Samstag, 18. Mai 2024

Burka und andere „Verblindungshauben“: Spanische Ansichten von Dieter Gellhorn

Der Mediziner Dieter Gellhorn ist PP-Lesern als beliebter Gastautor bekannt, viele sind aber auch begeisterte Leser seiner Bücher, die – auf historisch versierte und spannend aufbereitete Weise – die Auseinandersetzung mit dem Islam zum Gegenstand haben. Nun ist sein Buch „Spanische Ansichten“ erschienen. Eine Buchbesprechung von Hartmut Danneck, Oberstudienrat a. D.

Dieses Buch bietet Lese- und Denkvergnügen. Thema ist nicht das heutige Spanien. Spanien ist vielmehr das Aus-Land, von dem aus ein freier Blick auf scheinbar Selbstverständliches, Verdrängtes oder Unbekanntes gerichtet werden kann.

Reiche Lebenserfahrung

Der Verfasser gibt Einblicke in seine geistigen Streifzüge durch Geschichte, Kultur, Religion, durch Sozial- und Individualpsychologie. Der Leser nimmt Teil an den Gedankengängen und Reflexionen eines Zeitgenossen, der große Bildung, waches Interesse an der Welt, den Menschen und der eigenen Existenz und eine reiche Lebenserfahrung verbindet.

Schwerpunkte sind die Auseinandersetzung mit dem Islam, die Bedeutung des Kolumbus, die menschlichen und sozialen Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Frage der Religiosität in einer entgötterten Zeit, das Wesen von Mann und Frau, das Altwerden und die Sprache.

Der Mensch erscheint nicht ausschließlich als denkendes und glaubendes Wesen. Immer wieder liest man anregende Beobachtungen zu Eigenarten des Körper, zu seinem Altern, zur Physiognomie, zur Fortbewegung, zur Akupunktur u. a.

‟Zwischenheit‟, „Verblindungshauben‟, Nikab und Burka

Oft gelingen dem Verfasser überraschende und erhellende Gedankenverbindungen, Analogien und Bilder. So zeigt er Merkmale des Islams am Baustil bestimmter Minarette auf, erklärt Nietzsches Stil aus der buchlosen Existenz in Sils-Maria oder spricht von der „Erscheinungsmelodie‟ eines Menschen. Er stellt spielerische, kühne Bezüge her, z. B. zwischen sprachlichen Besonderheiten wie der Verlaufsform und dem britischen Wesen, und er vergleicht mit sprachgeschichtlichem Gespür die unterschiedlichen Denkformen, die bei Begriffen und ihren Entsprechungen im Englischem und Französischem auffallen.
Zum anregenden Stil des „Hommes de lettres‟ gehören auch eigenwillige Neuprägungen wie etwa ‟Zwischenheit‟, „Verblindungshauben‟ Nikab und Burka, „kaum bebuchte Lebenssituation‟, „Heil-Hitlerei‟, „Ich-Verschnürung im Schmerz‟ oder „humanistischer Permafrost der islamischen Staaten‟

Beeindruckend ist die nicht allzu häufige Verbindung von aufklärerischen Humanitätsidealen, dem freien Geist der politischen Unkorrektheit, einer großen Gelassenheit, ja Demut und dem Fragen nach Gott. Dadurch vermeidet der Autor apodiktische Aussagen, schematische Entgegensetzungen und plakative Verurteilungen, z. B. in der Islamfrage. Seine Islamkritik beruht auf großem Wissen, bietet ein facettenreiches Bild dieser Religion und zeigt den Islam als reale Bedrohung der abendländischen Kultur.

Empathie mit den Gläubigen

Der Muslim wird dabei nicht zum Feindbild. Man erkennt die Empathie mit den Gläubigen, denen hemmende Denkformen und Rituale der Außensteuerung eingeprägt werden. Man spürt auch die fast verzweifelte Hoffnung auf ihren Verstand, der doch zuletzt aus Glaubensketten zu erretten vermag, wie der Verfasser Goethe zitiert. Die Stärke des Islams, der als ressentimentgeladene Ideologie von Abgehängten gesehen wird, ergibt sich für den Verfasser auch aus der „Selbstzerstörungslust‟ des Westens.

Diesem Buch kann man nur möglichst viele Leser wünschen.

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich, kann aber auch bei allen Internetbuchhändlern bestellt werden:

Spanische Ansichten übers Jahr: Ein kritisches Allerlei in 259 Aperçus – GHV,  245 Seiten, 18.90 Euro. Wir empfehlen das Buch hier zu bestellen.

Addendum: „Schatten des Islam“

PP-Interview mit Dieter Gellhorn vor einigen Jahren in Köln:

David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Besteller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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