NGO, die keiner braucht? Immer weniger Christen wollen Kirchensteuer zahlen

(David Berger) Die beiden großen christlichen Amtskirchen in Deutschland verlieren weiterhin massiv Mitglieder. Neue Zahlen zeigen: Ende 2025 gehörten der katholischen und der evangelischen Kirche zusammen nur noch rund 36,6 Millionen Menschen an – etwa 1,2 Millionen weniger als im Jahr zuvor. Damit setzt sich der langjährige Trend des Mitgliederschwunds ungebremst fort.

Allein im Jahr 2025 traten über 600.000 Menschen aus den Kirchen aus – etwa 350.000 aus der evangelischen Kirche und rund 307.000 aus der katholischen. Neben Austritten tragen auch Todesfälle zum Rückgang bei, der durch Taufen oder Neueintritte nicht annähernd ausgeglichen wird. Der Mitgliederschwund trifft die Kirchen nicht nur ideell, sondern auch finanziell. Letzteres wird vermutlich von vielen der Verantwortlichen als besonders schmerzhaft wahrgenommen. In Deutschland zahlen Kirchenmitglieder eine sogenannte Kirchensteuer, die einen erheblichen Teil der Einnahmen ausmacht. Wenn Hunderttausende Menschen austreten, bedeutet das automatisch große Einnahmeverluste in Millionenhöhe. Ein sog. Kirchenaustritt bedeutet allerdings nicht, dass man nicht mehr Mitglied der katholischen Kirche ist.

Bereits in den vergangenen Jahren hat sich dieser Trend verstärkt. Mehrfach erklärten Hunderttausende Menschen jährlich den Austritt aus der Kirchensteuer-„Kirche“, teilweise sogar über eine halbe Million pro Jahr, besonders auffällig seit dem fast kompletten Versagen der Kirchen in der Corona-Zeit.

„Dafür zahle ich nicht unbedingt Kirchensteuer“

Neben finanziellen Gründen oder einer allgemeinen Säkularisierung sehen viele Beobachter vor allem ein Glaubwürdigkeitsproblem als zentrale Ursache für den Exodus. Immer mehr Menschen haben den Eindruck, dass die Kirchen ihre eigenen religiösen Grundlagen zugunsten gesellschaftlicher Trends relativieren, nichts anderes sind, als eine Art NGO, die der teilweise sogar antichristlichen Agenda der herrschenden Politiker nur noch einen pseudoreligiösen Anstrich verleiht, ähnlich wie die Ethikkommission unter Alena Buyx.

In vielen öffentlichen Debatten treten Kirchenvertreter heute vor allem mit politischen Stellungnahmen oder moralischen Positionierungen zu aktuellen Themen auf. Kritiker sagen, dass sich die Kirchen dadurch zu stark an den jeweiligen Zeitgeist anpassen und ihre ursprüngliche Aufgabe – die Verkündigung des Glaubens – in den Hintergrund tritt. Selbst eine Politikerin wie Julia Klöckner (CDU) hat sich dazu inzwischen sehr kritisch geäußert. Klöckner stellte vor einigen Monaten zurecht fest, dass sich die Kirchen zu stark zu tagespolitischen Themen äußern und dabei ihre eigentliche religiöse Aufgabe vernachlässigen. In einem Interview sagte sie, kirchliche Stellungnahmen würden manchmal wirken „wie die einer NGO“. Als Beispiel nannte sie politische Themen wie ein Tempolimit: „Klar kann sich Kirche auch zu Tempo 130 äußern, aber dafür zahle ich jetzt nicht unbedingt Kirchensteuer.“

Interessanterweise steigt die Zahl der Erwachsenentaufen, Konversionen und Gottesdienstbesuchern in den traditionell katholisch orientierten Gemeinden deutlich an, eben dort, wo man die Sakramente im Rahmen würdiger Gottesdienste empfangen kann und nicht mit Aufrufen zu einem „Kreuzzug gegen Rechts“ genervt wird.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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