischofswort, das jede Katholizität hinter sich gelassen und die Gläubigen auffordert, sich in die „erniedrigende Sklaverei, ein Kind ihrer Zeit zu sein“ zu stürzen.

Schepers argumentiert, die Kirche habe über Jahrhunderte patriarchale Strukturen nicht nur geduldet, sondern aktiv gefördert; solche Muster dienten Machtinteressen und hätten mit dem eigentlichen christlichen Glauben nichts zu tun. Zudem betont er, geschlechtliche Vielfalt sei kein modernes Phänomen, sondern Teil der Schöpfung: „Die Vielfalt menschlicher Identitäten – ob homo-, trans- oder intergeschlechtlich – ist kein modernes Konstrukt, sondern Teil von Gottes Schöpfungsplan“. Traditionelle Rollenbilder – etwa im Trend der sogenannten „Tradwives“ – deutet er als politisch motivierte Rückschritte, die Freiheit und Gleichberechtigung gefährdeten.

Mehr Queeraktivist als Bischof

Offensichtlich hat Schepers in seinem Studium das der Kirchengeschichte ausgelassen, sonst hätte er die Geschichte der Kirche nicht so stark verkürzt dargestellt. Die pauschale Behauptung, patriarchale Strukturen seien primär Ausdruck von Machtinteressen gewesen, blendet aus, dass traditionelle Geschlechterrollen im Christentum über Jahrhunderte auch aus theologischen, anthropologischen und kulturellen Überzeugungen hervorgingen. Wo ist in der Bibel oder in einem Konzil irgendwo die Rede von 58 Geschlechtern? Schrift und Tradition, die Säulen kirchlicher Lehre und das Fundament, von dem er als Bischof überhaupt erst seine Legitimation hat, einfach als „Irrweg“ zu deklarieren, sägt den Baum um, auf dem er nur auf einem ohnehin sehr wackeligen Ast sitzt. Dass das Versagen solcher Kirchenfürsten in der Corona-Zeit kein Ausrutscher war, wird in den letzten Jahren immer deutlicher: Sie verraten das, woran sie offensichtlich nie glaubten.

Ebenso unklar wie die Antwort auf die Frage, was „queer“ genau bedeuten soll, bleibt die Antwort auf die Frage, auf welcher Grundlage und mit welcher Autorität Schepers eben mal en passant zentrale Aussagen der kirchlichen Lehre relativiert. Wenn geschlechtliche Vielfalt unmittelbar als Teil des „Schöpfungsplans“ definiert wird, steht dies in Spannung zu bisherigen lehramtlichen Positionen, die zwischen Würde jeder Person und moralischer Bewertung bestimmter Lebensformen unterscheiden. Seine Argumentation verschiebt diese Unterscheidung, ohne sie wirklich zu begründen.

Selbstkritik Fehlanzeige

Besonders bizarre ist sein Versuch der Machtkritik: Während die „katholische“ Queerbewegung die katholische Sittenlehre zugunsten der Gleichschaltung mit den gerade politisch Mächtigen aufgibt, glaubt sie mit dem höchst selektiven Verweis auf angebliche „politische Interessen“ hinter traditionellen Rollenbildern von ihren eigenen Blindstellen abzulenken. Während konservative Lebensentwürfe als ideologisch motiviert gelten, erscheinen progressive Positionen bei Schepers implizit als neutral oder sogar theologisch geboten. Damit droht jedoch genau das, was er kritisiert – eine Instrumentalisierung des Glaubens für zeitgenössische gesellschaftspolitische Agenden. Kurzum: Der eine bischofsberingte Finger, mit dem er auf die anderen verweist, zeigt dreifach auf ihn selbst zurück. Dass er dabei ganz im Rahmen der diabolischen Gleichschaltung mit antichristliche und antidemokratischen Strukturen argumentiert, die auch nicht wenige seiner Mitbrüder antreiben, macht die Sache nicht besser.

Auch die Abwertung von Trends wie „Tradwives“ als „künstliche Ästhetik“ greift zu kurz. Solche Strömungen spiegeln reale Bedürfnisse nach Orientierung, Stabilität oder klaren Rollenbildern wider. Diese pauschal als rückschrittlich zu diskreditieren, verhindert einen ernsthaften Dialog über unterschiedliche Lebensentwürfe. Und fällt ausgerechnet jenen katholischen Frauen in den Rücken, die in dieser Bewegung stark vertreten sind – oft sogar ohne sich dabei in eine Schublade einzuordnen. Was sie tun, ist schlicht einer 2000-jährigen, bewehrten Tradition der Catholica zu folgen. Und so stellt sich schließlich die grundsätzliche Frage nach der Identität der Kirche. Wenn zentrale Elemente der Tradition primär als Fehlentwicklungen interpretiert werden, droht die Kirche ihre eigene Kontinuität infrage zu stellen: Reform ohne Bindung an die eigene Überlieferung wird zur bloßen Anpassung an den Zeitgeist. Wird zum Vergessen dessen, was der großartige Romancier Gilberth K. Chesterton der Kirche ins Stammbuch schrieb und was derzeit hunderttausende junge Menschen zurück zu den Sakramenten der Kirche treibt: „Die katholische Kirche ist das Einzige, was den Menschen von der erniedrigenden Sklaverei befreit, ein Kind seiner Zeit zu sein.“

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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