Alice Weidel: Absage an Islam-Talk von Constantin Schreiber

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(David Berger) Ein Instagram-Post des Journalisten Constantin Schreiber, der ausnahmsweise einmal nicht mit einem Foto von ihm oder seinen Turnschuhen bebildert ist, sorgt derzeit für Aufregung. Schreiber erklärt, dass in seiner Late-Night-Show bislang noch kein Politiker der AfD aufgetreten sei. Für eine Berliner Ausgabe zum Thema Islam habe er erstmals die AfD-Vorsitzende Alice Weidel zu einem Interview eingeladen, diese habe jedoch mit Hinweis auf Sicherheitsbedenken abgesagt. Ähnliche Zurückhaltung habe er auch bei Politikern anderer großer Parteien erlebt, die ebenfalls nicht an der Diskussion teilnehmen wollten. 

Schreiber: „Zu meiner Late Night hatte ich bisher noch keinen Politiker der AfD eingeladen. Zu meiner Show am Donnerstag in Berlin zum Thema Islam habe ich dieses Mal eine Einladung an AfD-Chefin Alice Weidel für ein Interview ausgesprochen. Mich erreichte daraufhin eine Absage, mit der Begründung, Frau Weidel möchte „aus Sicherheitsaspekten mit dem Thema nicht so prominent an die Öffentlichkeit gehen.“ Ich glaube, die Sicherheitssorge teilt sie mit den vielen anderen Politikern aller weiteren großen Parteien, die ich angefragt habe, die ebenfalls nicht zu dem Thema auftreten möchten. Schade, dass wir zu manchen Themen offenbar nicht (mehr) offen reden können. Ich versuche es am Donnerstag mit meinem wunderbaren Gästen Sineb El-Masrar, Lars Castellucci, Mouhanad Khorchide und Imam Charjil Khalid trotzdem.“ (Quelle)

Schreiber 2023: Aus Sicherheitsgründen Schweigen über den Islam?

Der Journalist Schreiber berichtete 2023 selbst von mehreren negativen Erfahrungen im Zusammenhang mit seiner Arbeit zum Thema Islam. Diese führten schließlich dazu, dass er ankündigte, sich öffentlich nicht mehr dazu äußern zu wollen.

Schreiber erklärte, er habe wiederholt Drohungen erhalten – unter anderem wurde er laut eigenen Angaben sogar vor seiner Wohnung von einem Taxifahrer bedroht. Diese Vorfälle hätten ihn stark belastet. Im August 2023 wurde er bei einem Auftritt an der Friedrich-Schiller-Universität Jena von einem Aktivisten mit einer Torte im Gesicht angegriffen. Das Ereignis wurde gefilmt und im Internet verbreitet. Schreiber berichtete außerdem von dauerhaften öffentlichen Anfeindungen und aggressiven Reaktionen auf seine Bücher und Beiträge über den Islam.

Er sagte, diese Atmosphäre habe viel „Negativität“ in sein Leben gebracht. Als Reaktion erklärte Schreiber in einem Interview, er werde künftig keine Bücher mehr über den Islam schreiben und keine Talkshow- oder Medienanfragen zu diesem Thema annehmen.

Nach Abschied von „Tagesschau“: Islam wird wieder Thema Schreibers

Zwei Jahre danach konnten wir bei PP berichten (20.09.25): Vor ziemlich genau zwei Jahren gab der bekannte Journalist und Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber bekannt, dass er sich nach Gewaltdrohungen und aggressiven Übergriffen Linksradikaler nicht mehr zum Thema Islam äußern wolle. Kaum hat er von der ARD zur „Welt“ gewechselt, nun eine komplette Wende…

Damals kommentierte ich diesen Rückzug mit den Worten: „Nach all der Energie, die Schreiber in seine Recherchen zum Islam gesteckt hat – er lernte u.a. Arabisch – schockieren diese Aussagen und lassen fragen: Waren es wirklich der Tortenangriff an der Uni Jena und die Drohungen eines Taxifahrers, die Schreiber nun zu diesem radikalen Schritt bewegten. War es wirklich reine „Selbstzensur“, wie Nius schreibt. Oder wurden sie nur zum Anlass genommen, um seiner Karriere bei der ARD nicht zu schaden? Kamen da eventuell Aussagen von Vorgesetzten und Kollegen, die so oder so ähnlich klangen: „Solche Bilder wie der Tortenwurf schaden dem Image eines Tagesschausprechers“?“ (Quelle)

Karriere bei der „Tagesschau“ ging trotzdem zuende

Nun ist die Karriere bei der ARD doch trotz Rückzug vom Thema zuende gegangen und Schreiber ist für die „Welt“ in Israel tätig. Und mit dem Abschied von der ARD und der Luft von Tel Aviv kommt nun auch ein Stimmungswandel. Auf X schreibt er:

„Schweigen bringt nichts“ – habe ich gestern in der Welt geschrieben. Was mir Sorgen macht: Dass Meinungsfreiheit in Deutschland zunehmend unter Druck gerät. Aktuelle Beispiele: Julia Ruhs und Dunja Hayali.

Ich kenne es aber selber nur zu gut: Den Hass. Im Video ein paar Beispiele. 2023 erklärte ich, dass ich zum Islam nichts mehr sagen werden. Heute weiß ich: Das ist falsch. Meinungsfreiheit müssen wir – gerade wir Journalisten – verteidigen, indem wir uns äußern und auch standhaft bleiben bei kontroversen Themen.

Eigentlich erfreulich oder? Dass er die völlig verschiedenen Fälle von Hayali und Ruhs in einem Atemzug erwähnt, zeigt freilich, dass wir auf weitere Schweigegelübde und Kehrtwendungen gefasst sein dürfen. Islamkritik oder Funkstille zum Islam – je nach Standort, Arbeitgeber oder eben Wetterlage … Und die wechseln in unserer schnelllebigen Welt halt. Flexibilität ist da das Erfolgsrezept.

Vielleicht war es auch dieser seltsame Hintergrund, der Weidel mit zu ihrer Absage bewegte…

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