Mit großem medialem Aufwand präsentiert das Recherchekollektiv Correctiv derzeit seine neue Kampagne zum Thema Missbrauch in der Kirche. Die „Tagespost“ berichtet davon, dass der Correctiv-Seniorreporter Markus Bensmann seine Dokumentation „Akten des Missbrauchs. Die Geschichte der organisierten Verbrechen im Vatikan“ am vergangenen Freitagabend im Leipziger „Luru-Kino“ erstmalig öffentlich präsentiert hat. Im Zentrum steht dabei einmal mehr der deutsche Papst Benedikt XVI. – dargestellt als Schlüsselfigur eines Systems, das angeblich über Jahrzehnte hinweg Schuld vertuscht habe. Benedikt war von Anfang an linken Kreisen sowie den Epstein-Netzwerken weltweit ein erheblicher Dorn im Auge, die ihn vermutlich auch zu seinem bizarren Rücktritt zwangen. Was sich als Beitrag zur Aufklärung ausgibt, trägt bei näherer Betrachtung Züge einer üblen Verleumdung des als konservativ katholisch geltenden Papstes aus Bayern. Die komplexe Wirklichkeit kirchlicher Entscheidungsprozesse wird auf ein einfaches Deutungsmuster reduziert: Hier das angeblich allmächtige System – dort die Opfer. Und in der Mitte: Joseph Ratzinger als Symbolfigur persönlicher und struktureller Schuld.
Benedikt sorgte für revolutionäre Aufarbeitung der Missbrauchsskandale
Zweifellos ist die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals eine bleibende Verpflichtung der Kirche. Doch gerade deshalb darf sie nicht auf Kosten der Wahrheit vereinfacht werden. Denn die historische Realität ist widersprüchlicher, als es die Erzählung von Correctiv nahelegt. So gehört es zu den kaum bestrittenen Fakten, dass Joseph Ratzinger bereits lange vor seinem Pontifikat zu denjenigen gehörte, die auf eine konsequentere Verfolgung von Missbrauch drängten. Innerhalb der römischen Kurie setzte er sich dafür ein, Verfahren zu zentralisieren und kirchenrechtlich zu verschärfen – gegen nicht unerhebliche Widerstände. Mehr noch: Als Präfekt der Glaubenskongregation und später als Papst war Benedikt XVI. maßgeblich daran beteiligt, den Umgang der Kirche mit Tätern grundlegend zu verändern. Er schuf rechtliche Voraussetzungen zur Entlassung von Priestern und trieb eine Linie voran, die heute oft als „Null-Toleranz“ bezeichnet wird.
Ein besonders markantes Beispiel ist der Fall der Legionäre Christi. Deren Gründer, Marcial Maciel, hatte über Jahrzehnte schwerste Verbrechen begangen. Während sein Fall zuvor verschleppt worden war, nahm Joseph Ratzinger die Ermittlungen wieder auf und leitete schließlich als Papst konkrete Maßnahmen ein, die Maciel zum Rückzug zwangen und den Weg für eine tiefgreifende Reform der Gemeinschaft ebneten.
Gerade dieser Punkt wiegt schwer: Benedikt XVI. war nicht Teil einer passiven Kultur des Wegsehens, sondern einer der ersten, der systematisch dagegen vorging – und dies zu einer Zeit, in der das Problembewusstsein innerhalb der Kirche vielerorts noch unzureichend ausgeprägt war. Dass all dies in der aktuellen Berichterstattung nur am Rande oder gar nicht vorkommt, ist bezeichnend. Stattdessen wird ein Narrativ verstärkt, das Benedikt XVI. nahezu monokausal für ein weltweites Versagen verantwortlich macht. Dabei wird ausgeblendet, dass Missbrauchsfälle sich über Jahrzehnte und unter unterschiedlichen Verantwortlichen und zu einer Zeit, in der Missbrauch gerade von Linken systematisch verharmlost wurde, entwickelt haben – und dass strukturelle Veränderungen immer Zeit benötigen.
Die Opfer ein zweites mal missbraucht
Correctiv fordert weitere Transparenz. Das ist legitim. Doch Transparenz darf nicht selektiv sein. Wer ernsthaft zur Aufklärung beitragen will, muss auch jene Fakten benennen, die nicht in das eigene Deutungsmuster passen. Vertreter der Kirche haben schwere Schuld auf sich geladen. Aber es waren auch Vertreter der Kirche, die – nicht zuletzt unter Benedikt XVI. – begonnen haben, Konsequenzen zu ziehen. Diese Ambivalenz auszuhalten, ist mühsam. Sie zugunsten eines einfachen Schuldnarrativs aufzulösen, mag publizistisch wirksam sein, dient jedoch weder den Opfern noch der Wahrheit. Aber das ist eben der toxische Stil, mit dem „Correctiv“ seit vielen Jahren arbeitet. Es geht dort nicht um Journalismus oder Aufarbeitung, sondern immer nur um Propaganda im Sinne der Financiers des Unternehmens. Er führt dazu, dass die Opfer ein zweites mal missbraucht werden, um eine bestimmte kirchenpolitische Agenda zu verfolgen.
So bleibt auch hier der Eindruck: Hier geht es nicht nur um Aufklärung, sondern auch um Deutungshoheit. Und in diesem Kampf wird selbst ein heiligmäßiger, absolut integrer Papst, der entscheidende Schritte zur Bekämpfung des Missbrauchs eingeleitet hat, zur Projektionsfläche einer einseitigen Anklage.
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